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„Was wäre, wenn ich heute krank gewesen wäre?“

Die interessanten Erkenntnisse eines Ausfalltages: „Irgendwie komme ich an vielen Tagen zu nichts…“ – das ist ein Zitat, das wir alle von uns oder Teammitgliedern schon oft gehört haben. Für uns als Trainer ist es die Basis zahlreicher Zeitmanagement- und Arbeitsorganisationsprojekte.

Wir sind im beruflichen Alltag getrieben von den spontanen und dringenden Anliegen – seien es Mails, Anrufe oder Aufträge von Kunden oder Kollegen. Es sind Anliegen, die im Alltag oft Priorität genießen, weil sie dringend sind, weil sie so persönlich sind. Sie lassen viele andere Projekte in den Hintergrund treten. Besprechungen werden verschoben, Grundsatzarbeiten vertagt, strategische Aufgaben weichen dem operativen Druck. Die Begründung dafür ist stets gleich: „Ich kann ja nicht einfach Nein sagen.“

Doch ist das so? Die interessanteste Frage, die sich jeder in dieser Situation stellen sollte, ist: „Was wäre, wenn ich heute krank gewesen wäre?“ Was wäre in diesem Fall mit all den ach so dringenden und unaufschiebbaren Dingen geschehen? Wäre etwas Schlimmes passiert? Fast immer ist die Antwort darauf ein klares „Nein“. Dringende Aufgaben hätten auf einmal doch etwas mehr Zeit, oder jemand anders hätte es einfach selbst erledigt. Es geht für einen gewissen Zeitraum auch ohne uns, und das ist auch gut so.

Zeitmanagement hat wenig mit der Zeit an sich zu tun, es ist vielmehr Selbstmanagement. Wenn das Unternehmen einen Tag ohne mich überlebt, dann sollte das auch für eine Stunde am Tag problemlos möglich sein. Es ist die Stunde, in der ich mich um die Dinge kümmere, die für das Unternehmen und mich wichtig sind, aber halt nicht dringend.

Für mich ist es wichtig, Nein sagen zu können. Ansonsten ergebe ich mich in den fremdbestimmten Alltag und damit auch in überflüssigen Stress. Genau diese Situation führt verlässlich zu einem echten Krankheitstag.

Nicht immer kann ich Aufgaben ablehnen und nicht immer ist es leicht, in der Hektik des Alltags den Überblick zu bewahren und eine rationelle Entscheidung zu treffen. Umso wichtiger ist es deshalb, sich in solchen Situationen einfach mal die Frage zu stellen: „Was wäre, wenn…?“

Christian Stahl

  • Über den Autor
    Der 45-Jährige studierte nach seiner Ausbildung zum Dipl. Verwaltungsfachwirt Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt „Personalwirtschaft und Arbeitsökonomie“ an der Universität Gesamthochschule Kassel. Christian Stahl arbeitete am International Institute for Learning, NCY, in New York. Seit 1996 ist er Trainer und Berater bei Müller+Partner, seit 2000 Geschäftsführender Gesellschafter.
    www.muellerundpartner.de

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