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Personen- und Werkschutz

Vom Feldjäger zum Polizei-Beamten

Das Polizei-Präsidium Potsdam hat 25 ehemalige Feldjägerfeldwebel der Bundeswehr als Beamte auf Probe zum Zweck der Ausbildung eingestellt. Diese bisher bundesweit einmalige Übernahme von Soldaten auf Zeit in den Polizeivollzugsdienst ist das Ergebnis eines neuen attraktiven Eingliederungsmodells des Berufsförderungsdienstes der Bundeswehr Berlin.

Das aktuelle Sonderprojekt entstand in enger Zusammenarbeit des Innenministeriums des Landes Brandenburg mit dem Kommando der Feldjäger der Bundeswehr Hannover und dem Berufsförderungsdienst (BFD) des Karrierecenters der Bundeswehr Berlin. Die Polizei in Brandenburg benötigt dringend qualifiziertes Personal. Trotz Aufstockung der Einstellungszahlen konnte der Bedarf an Nachwuchskräften bisher nicht schnell genug gedeckt werden. Auf der Suche nach zusätzlichen Möglichkeiten soll diese Lücke nun zukünftig auch durch die kurzfristige Einstellung gut ausgebildeter Zeitsoldaten geschlossen werden.

„Feldjäger, in anderen Armeen werden sie direkt als Militärpolizei bezeichnet, haben in ihrer Ausbildung und ihren Aufgaben zahlreiche Parallelen zur Polizei“, weiß Dietmar Keck, stellvertretender Pressesprecher im Polizeipräsidium Potsdam. „So sind sie für Sicherheits- und Ordnungsaufgaben und für strafprozessuale Maßnahmen innerhalb der Bundeswehr zuständig. Und es gibt immer wieder auch direkte Arbeitskontakte mit den örtlichen Polizeidienststellen.“

Nach einer entsprechenden Änderung der Polizeilaufbahnverordnung wurde nunmehr die besondere Möglichkeit geschaffen, ausgebildete und erfahrene Feldjägerfeldwebel einzustellen. Eine Gewinnsituation für beide Seiten. Den Soldaten bietet sich nach Dienstzeitende somit eine sichere Berufsperspektive.

Öffentlicher Dienst ist gefragt
„Das Interesse von ausscheidenden Soldatinnen und Soldaten an einer anschließenden Beschäftigung im öffentlichen Dienst war und ist schon immer sehr groß“, bestätigt Regierungsamtsrat Gerald Langner, Leiter Kundenservice des BFD Berlin. „Über 20 Prozent unserer ‚Kundschaft‘ ging bisher erfolgreich diesen Weg.“ Deshalb ist eine Einstellung in den mittleren Polizeivollzugsdienst des Landes Brandenburg als Beamte auf Probe zum Zweck der Ausbildung natürlich ebenso gefragt. Und die erfolgt für die Zeitsoldaten der Bundeswehr ohne Laufbahnprüfung. Zudem können sie frühestens nach der 18-monatigen Ausbildung zu Beamten auf Lebenszeit ernannt werden. 25 Feldjäger der Bundeswehr hatten das Auswahlverfahren bestanden und wurden als Polizeimeister eingestellt. Gewissermaßen ein uniformierter Laufbahnwechsel.

Attraktives Berufsangebot
„Das ist schon ein tolles und attraktives Angebot“, meinte Hauptfeldwebel Andreas Buk, der im Juni an einem der insgesamt sechs Auswahlverfahren der Polizei an der Fachhochschule in Oranienburg teilnahm. „Vor allem die langfristige Jobsicherheit ist für mich lukrativ“, so der 33-jährige Familienvater, der in Kasachstan geboren wurde und zwölf Jahre als Feldjäger bei der Bundeswehr diente.

Ein weiteres Plus: Die Polizei in Brandenburg erkennt die militärische Ausbildung der Feldjäger teilweise als Laufbahnbefähigung an. Im Normalfall dauert die Ausbildung im mittleren Polizeivollzugsdienst zweieinhalb Jahre. „Wir haben sicher schon ein wenig Berufserfahrung, können Gesetze lesen und anwenden. Eine gewisse Vorqualifikation ist sozusagen vorhanden, also Polizeierfahrung im täglichen Dienst“, sagte Hauptfeldwebel Buk, einer von insgesamt 62 Bewerbern der Bundeswehr.

Fit ins Wunschrevier
„Neben einem Check beim Polizeiärztlichen Dienst mussten sich die Bewerber einem Auswahlgespräch stellen und den sogenannten Cooper-Test absolvieren“, informierte Michael Rose, Projektverantwortlicher beim BFD Berlin, auf Nachfrage. Der Cooper-Test ist ein Ausdauerlauf, bei dem innerhalb von zwölf Minuten eine maximale Strecke absolviert werden muss. Fitness ist also auch bei der Polizei gefragt und ein wichtiger Teil der Ausbildung, da zahlreiche Abschnitte als Praxistraining direkt in den Polizeiinspektionen, speziell im Wach- und Wechseldienst, stattfinden. Nach erfolgreichem Abschluss wird den neuen Polizisten letztlich sogar die Möglichkeit geboten, sich ihr späteres Wunschrevier im Bundesland Brandenburg auszusuchen.

Das Innenministerium des Landes Brandenburg beabsichtigt, bei erfolgreichem Verlauf dieses Pilotprojektes, den Feldjägerfeldwebeln der Bundeswehr zum Dienstzeitende auch zukünftig diese exklusive Einstellungsmöglichkeit anzubieten. Das Polizeipräsidium in Potsdam setzt darauf, dass sich das Projekt bewährt und die Zusammenarbeit mit dem BFD der Bundeswehr ausgebaut wird. Es würde allen Beteiligten zum Vorteil gereichen.

Jörg Jankowsky

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