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Altersvorsorge im 21. Jahrhundert

Über die Jahrzehnte hat sich die gesetzliche Rente durch Reformen verändert, angepasst und sogar die letzte Finanzkrise in Deutschland überstanden. Doch für einen komfortablen Lebensabend reicht sie leider alleine nicht mehr aus. Zum 125. Geburtstag der Rente gab es am Dienstag, 2. Dezember 2014, einen Festakt im Berliner Abgeordnetenhaus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hob in ihrer Rede* hervor, dass Kontinuität und Wandel auf die gesetzliche Altersvorsorge gleichermaßen zutreffe. Von der Erfindung der Rente im Jahr 1889 bis heute habe man das System stetig ausgebaut. So sei etwa die Reform im Jahr 1957 durch Konrad Adenauer ein Meilenstein gewesen, weil die Rente dann erstmals Lohnersatz war und die Altersarmut zurückging. Jedoch machten der demografische Wandel weitere Reformen am Beginn des 21. Jahrhunderts notwendig – und die Erfindung der Riesterrente: „Die Riester-Rente steht zuweilen in der Kritik. Ich bin aber davon überzeugt, dass auch dieser Schritt wegweisend war, weil sich eine angemessene Absicherung im Alter künftig nur durch eine Mischung gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge aufbauen lässt.“

Zusätzliche Rentenformen
Für viele Soldatinnen und Soldaten auf Zeit, die in den zivilen Arbeitsmarkt eintreten, entstehen bei durchschnittlichem Lohn trotz Nachversicherung der Bundeswehrzeit später auch finanzielle Engpässe im Alter, weil allgemein die Anzahl der einzahlenden Versicherten sinkt und die der Rentenbezieher steigt. Dies macht eine private und/oder betriebliche Vorsorge notwendig. Zeitsoldaten, die noch im Dienst sind, können ebenso bereits einen Riester-Rentenvertrag abschließen.

Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale Hessen, Frankfurt am Main, rät dazu, sich vor einer Unterschrift ausführlich über Riester- und betriebliche Rente zu informieren. „Der Riester kann der erste Schritt in die Altersvorsorge sein, man muss jedoch darauf achten, dass das Produkt flexibel ist und sich mit den Produkten auseinandersetzen“, so Katharina Lawrence.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Hessen setzten die meisten der rund 15 Millionen Riester-Sparer auf Versicherungsprodukte: „Versicherer bieten zwei verschiedene Varianten: klassische Policen und Fondspolicen.“

Klassische versus fondsgebundene Riester-Rente
Eine sicherheitsorientierte Anlageform ist die klassische Riesterrente. Man zahlt monatlich einen festen Betrag ein und erhält nach Ende der Laufzeit eine lebenslange Rente. Diese besteht aus einem sicheren Auszahlungsbetrag sowie einem nicht garantierten Überschussanteil. Wichtig dabei sei, so die Verbraucherzentrale Hessen, dass man eine lange Einzahlungs-Vertragslaufzeit habe, denn die Abschlusskosten verteilten sich auf die ersten fünf Jahre und bei frühzeitiger Kündigung entstünden Verluste. Diese Versicherungsart lohnt sich besonders, wenn man ein hohes Alter erreicht und Kinder hat.

Dementgegen seien die fondsgebundenen Riester-Rentenversicherungen nach Ansicht der Verbraucherzentrale Hessen und laut Stiftung Warentest gar nicht zu empfehlen.

Staatlich gefördert
In der Ansparphase einer Riester-Rente gibt es staatliche, jährliche Zulagen: Wer den Mindesteigenbetrag (vier Prozent des Bruttogehalts) übers Jahr Monat für Monat einzahlt, der bekommt die jährliche Zulage von 154 Euro. Für Kinder zahlen die Versicherungen je nach Geburtsjahr noch höhere jährliche Zulagen aus. Mit einem Dauerzulagenantrag erspart man sich den zwölfmonatigen Papierkram. Die Ansparer sind verpflichtet, Gehaltserhöhungen und sonstige Änderungen in den persönlichen Verhältnissen immer mitzuteilen. Während der Ansparphase können die Versicherungsnehmer die jährlichen Einzahlungen bei der Einkommenssteuererklärung geltend machen. Im Rentenalter sind die Auszahlungen dann steuerpflichtig. Wichtig ist, einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag zu haben, um die Zulagen zu bekommen. Eine Zertifizierung ist jedoch keine Aussage darüber, ob sich der Vertrag eines Riester-Renten-Anbieters auch dann im Alter lohnt.

Es gibt unzählige Anbieter. Orientierung bietet etwa Stiftung Warentest unter www.test.de. Im Jahr 2015 sinken die garantierten Zinsen für die klassische private Altersvorsorge jedoch auf 1,25 Prozent, es gibt nur noch wenige ertragreiche Angebote.

Weitere Riester-Produkte sind unter anderem: der Riester-Fondssparplan (für risikobereite Anleger), Riester-Banksparplan und Riester-Bausparvertrag.

Betriebliche Rente
Eine betriebliche Rente macht Sinn, wenn ein Arbeitnehmer sehr lange in der gleichen Firma beschäftigt ist. Es gibt fünf verschiedene Wege: die Direktversicherung, die Pensionskasse, der Pensionsfonds (risikoreich), die Unterstützungskasse und die Direktzusage des Arbeitgebers. Vom Bruttolohn des Arbeitnehmers wird ein monatlicher Beitrag zum Aufbau der Altersvorsorge sozialversicherungsfrei und unversteuert abgezogen (Entgeltumwandlung), manchmal übernimmt auch der Arbeitgeber die Beitragszahlungen ganz oder teilweise. Bei der Entgeltumwandlung mindert sich die gesetzliche Rente jedoch.

„Arbeitnehmer, die Anwartschaften auf eine betriebliche Altersversorgung aus einer Pensionskasse, Direktversicherung oder einem Pensionsfonds erworben haben, besitzen sogar einen Rechtsanspruch darauf, dass das Versorgungskapital bei einem Arbeitsplatzwechsel übertragen wird“, so die Deutsche Rentenversicherung. Bei den anderen Arten der betriebliche Rente ist dieser Transfer beim Arbeitsplatzwechsel nicht garantiert, erfolgt aber eventuell nach Absprache. Im allgemeinen entstehen bei einem Transfer mitunter Kosten, die das Versorgungskapital mindern.

Artikel: hmk, 10.12.2014, B+B 1-2015 S. 16-17

Foto: DRV Bund/Frank Nürnberger
*Quelle: www.bundesregierung.de

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