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Logistik- und Verkehrsberufe

Ausbildung zum Berufskraftfahrer: Chancen und Risiken

Der Beruf Lkw-Fahrer steht in einer langen historischen Tradition. Den ersten Lastkraftwagen der Welt mit dem „Phoenix“-Motor erfand Gottlieb Daimler in Bad Cannstatt im Jahr 1896. Mit sechs PS, einem Zweizylinder-Heckmotor, einer Durchschnittsgeschwindigkeit von zwölf Kilometern, zwei Tonnen Nutzlast und einem Benzinverbrauch von 20,5 Litern sah dieses von der Daimler-Motoren-Gesellschaft schon sehr bald weiterentwickelte Vehikel zunächst noch aus wie eine Kutsche mit Motor. Wenig später legten dann auch andere europäische Hersteller wie zum Beispiel Scania in Schweden nach und stiegen ebenso in die Lkw-Produktion ein. Es entstand auch eine europaweite Zulieferindustrie für die Fahrzeugproduktion. Heute haben die meisten Lastwagen Bordcomputer, Klimaanlagen, Spurhalte- und Bremsassistenten und vieles mehr. In Schweden und Finnland setzen die Speditionen sogar sogenannte „Gigaliner“ (sehr lange 60-Tonner) ein, und in Australien gibt es gar noch größere „Road Trains“ mit durchaus 50 Metern Länge.

Derzeit läuft in Deutschland noch bis Ende 2016 ein Feldversuch mit Lang-Lkw von bis zu 25,25 Metern Gesamtlänge (bisher erlaubt: 18,75 Meter). Helmut Große vom Referat Straßengüterverkehr des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV) aus Bonn zieht eine positive Zwischenbilanz zum Monster-Truck-Experiment: „Als DSLV sehen wir in den vorliegenden Erkenntnissen eine erste Bestätigung für unsere Auffassung, dass innovative Nutzfahrzeuge wie der Lang-Lkw die Anzahl der Fahrten, den Kraftstoffverbrauch und die Emission reduzieren.“ Ein zentrales Ergebnis des Zwischenberichts durch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zum Experiment ist, dass zwei Fahrten rund drei Fahrten mit herkömmlichen Lastwagen ersetzen.

Zum jüngst erweiterten Streckennetz für diese Vehikel sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, dass der Feldversuch dadurch nun attraktiver sei und für die Unternehmen Investitionssicherheit schaffe. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur erweitert das Streckennetz für die Lang-Transporter regelmäßig. Rund 80 Lkw sind momentan im Rahmen des Versuchs in Deutschland unterwegs.

Viele Aufgaben
Eventuell eines Tages mal tatsächlich solche Riesen-Lkw zu fahren, dies ist nur eines von den möglichen Abenteuern eines Berufskraftfahrers. Im internationalen Verkehr ferne Länder sowie andere Landschaften und Menschen kennenzulernen gehört je nach Spedition auch dazu. Das Tolle an dem Job: Ist man erstmal losgefahren, schaut einem niemand mehr über die Schulter und man ist ganz auf sich alleine gestellt. Es geht dabei um mehr als Fahrkunst. Das Überprüfen der Fahrzeugtechnik, kraftstoffsparendes Fahren, kleinere Reparaturen am Vehikel unterwegs sowie dessen Pflege, der Umgang mit Maut- und GPS-Geräten, die Entgegennahme und Kontrolle der Ladepapiere, die Mitarbeit beim oder das selbstständige Be- und Entladen, das Sichern der Ladung, bei Bedarf auch der Umgang mit Firmen aus dem Ausland in Englisch oder etwa auch das Erledigen der Zollformalitäten: All dies gehört mehr oder weniger zum Berufsalltag dazu.

Zum Teil gelinge es den Logistikunternehmen und Speditionen nicht mehr, offene Stellen zu besetzen, weil nicht genügend qualifizierte Fahrer unter den Bewerbern seien, geht aus einem jährlichen Branchenbericht des Bundesamts für Güterverkehr hervor. Und: 43 Prozent der Fahrzeugführer sind älter als 50 Jahre. Somit hoffen die Transportfirmen auf qualifizierte Nachrücker, die der allgemeine dreijährige, duale Ausbildungsgang zum Berufskraftfahrer generell generiert. Doch viele Azubis lösen, die Anforderungen unterschätzend, ihre Verträge im ersten Lehrjahr auf und deswegen bieten viele Firmen die dreijährige Ausbildung erst gar nicht an.

Es gibt auch einen schnelleren, jedoch weniger nachhaltigen Weg zu diesem Job: die sogenannte (beschleunigte) Grundqualifikation.

Bei der Firmensuche gibt es sowohl für angehende Azubis als auch für gestandene Trucker beim Vorstellungsgespräch etwas zu beachten: Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter Berufskraftfahrern zeigt, dass in tarifgebundenen Betrieben das Bruttogehalt bei durchschnittlich 2.380 Euro liege und Lkw-Fahrer weniger Wochenstunden hätten wie andere mit über 50 Stunden und durchaus niedrigerem Lohn.

hmk

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