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Flüchtlingsdrama: viele Schiffbrüchige aufgenommen

Früh am Morgen des 8. Mai erhielt die „Hessen“ plötzlich einen Notruf, da war der übergeordnete Marineverband unter dem Kommando von Kapitän zur See Andreas Martin Seidl, 50, gerade mal einen Tag für die Mission Flüchtlingsrettung auf Patrouille im Mittelmeer unterwegs. Die italienische Seenotrettungsleitstelle Rom hatte ein Holzboot mit 224 Flüchtlingen circa 50 Kilometer nördlich der libyschen Küste ausgemacht. Bevor die Schiffbrüchigen ertranken, eilte die Fregatte „Hessen“ schnell zur Hilfe und evakuierte das seeuntüchtige Boot. Alle Passagiere gelangten an Bord, so das Verteidigungsministerium.

Von der italienischen Leitstelle kam dann am frühen Nachmittag erneut ein Notruf: Dieses Mal befanden sich 195 Flüchtlinge in einem heiklen Schlauchboot 30 Kilometer entfernt vom Einsatzgruppenversorger „Berlin“, der sie ebenfalls alle rettete.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen lobte die Aktion: „Ich bin erleichtert, dass die Flüchtlinge wohlbehalten an Bord sind. Und wir können stolz sein auf die Soldatinnen und Soldaten der ,Berlin’ und ,Hessen’. Seenotrettungsaktionen dieses Maßstabes sind komplett neu für die Marine. Trotzdem hat gleich beim ersten Einsatz alles geklappt.“ Am 6. Juni kam es dann zur letzten Fahrt des Marineverbands, bestehend aus der „Hessen“ und der „Berlin“. Dies war zugleich die größte Rettungsaktion während des Einsatzes der beiden Schiffe. Dabei retteten die Bundeswehrmarinesoldaten zusammen mit irischen und italienischen Kollegen wieder viele Menschen aus dem Meer. Die „Hessen“ und die „Berlin“ nahmen bei zahlreichen Einsätzen insgesamt 3.419 Personen auf, teilte das Einsatzkommando der Bundeswehr mit.

Beide Schiffe kehrten gegen Mitte Juni in ihren Heimathafen Wilhelmshaven nach circa halbjähriger Fahrt zurück. Sie hatten sich an der EU-Mission Atalanta am Horn von Afrika zum Kampf gegen die Piraterie beteiligt, bevor sie den Auftrag bekamen, durch den Suez-Kanal zum Mittelmeer zu fahren. Der Tender „Werra“ und die Fregatte „Schleswig-Holstein“ lösten beide Schiffe dann ab.

Völkerrechtlicher Grundsatz
Grundlage des ganzen Einsatzes ist Paragraph 98 des Seerechtsübereinkommens, der Schiffsführer dazu verpflichtet, Menschen in Seenot aufzunehmen. Weil es eine humanitäre Hilfsaktion ist, braucht dazu der Bundestag nicht zuzustimmen. Einsatzgebiet ist das Mittelmeer zwischen Italien und Libyen, ein Seegebiet mit einer Fläche von ungefähr 1.000 mal 700 Kilometern.

Text: Hans Martin Krause, Juni 2015

Fotos: Bundeswehr/Jonack/https://www.flickr.com/photos/augustinfotos/18217359936/

Bundeswehr/Hoder/https://www.flickr.com/photos/augustinfotos/17972393014/

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