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Digitalisierungs-Diskurs: „weitgehend von Ängsten geprägt“

[1]Die Digitalisierung ist kein „Jobkiller“ – durch sie verringert sich der erwartete Engpass von 4,2 Millionen Arbeitskräften in Deutschland bis 2030 um die Hälfte. Dies ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und des WifOR-Instituts in Darmstadt.

Mit der Studie, deren Detaillierungsgrad deutlich über bisherige Arbeiten zu diesem Thema hinausgeht, will PwC dazu beitragen, die häufig sehr emotional geführte Debatte zu den Auswirkungen der vierten industriellen Revolution auf den Arbeitsmarkt zu versachlichen.

Norbert Winkeljohann, Vorstandssprecher von PwC Deutschland, sagt: „Die gesellschaftliche Diskussion über die Digitalisierung der Arbeitswelt ist weitgehend von Ängsten geprägt. Zahlreiche Unternehmen in Deutschland reagieren hingegen eher zurückhaltend bis ablehnend, wenn sie auf ihre Strategien in einer digitalisierten Welt angesprochen werden – auch wenn bereits viele Firmen an einer veränderten Ausrichtung und der Neugestaltung ihrer Geschäftsmodelle arbeiten.“

Einer der Gründe für diese diffuse bis negative Haltung ist aus Sicht von PwC die Tatsache, dass es bisher noch wenig konkrete Prognosen zu den Auswirkungen der Digitalisierung gibt, besonders im Hinblick auf die große Gruppe der Arbeitnehmer. Bestehende Modelle betrachten die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt häufig als isoliertes Phänomen oder reduzieren das Kernergebnis auf die Zahl, wie viele Arbeitsplätze voraussichtlich verloren gehen werden.

Konkrete Prognosen
Die nunmehr vorgelegte Studie von PwC und WifOR setzt an dieser Problematik an. Die Ergebnisse basieren auf einem neu entwickelten Modell, anhand dessen die Wirkung der Digitalisierung auf die Arbeitskräftenachfrage aufgezeigt werden kann. So ergibt sich quantifizierbarer Digitalisierungseffekt für die wichtigsten Berufsgruppen, der positiv oder negativ ausfallen kann. „Im Gegensatz zu vielen bisherigen Studien, die nur das Automatisierungs- und Rationalisierungspotential der Digitalisierung analysieren, ermöglicht unser Modell auch quantitative Aussagen darüber, in welchen Branchen und Berufen zusätzliche Arbeitsplätze entstehen werden“, erläutert WifOR Geschäftsführer Dr. Dennis A. Ostwald.

[2]So zeigt die Studie, dass bis zum Jahr 2030 rund 300.000 zusätzliche Arbeitskräfte in der Gesundheits- und Pharmabranche benötigt werden. Um 190.000 Erwerbstätige steigt der Bedarf des öffentlichen Sektors. Besonders auf Akademikerberufe wirkt sich die Digitalisierung aus: Zwei Millionen Hochschulabsolventen werden bis 2030 zusätzlich fehlen, mit einem Schwerpunkt auf den MINT-Fächern. Rückläufig sind die Prognosen dagegen im Handel: Um 940.000 wird die Nachfrage nach Verkaufskräften als Folge der Digitalisierung bis 2030 sinken.

Der höchste Anstieg der Nachfrage nach Arbeitskräften durch die Digitalisierung wird mit elf Prozent für die Branche „Technologie, Medien und Telekommunikation“ erwartet. Um sechs Prozent wird die Digitalisierung die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Branche „Gesundheit/Pharma“ bis zum Jahr 2030 steigern, um zwei Prozent im öffentlichen Sektor. In der Energiebranche wird die Nachfrage nach Arbeitskräften durch die Digitalisierung um ein Prozent sinken, in der Automobilbranche um sechs Prozent. Auf den Plätzen folgen die Branchen „Industrielle Produktion“ mit einem Rückgang von neun Prozent, das Banken- und Versicherungswesen mit zehn Prozent und der Handel mit einem Rückgang von 17 Prozent. Für die Branche „Transport und Logistik“ prognostiziert die Studie einen Rückgang der Arbeitskräfte-nachfrage um 19 Prozent.

Konkrete Aufgaben für Politik und Wirtschaft
Norbert Winkeljohann: „Die Aufgaben für Politik und Wirtschaft liegen angesichts der absehbaren Auswirkungen der Digitalisierung auf der Hand: Zunächst sollten für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der negativ betroffenen Berufsgruppen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten geschaffen werden. Gleichzeitig wird die Digitalisierung auch dazu führen, dass ehedem ins kostengünstigere Ausland ausgelagerte Unternehmensteile an den deutschen Stammsitz zurückkehren, da eine Auslagerung keine oder zu geringe Kostenvorteile mehr bieten wird.“

Der Staat, so die Studie, werde die anstehenden Bildungsaufgaben auf mehrere Schultern verteilen müssen, wobei Wirtschaftsunternehmen eine wichtige Rolle zufiele. Im Gegenzug sollten Unternehmen entlastet werden, um die notwendigen Aufgaben in der Aus und Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finanzieren zu können.

ots