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Handwerk

Berufsförderung und Auftragsvergabe

Bad Kreuznach. Das 40. Treffen des vor zwanzig Jahren gegründeten  Arbeitskreises „Bundeswehr & Handwerk“ in der Nahe-Region führte wieder 14 Vertreter aus Truppe, Bundeswehrverwaltung und Handwerk im Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer (HwK) Koblenz zusammen. Auf der Tagesordnung standen diesmal Themen zur Berufsförderung und Auftragsvergabe.

Oberst d.R. Hans-Joachim Benner umriss kurz die Historie des Beratungszentrums Bundeswehr-Wirtschaft (BzBwWi) seit 1999 und stellte heraus, dass das Zentrum in 2013 bundesweit an 38 Standorten rund 2.600 sowie zusätzlich von Koblenz aus 3.400 Zeitsoldatinnen und Zeitsoldaten informiert und unterstützt habe. Bei 1.600 von ihnen seien daraus Berufswegplanungen und Stellenangebote entstanden. Deutlich habe sich der Stellenfokus Wirtschaft zu einem Riesennetzwerk entwickelt, das den Soldatinnen und Soldaten Hilfe zur Selbsthilfe bieten will und kann. Wegen des zunehmenden Fachkräftemangels am Wirtschaftsstandort Deutschland sehe das BzBwWi die Notwendigkeit, bestehende Projekte weiter auszubauen und neue Initiativen/Kooperationen zu erschließen. Als Adressaten hierbei wurden genannt: Förderkreis deutsches Heer, Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik, Bildungszentrum der Bundeswehr (BiZBw) sowie Aviation Academy Alliance. Gemeinsam mit dem Karrierecenter Mainz würden Wehrdienstberatungsaktivitäten geplant, die Jugendlichen eine Berufsperspektive aufzeigen sollen. Aktuell führe das Zentrum mit dem Campus Remagen Gespräche zur Qualifizierung in Bachelor-/Masterstudiengängen für Gesundheit und Pflege.

BwDLZ Koblenz
Michael Tiede, Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums (BwDLZ) Koblenz, bilanzierte, dass mit der Neuausrichtung der Bundeswehr in der Organisation aller 49 BwDLZ in Deutschland konsequent Prozesse durch Spartenorganisation abgebildet worden seien. Er verglich das BwDLZ Koblenz mit einem mittelständischen Unternehmen, das mit Arbeitsplätzen im Raum Koblenz-Lahnstein-Kastellaun-Rennerod-Diez die Kernaufgabe „Unterstützungsleistungen“ für über 40 zu betreuende Bundeswehr-Stellen mit rund 10.000 Leistungsempfängern zu erfüllen habe. 70 Prozent der Mitarbeiter seien in Koblenz eingesetzt; 72 Prozent von ihnen Arbeitnehmer, 26 Prozent Beamte und zwei Prozent Soldaten. Das BwDLZ Koblenz sei untergliedert in vier unabhängige Sparten, und zwar: Personalmanagement, Finanzen/Interne Dienster, Facility Management sowie Servicebereich Bundeswehrkrankenhaus/Krankenhausverwaltung im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz. Darüber hinaus sorge das BwDLZ Koblenz derzeit für die Ausbildung von mehr als 150 Nachwuchskräften in Verwaltungsberufen (31 Prozent), Heil- und Pflegeberufen (65 Prozent) und gewerblich-technischen Berufen (vier Prozent). Zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr stelle das Zentrum regelmäßig auch eigenes Zivilpersonal ab. Dieses ist dann in der Regel in so genannten „Einsatzverwaltungsstellen“ tätig, in denen nach den einsatzbedingten Anforderungen prinzipiell die gleichen Prozesse organisatorisch abgebildet würden wie in einem Dienstleistungszentrum.

Für den Bereich des Facility Managements stellte Rainer Ziermann zunächst die verschiedenen Formen der Bedarfsdeckung im Rahmen der dezentralen Beschaffung vor, die vollständig integriert in SAP abgebildet würden und jeweils mehrere elektronische Freigaben von verschiedenen Funktionsträgern erforderten. Die größten Haushaltsvolumen im FacilityManagement des BwDLZ Koblenz umfassten mit 16 Millionen Euro die Bewirtschaftung der Grundstücke, Gebäude und Räume sowie mit 6,1 Millionen Euro die Unterhaltung der Grundstücke und baulichen Anlagen. Aus Altbeständen der ehemaligen Standortverwaltungen habe das BwDLZ Koblenz rund 300 Rahmenverträge mit regionalem Bezug übernommen, deren Anzahl aus Praktikabilitätsgründen jedoch künftig reduziert werden müsse. Generell seien die BwDLZ aber weiterhin gehalten, im Rahmen der dezentralen Beschaffung vornehmlich mittelständische Interessen zu berücksichtigen und ein besonderes Augenmerk auf die Umweltverträglichkeit zu legen.

HwK-Geschäftsführer Dr. Bernward Eckgold gab einen Überblick über die bildungspolitischen Entwicklungen auf EU-Ebene seit 2002 und analog in Deutschland seit 2006. Ziel dieser Entwicklungen sei es, nationale Bildungsabschlüsse – derzeit (noch) ohne Abschlüsse der Allgemeinbildung – zunächst nationalen Niveaustufen zuzuordnen und diese dann gleichwertigen EU-Qualifikationsstufen gegenüberzustellen. In Deutschland seien mittlerweile die Bildungsabschlüsse in acht Niveaustufen unterschieden und z.B. auf den Meisterprüfungszeugnissen und Gesellenbriefen könne vermerkt werden, welchen Niveaus des deutschen und des europäischen Qualifikationsrahmens die Meister- und Gesellenabschlüsse zuzuordnen seien. Grundlegend für die Zuordnungen sei ein gemeinsamer Beschluss von Bund und Ländern im Jahre 2013.

Deutlich angesprochen wurde, dass mit der DQR-Zuordnung keine gesetzlichen oder individuellen Berechtigungen verbunden seien. Vorteilhaft sei am DQR die grenzüberschreitende Transparenz beruflicher und hochschulischer Qualifikationen, eine Verstärkung der Gestaltungsmöglichkeiten horizontaler und vertikaler Durchlässigkeit der Bildungssysteme und vor allem die „Gleichwertigkeit“ beruflicher und akademischer Bildungsabschlüsse.

Die Diskussion resümierte, dass die Einführung des DQR insbesondere erstmalig die Meisterqualifikation als „gleichwertig“ mit dem Bachelor-Abschluss in den bildungspolitischen Fokus gerückt habe. In der öffentlichen Wahrnehmung werde aber verkannt, dass ein Bachelor über keinerlei Berufspraxis verfüge. Empfohlen wurde, in der interessierten Öffentlichkeit die fachliche Expertise aufgrund praktischer Berufserfahrung deutlicher gegenüber rein hochschulischen Abschlüssen herauszustellen.

Dr. Lothar Greunke

Diskussion

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