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Handwerk

Kreativität und Diversifikation als Erfolgsgrundlagen im Metallhandwerk

Acht Vertreter des vor zwanzig Jahren gegründeten Arbeitskreises „Bundeswehr & Handwerk in der Nahe-Region“ führte bei ihrem 41. Treffen eine Betriebsbesichtigung zu der Lorenz Metallbautechnik GmbH, einem Familienunternehmen in Bad Kreuznach.

Betriebsinhaber Reinhold Lorenz – 58 Jahre, gelernter Maschinenschlosser und fortgebildet zum Maschinenbauermeister – hatte zunächst 25 Jahre bei dem Reifenhersteller Michelin in Bad Kreuznach gearbeitet, zuletzt als Schichtmeister in Instandsetzung und Produktion. Um sich neuen Herausforderungen zu stellen, gründete er gemeinsam mit einem Geschäftspartner vor 19 Jahren die Lorenz Metallbautechnik GmbH. Seine Gründungsidee war, Industrieunternehmen ausgelagerte Dienstleistungen anzubieten. Heute beschäftigt er dreißig Mitarbeiter, davon fünf Auszubildende. Bislang wurden in seinem Betrieb zwanzig Lehrlinge im Beruf „Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik“ ausgebildet; jährlich kommt ein neuer hinzu.

Berufsbildung und der Umgang mit jungen Leuten, so Lorenz, habe ihn schon immer interessiert. Seit Jahren schon ist er Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses der Innung Metallhandwerk des Kreises Bad Kreuznach und war auch lange Zeit Wehrführer in seinem Wohnort. Drei betriebliche Standbeine sichern den Erfolg seines Unternehmens, dies sind zu circa 70 Prozent Servicearbeiten für die Industrie (Instandsetzung, Anbauten, Umbauten), circa 25 Prozent Bauschlosserarbeiten sowie circa 5 Prozent Kunsthandwerk (Metallplastiken).

Erfahrungen mit der Bundeswehr hatte Lorenz als Wehrpflichtiger in den 1970er Jahren gesammelt: Er absolvierte seine Grundausbildung als Kfz- und Panzerschlosser in der InstKp 7/9 in Bexbach, diente anschließend in der 3./InstBtl 320 in Koblenz, wo er auch den Führerschein Klasse zwei erwarb. Gern denkt er an seine Militärzeit und die dort erlebte Kameradschaft zurück; wünscht sich, dass die Jugendlichen heute mehr Disziplin und Durchhaltevermögen besäßen, wie es die „Schule der Nation“ vermittelt habe. Ein TV-Film vermittelte einen optischen Überblick über die Betriebsräume, die anschließend begangen wurden.

Im Eingangsbereich befinden sich Büroarbeitsplätze, u.a. auch für CAD-Konstruktionen. Nebenan ist ein Besprechungsraum für regelmäßig einmal pro Quartal erfolgende Unterweisungen in Arbeitssicherheit/Unfallverhütung für alle Mitarbeiter. Für überdurchschnittliches Engagement auf diesem Sektor wurde Fa. Lorenz seitens der Berufsgenossenschaft als erstes Unternehmen in der Nahe-Region mit dem Gütesiegel „Sicher mit System“ ausgezeichnet. In weiteren Werkstätten – getrennt nach Stahl und Edelstahl – werden Bleche und Rohre bearbeitet, zerspant oder gefügt. Besonders vorteilhaft sei hierfür die unmittelbare Nachbarschaft eines Metallwerkstofflieferanten, so Lorenz. Nach einem Standortwechsel führte der Meister die Besucher in zwei Inhouse-Werkstätten bei der Firma Michelin, in denen im rollierenden Verfahren von zwei seiner Mitarbeiter Leergutreparaturen bzw. von einem Senior-Mitarbeiter Präzisionsarbeiten bei der Instandsetzung von Hydraulikzylindern vorgenommen werden.

In einer abschließenden Diskussion unterstrich Reinhold Lorenz seine Bereitschaft, auch ehemaligen Zeitsoldaten nach einem Coaching eventuell eine betriebliche Umschulung zu ermöglichen. Regelmäßig suche er Auszubildende auf den Ausbildungsmessen in der Region, die von der Arbeitsagentur oder Kreishandwerkerschaft und Handwerkskammer veranstaltet werden. Anforderungen an Bewerber sind: Eingangsberuf als Metallbauer oder Feinwerktechniker, die Bereitschaft, bei Bedarf auch am Wochenende zu arbeiten und sich beruflich weiterzubilden. Im Gegenzuge biete er ein familiäres Betriebsklima und Chancen zur Personalentwicklung bis zum Handwerksmeister. Derzeit befinde sich das Unternehmen in einem Generationswechsel; in absehbarer Zeit soll sein Sohn Sven die Betriebsleitung übernehmen. Als gemeinsames Projekt stünde jedoch noch eine Betriebsvergrößerung an, die an einem weiteren Standort ein zentrales „Fremdfirmen-Servicezentrum“ für die Wartung und Instandsetzung des Maschinen- und Geräteparks von Industrieanrainern zum Ziel hat.

Dr. Lothar Greunke

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