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(Aus-)Bildungskongress der Bundeswehr: Biografien 4.0

Realschule oder Gymnasium? Ausbildung oder Studium? Anders als noch vor rund 50 Jahren sind Lebenswege heute nur noch selten von der Geburt bis zum Ruhestand festgelegt. Mensch, Gesellschaft und Technik entwickeln sich rapide weiter – es bleibt oftmals nicht bei einer lebenslangen Arbeitsstelle, „ausgelernt“ hat man nie. Mit den Auswirkungen auf die Bildung und den Arbeitsmarkt befasste sich der (Aus-)Bildungskongress der Bundeswehr.

Bergmann, Maler oder Kaufmann in der dritten und vierten Generation, das war früher nichts Ungewöhnliches. Hatte der Vater kein Abitur, ging auch der Sohn nicht zum Gymnasium. Und mit der Lehre oder spätestens dem Meister endete das Lernen. Heute sind Fach- und Führungskräfte flexibel, weltweit mobil, lernen ständig dazu, um den Anschluss nicht zu verlieren, sind breit vernetzt und bleiben selten jahrzehntelang an einem Arbeitsplatz – eine Entwicklung, das sich der (Aus)Bildungskongress der Bundeswehr zum Thema machte.

Es ging um die Auswirkungen der Industrie 4.0 auf die Gesellschaft und somit auf die Biografien der Menschen – kurz: Biografien 4.0. Eine Feststellung: Der Berufsweg beginnt bei den Lebensjüngeren mit einem höheren Schulabschluss und damit deutlich später. Wie es Behörden und öffentlichen Einrichtungen gelingen kann, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen, war Thema des (Aus)Bildungskongresses der Bundeswehr. Austragungsort dieses größten Fachkongresses für Erwachsenenbildung in Deutschland war die Helmut-Schmidt-Universität/ Universität der Bundeswehr Hamburg. „Die Lebens- und Berufsbiografien vieler Menschen sind heute von Wechsel und Veränderung geprägt. Der demografische Wandel und der Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte stellen Organisationen und Unternehmen vor die Herausforderung, schnell und flexibel auf dem Arbeitsmarkt zu agieren. Auch die Bundeswehr muss sich dieser Entwicklung stellen“, stellte die Bundesministerin der Verteidigung, Dr. Ursula von der Leyen, in ihrem Grußwort für die Veranstaltung fest. „Flexibilität, Mobilität und die Digitalisierung bieten neben Anforderungen auch Möglichkeiten zur Gestaltung des Berufslebens und werden unsere Organisations- und Arbeitsformen künftig noch viel stärker prägen, als dies heute schon der Fall ist. Die Digitalisierung bietet hier eine riesige Chance.“

Individualität und Zielerreichung
Welche Auswirkungen die veränderten Biografien der Bevölkerung haben und wie Organisationen sich darauf einstellen können, war das zentrale Thema des Kongresses. Weitere Einflussfaktoren, wie der demografische Wandel und die Digitalisierung, standen zudem im Fokus.

Wie haben sich die Bedürfnisse der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Menschen verändert? Welche Erfahrungen bringen sie mit? Im Mittelpunkt stand die Frage, wie in Unternehmen und Organisationen das Spannungsfeld zwischen Individualität und gemeinsamer Zielerreichung konstruktiv aufgenommen werden kann, um persönliche Bedürfnisse ebenso zu berücksichtigen wie eine solidarische, ergebnisorientierte Aufgabenbewältigung.

Auf dem Fachkongress wurden Herausforderungen dargestellt, Lösungen und Lösungsansätze diskutiert und eine Plattform zum Austausch gegeben.

Der Präsident der Helmut-Schmidt-Universität, Prof. Dr. Wilfried Seidel, positionierte im Kongresskatalog den Ansatz der Universität im ständigen Wandel: „Insbesondere als Universität ist es unser Anspruch, die grundlegenden Fragen, was Bildung ist, sein kann oder leisten soll, immer wieder neu zu reflektieren. Als Bildungseinrichtung müssen wir uns in diesem komplexen, mitunter volatilen Gefüge von individuellen und organisationalen Bedürfnissen, Zielen und Perspektiven verorten.“

Höherer Schulabschluss üblich
Jüngere Menschen in Deutschland erreichen zum Beispiel durchschnittlich einen höheren Schulabschluss als die Älteren: 2015 hatten unter den 1950 bis 1955 Geborenen 39,8 Prozent einen Haupt-/Volksschulabschluss, während 24,1 Prozent die Fach- oder Hochschulreife erworben. Unter den aktuell 22 bis 26-Jährigen waren 2015 24,1 Prozent mit Haupt-/Volksschulabschluss und 49,7 Prozent mit der Fach- oder Hochschulreife. Daraus lässt sich unter anderem schlussfolgern, dass heutzutage ein wesentlich höherer Anteil an Schulabgängern dem Arbeitsmarkt erst im späteren Lebensalter zur Verfügung steht.

ots

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