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Handwerk

Wissenschaft trifft Handwerk – ein Praktikumsrückblick

Wie ein „Wanderer zwischen den beiden Welten“ – Wissenschaft und Wirtschaft – fühlte sich Sarah Diehl, Studentin des Studiengangs „Gesundheitsmanagement“ an der Hochschule Fulda, bei ihrer Absolvierung eines dreiwöchigen Studienpraktikums bei der Handwerkskammer (HwK) Koblenz.

Das Projektteam von „Handwerk – vital & demografiefest“ informierte sie über die Förderkulisse und Umsetzung eines ESF-Projektes, den Projektservice, die Medien- und Netzwerkarbeit sowie Dokumentationen. In Ergänzung des theoretischen Studiums erhielt Frau Diehl bei mehreren Betriebsbesuchen und Netzwerkkontakten einen Einblick in die praktische Umsetzung der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Iris Leisenheimer von Leisenheimer Die Malerwerkstätte in Windesheim veranschaulichte anhand zahlreicher Firmenbeispiele das Konzept einer mitarbeiterzentrierten, „lebenden Organisation“ mit betrieblicher Gesundheitsförderung als festem Bestandteil. Hierzu gehörten etwa der rückenfreundliche Pinsel- und Walzenauswaschplatz, Hilfsmittel zum Transport der Materialien, die Luftreinhaltungsanlage im Lackierraum sowie der ergonomisch einstellbare Schreibtisch im Büro der Geschäftsleitung. Obermeister Johannes Hörter und Kathrin Breivogel, Geschäftsführung der Flachdach Breivogel GmbH, unterstrichen die Bedeutung betrieblicher Gesundheitsförderung. In der Work-Life-Balance ihrer relativ jungen Belegschaft sei – typisch für die Generation Y – das Interesse am Privatleben jedoch überwiegend. Deshalb blieben bisherige Ansätze zu BGF noch sporadisch.

Bei einem Erstkontakt mit dem Hvd-Projektleiter räumte Obermeister Friedhelm Lenhart von Lenhart Automobilservice GbR der BGF Wichtigkeit ein, auch wenn dies bislang in seinem Unternehmen nicht systematisch gefördert wurde. Seine Absicht ist, nicht nur für den Eigenbedarf Umsetzungsmöglichkeiten zu überlegen, sondern dies auch mit den Vorständen der Kfz-Innung zu erörtern. Die Metallbautechnik Lorenz GmbH ist ein Vorzeigebetrieb hinsichtlich Arbeitsschutz und BGF. Obermeister Reinhold Lorenz setzt jährlich bei Gesundheitstagen neue Akzente. Noch in 2017 ist als Highlight ein Team-Building-Workshop bei dem 1. FSV Mainz 05 vorgesehen – eine Belohnung für wiederholt erfolgreiche Teilnahme am Bad Kreuznacher Firmenlauf. Die Führungsphilosophie von Alfred Wenz, Obermeister der Bäckerinnung und Kreishandwerksmeister Rhein-Nahe-Hunsrück, lautet zusammengefasst: „Nur gemeinsam sind wir stark!“ Er verdeutlichte an betriebsinternen Beispielen und seinem ehrenamtlichen Engagement, dass gerade das Bäckerhandwerk zum Erhalt der Lebensqualität im dörflich geprägten Hunsrück viel beitragen kann. Auch Steffen Schenk, Inhaber von Jost Elektrotechnik GmbH, betonte bei einem Erstkontakt, dass seiner Auffassung nach BGF wichtig sei und hierfür mehr Platz in den Unternehmen geschaffen werden sollte. Als Grund benannte er klar einen immer krasseren Fachkräftemangel als Hauptanforderung an KMU. In der Unternehmensführung ist daneben die Bindung der Mitarbeiter/-innen von größter Bedeutung, die zu intensivieren BGF helfen kann. Er plant, an einem der nächsten Projekt-Seminare gemeinsam mit seinen Mitarbeitern teilzunehmen.

An unterstützenden Netzwerkpartnern im Rahmen des Hvd-Projektes lernte Sarah Diehl die Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück, gesetzliche Krankenversicherungen – AOK und IKK Südwest – sowie das Fitnesscenter Merkelbach in Bad Kreuznach kennen. Sie alle sind für die praktische Umsetzung von BGF im Handwerk der Nahe-Region erste Adressen.

Erfreuliche Bilanz
In der Rückschau zieht die Studentin eine erfreuliche Bilanz: Nicht nur die Vielfalt der Handwerksberufe habe sie beeindruckt, sondern vor allem auch die individuelle Ausprägung der Betriebsorganisation und -kultur in KMU. Deutlich geworden sei, dass die Betriebsgröße die Implementierung der BGF maßgeblich beeinflusse. Der Entscheidungsfindungsprozess sei angestoßen und bei einigen Unternehmen sogar schon ein gutes Stück umgesetzt worden. Dabei übe die HwK Koblenz bei dem vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie (MSAGD) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Hvd-Projekt eine wertvolle Mittlerfunktion aus.So wie Sarah Diehl wird es vielen Bundeswehr-Absolventen gehen, die nach Ablauf ihrer Verpflichtungszeit in der zivilen Wirtschaft eine Anstellung suchen. Die Alltagswirklichkeit in kleinen und mittleren Unternehmen ist häufig wenig bekannt, bietet aber aufgrund ihrer Vielseitigkeit ein hohes Maß an Abwechslung, Spannung und Zufriedenheit. Typisch für KMU ist dabei, dass sie ihr soziales Engagement im regionalen Umfeld, freiwillig und quasi „geräuschlos“ praktizieren, also ohne große PR. Nicht zuletzt sind sie es, die gerade in strukturschwachen Gebieten die Lebensqualität erhalten.

Foto: Dr. Greunke

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