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Handwerk

Bundeswehr-Arbeitskreis aufgelöst

Fast 21 Jahre nach seiner Gründung wurde der von der Handwerkskammer (HwK) Koblenz ins Leben gerufene und moderierte regionale Arbeitskreis „Bundeswehr & Handwerk“ aufgelöst. Organisatorische Gründe infolge von Personalabschmelzungen bei der Kammer gaben hierfür den Ausschlag.

Der Arbeitskreis war ein freiwilliger Zusammenschluss von Truppenteilen, Dienststellen und Bundeswehr-Verwaltung in der Nahe-Region. Zuletzt gehörten ihm als Mitglieder an:

  • das Landeskommando Rheinland-Pfalz/Mainz
  • die Artillerieschule/Idar-Ober-stein
  • das Artillerielehrregiment 345/ Idar-Oberstein
  • das Führungsunterstützungs-bataillon 282/Kastellaun
  • das Karrierecenter Mainz mit
  • dem Berufsförderungsdienst Koblenz.

Ehemalige Mitglieder, die im Zuge der Bundeswehrstrukturreformen verlegt oder aufgelöst wurden, waren:

  • das Jagdbombergeschwader 73/Bad Sobernheim (bis 31. Dezember 1997)
  • das Artillerielehrregiment 5/ Idar-Oberstein (bis 31. März 2003)
  • der Berufsförderungsdienst Neustadt-Weinstraße (bis 31. März 2003)
  • das Raketenartillerielehrba-taillon 53/Hermeskeil (bis 31. Dezember 2006)
  • der Berufsförderungsdienst Trier (bis 31. Dezember 2012) sowie
  • die 2. Luftwaffendivision/Birkenfeld (bis 30. Juni 2013).

Im Sinne von „Hilfe zur Selbsthilfe“ verfolgte der Arbeitskreis folgende Ziele:

  • gegenseitiger Informationsaustausch durch
    • Fachvorträge seitens interner und externer Experten, z.B. über
      • Laufbahnen in der Bundeswehr und deren Anrechnung auf zivilberufliche Qualifizierungsgänge
      • Novellierung des Handwerksrechts 2004
      • Europäisierung beruflicher Bildungsabschlüsse
      • Zusammenarbeit mit Bundeswehr-Dienstleistungszentren im Rahmen der Auftragsvergabe
    • Betriebsbesichtigungen
  • Auswertung von Erfahrungen ehemaliger Zeitsoldaten
    • bei der Berufsförderung durch den BFD
    • bei Suche und Anstellung in Wirtschaftsbetrieben
    • bei eigener Existenzgründung
  • Erwartungen von Kreishandwerksmeistern, Obermeistern und Betriebsinhabern bei der Anstellung von ehemaligen Soldaten als Mitarbeiter und/oder Führungskräfte bzgl.
    • beruflichem Knowhow und Weiterbildung
    • Arbeitszeit
    • Personalentwicklung
    • Entlohnung
  • Kooperation mit:
    • den Innungen im südlichen HwK-Bezirk Koblenz
    • Wirtschaftsunternehmen aus der Nahe-Region
    • öffentlichen Einrichtungen (Arbeitsagentur und Jobcenter Bad Kreuznach)
    • lokalen Netzwerken (z.B. Arbeitskreis „Unternehmerfrauen im Handwerk/UFH“ Koblenz oder Arbeitskreis SchuleWirtschaft Idar-Oberstein)
    • Beratungszentrum „Bundeswehr – Wirtschaft“ bei der HwK Koblenz.

Diese Ziele wurden bei zwei Arbeitskreistreffen jährlich – jeweils eines im Frühjahr, das Fachvorträgen und internem Erfahrungsaustausch gewidmet war, sowie im Herbst, das seit 2004 regelmäßig für insgesamt elf Betriebsbesichtigungen in Handwerk und Industrie reserviert wurde – umgesetzt. Aus den insgesamt 41 Treffen ergaben sich fakultativ Einzelveranstaltungen in der Truppe beziehungsweise in Einrichtungen der HwK Koblenz, wie z.B. gezielte Informationsveranstaltungen für Personalführer oder Zeitsoldaten, Job-Messen oder Exkursionen.

Schlüsselerlebnisse waren es wohl, wenn sich bei Fachvorträgen und Betriebsbesichtigungen Unternehmensleiter oder Personalchefs selber als ehemalige Zeitsoldaten präsentierten und persönlich so etwas wie eine Brücke zwischen „Bund und Beruf“ darstellten; es verstanden, die beruflichen Vorerfahrungen von Soldaten unterschiedlicher Verwendungsgänge realistisch einzuschätzen und auf die betrieblichen Angebote zur Personalentwicklung abzubilden. Nicht zuletzt verstanden sie ihre Informationen aber auch als Ausdruck gelebter Kameradschaft mit noch aktiven Soldaten.

Es bleibt zu hoffen, dass im Zuge schwindenden Fachkräfte-Potentials Bundeswehr und Wirtschaft durch lokale Bündnisse Synergieeffekte nutzen, um die Nachwuchsgewinnung für beide Seiten akzeptabel auszugestalten. Einerseits braucht unser Staat eine einsatzfähige Armee, andererseits müssen diejenigen, die nach Ablauf ihrer Verpflichtungszeit den militärischen Dienst quittieren, zivilberuflich integriert werden. Dies aber ist eine gesamtgesellschaftliche Bringschuld.

Dr. Lothar Greunke

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