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Gesundheits- und Pflegeberufe

Beispielhafte Gesundheitsförderung – „Rückentag“ bei Schreinerei

Nach Kontaktaufnahme mit dem Projekt „Handwerk vital & demografiefest“ der Handwerkskammer (HwK) Koblenz in 2016 setzte nun die Schreinerei Christ GmbH & Co. KG in Dickenschied/Hunsrück eine der Anregungen in die Tat um: Sie organisierte für ihre Mitarbeiter einen Betrieblichen Gesundheitstag – ein Novum für kleine und mittelständische Unternehmen!

Schwerpunkt der Veranstaltung war das Thema „Rückengesundheit“, das in einem dreiteiligen Programm von Holger Ritter, Sportwissenschaftler bei einer Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), beleuchtet wurde. Bei einem Balance-Test erhielt jeder Mitarbeiter zunächst eine individuelle Auswertung seiner Gleichgewichtskoordination, ausgedrückt durch einen prozentualen Punktwert. Der Test gab Rückschlüsse auf die Gleichgewichtsfähigkeit sowie die Qualität der muskulären Ansteuerung der für die Gelenkstabilität extrem wichtigen Tiefenmuskulatur.

Ein gemeinsames Mittagessen in der Werkstatt bildete anschließend den Auftakt zu einer Unterweisung über den Aufbau der Wirbelsäule, Bedeutung und Funktion von Muskulatur und Bindegewebe, häufige Gründe für Rückenbeschwerden, die heute 90 Prozent der krankheitsbedingten Fehltage ausmachen, etwa funktionelle Fehlbewegungen sowie Muskelverkürzung und -abnahme infolge Bewegungsmangels.

Unter Anleitung des GKV-Gesundheitstrainers ging es danach zur Praxis. Kurzerhand wurde die Werkstatt in ein Fitness-Studio umfunktioniert. 45 Minuten absolvierten Chefs und Mitarbeiter gemeinsam systematisch vom Hals bis zu den Füßen einfache Mobilisierungs- und Kräftigungsübungen zur Stärkung der Schulter-, Rücken-, Rumpf-, Gesäß- und Beinmuskulatur: Faszientraining, das als „Osteopathie light“ von Holger Ritter besonders empfohlen wurde, Kreisen und Hack-Bewegungen der Arme und Hände, Gehen auf der Stelle, Dehnen und Strecken im Stand sowie Übungen im Ausfallschritt veranschaulichten dabei den notwendigen Bewegungsausgleich. Schon regelmäßig dreimal wöchentlich stattfindendes 30-Minuten-Training, so versicherte Ritter, würde dazu beitragen, die Mehrzahl aller Rückenprobleme dauerhaft zu beseitigen. Zur Nachhaltigkeit überreichte er jedem Mitarbeiter u.a. eine DVD mit Do-it-youself-Übungsanleitungen.

Angetan von Motivation und Engagement ihrer Belegschaft, zogen Geschäftsführer Andreas und Markus Christ eine positive Bilanz des „Rückentages“. Ihrerseits schlossen sie ihn mit einer eigenen Arbeitssicherheitsunterweisung ab. So wurden Arbeitsschutz und Betriebliche Gesundheitsförderung – Kernanliegen des HwK-Projektes, das vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie sowie dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird – konkret auf den Punkt gebracht.

Dr. Lothar Greunke

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