// sie lesen ...

Gesundheits- und Pflegeberufe

Rekordniveau bei Krankmeldungen

Im ersten Halbjahr 2016 haben die Krankmeldungen ein Rekordniveau erreicht: Bei den in 2015 insgesamt laut Mikrozensus in Deutschland beschäftigten 36,2 Millionen Erwerbstätigen* betrug – wie die gesetzliche Krankenversicherung DAK-Gesundheit berichtet – der Krankenstand 4,4 Prozent. Das ist ein so hoher Wert wie zuletzt in den 1990er Jahren! Den Trend bestätigen Zahlen der Techniker-Krankenkasse (TK). Ursache sind insbesondere mehr Fehltage wegen psychischer Leiden und Muskel-Skelett-Erkrankungen, wozu auch Rückenschmerzen zählen. Bei beiden Diagnosen stieg die Zahl der Fehltage jeweils um 13 Prozent. Bei dem Anteil der psychischen Erkrankungen wirkt sich vor allem eine Enttabuisierung aus, wonach die Leiden zunehmend von Patienten artikuliert und von Ärzten auch als Diagnose dokumentiert werden.

Im Krankheitsfall geht es jedoch nicht nur um die medizinische Versorgung, sondern auch um die Frage der finanziellen Sicherheit. Maximal 78 Wochen ist ein Angestellter im Krankheitsfall versorgt: In den ersten sechs Wochen wird ihm der Lohn vom Arbeitgeber weiterge-zahlt, danach zahlt für maximal 72 Wochen die Krankenkasse Krankengeld. Dies beträgt 70 Prozent vom letzten Brutto-, maximal 90 Prozent vom letzten Nettolohn, ohne dass Beiträge zur Krankenversicherung zu zahlen sind. Nach Ablauf der 78 Wochen muss erneuter Anspruch auf Krankengeld mit einer Erwerbstätigkeit von mindestens sechs Monaten „erarbeitet“ werden. Wegen derselben Krankheit kann die Versorgung von 78 Wochen jedoch nur zweimal innerhalb von drei Jahren beansprucht werden. Bei längeren Erkrankungen kann die Krankenkasse auch einen Antrag auf eine vorsorgliche Reha-Maßnahme verlangen, um eine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit des Versicherten zu verhindern.

Für die Wirtschaftsunternehmen ist die hohe Ausfallquote ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor: Bei einem durchschnittlichen Bruttoverdienst von 3108 EUR pro Monat je Arbeitnehmer in 2015,** schlägt jeder Ausfalltag mit rund 104 EUR Direktkosten zu Buche. So wundert es nicht, dass das Thema „Gesundheit am Arbeitsplatz“ immer stärker in den Fokus der Personalpolitik wandert. Attraktive Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz werden immer häufiger als Präventionsinstrumente genutzt, um die Zahl der Krankheitstage zu reduzieren. Dies erfolgt jedoch nicht nur aus betriebswirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus personalpolitischen, um sich im Wettbewerb um gute Fach- und Nachwuchskräfte gut zu positionieren. Dr. Ernst-Dieter Lichtenberg, Leiter des Gesundheitsamtes im Kreis Bad Kreuznach, stellte bei der Auswertung von 18000 Sterbefällen seit 2006 fest, dass Frauen im Durchschnitt 82 Jahre alt werden, Männer aber nur 79. Den Grund hierfür sieht er vor allem darin, dass Männer das Thema Gesundheit aus ihrem Lebensalltag möglichst lange ausblenden, während Frauen sich häufig bewusst damit beschäftigen, indem sie Erfahrungen und Wissen untereinander austauschen.

Den Impuls zu Informationstransport haben mehrere gesetzliche Krankenversicherungen aufgegriffen, indem sie Wettbewerbe zum Thema „Betriebliche Gesundheitsförderung“ ausschreiben. So etwa die AOK-Gesundheitskasse Rheinland-Pfalz/Saarland mit dem Wettbewerb „AOK-MehrWert 2016“ oder die DAK-Gesundheit, die in Kooperation mit der Kommunikationsberatung MCC in 2016 zum zweiten Mal den Wettbewerb „Deutscher BGM-Förderpreis“ mit Schwerpunkt „Personelle Vielfalt“. Grundgedanke ist jeweils, gute Ideen und Initiativen zu identifizieren, sie als Best-Practice-Beispiele zu kommunizieren bzw. kreative und nachhaltige Projekte im Betrieblichen Gesundheitsmanagement mit Preisgeldern zu würdigen.

Dr. Lothar Greunke

* Erfasst sind darin vom Statistischen Bundesamt alle 15- bis 64-Jährigen, ohne Personen in Bildung, Ausbildung oder Freiwilligendienst. Der AK „Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder“ beziffert demgegenüber die Gesamtzahl auf 43,0 Millionen.
** Der Durchschnittswert überblendet das starke Lohngefälle unter den 16 Bundesländern, das von 3609 EUR/Monat in Hamburg bis 2397 EUR/Monat in Mecklenburg-Vorpommern reicht.

Diskussion

Kommentare sind für diesen Beitrag nicht zugelassen.

Kommentare geschlossen.