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Gesundheits- und Pflegeberufe

Ein neues Ziel mit dem Berufsförderungsdienst

Oberfeldwebel Jan van Schöll hat trotz seines Handicaps ein neues großes Ziel vor Augen – eine zivilberufliche Beschäftigung als Sozialversicherungsfachangestellter. „Erst durch die intensive Beratung und Betreuung des Teams des Berufsförderungsdiensts Münster habe ich wieder neuen Mut gefasst und eine Zukunft für mein weiteres berufliches Leben gefunden“, so der Zeitsoldat.

„Als ich die Diagnose erhalten habe, sind alle meine Träume für meine zivilberufliche Zukunft wie Seifenblasen zerplatzt“, so Oberfeldwebel Jan van Schöll. 2007 erfuhr der Zeitsoldat, dass er an Multipler Sklerose erkrankt ist. Ab diesem Zeitpunkt hat sich sein Leben um 180 Grad gedreht. Während seiner Dienstzeit wurden die Auswirkungen der Krankheit von Monat zu Monat stärker. „Seit 2012 sitze ich nun im Rollstuhl – dabei fing alles nur mit einem tauben Gefühl im kleinen Finger an“, erzählt van Schöll über die Entwicklung seiner Krankheit. Doch van Schöll steht nicht nur vor der großen Herausforderung, die Symptome der Krankheit zu meistern, sondern als Soldat auf Zeit will und muss er auch im beruflichen Leben nach seiner Zeit bei der Bundeswehr wieder Fuß fassen.

Wie jeder Soldat, der sich nur für eine gewisse Zeit bei der Bundeswehr verpflichtet hat, musste sich auch van Schöll in einer der schwierigsten Phasen seines Lebens die Frage stellen, wie es beruflich nach der Bundeswehrzeit weitergeht. „Vor meiner Krankheit stand das für mich fest – eine Ausbildung zum Küchenmeister, anschließend die Ausbildung zum Lebensmittelchemiker und dann in der Süßwarenindustrie arbeiten“, sagt er. „Eine große Firma ist bei mir gleich um die Ecke.“ Ein Wunsch, der nicht in Erfüllung gehen sollte. Doch trifft man van Schöll jetzt, merkt man ihm seine Lebensfreude an – er hat ein neues Ziel vor Augen.

Ohne große Hoffnung
Van Schöll ließ sich vom Berufsförderungsdienst der Bundeswehr beraten. Die Mitarbeiter unterstützen alle Soldaten der Bundeswehr bei einem beruflichen Neustart und zeigen diesen mögliche Wege nach dem Ende der Dienstzeit auf. „Als ich bei meinem zuständigen Berater des Berufsförderungsdienst Münster war, ging ich davon aus, dass mein Berater mir auf Grund meiner Krankheit, wenn überhaupt entweder A oder B anbieten wird und ich mich zwischen diesen zwei Möglichkeiten entscheiden muss“, so van Schöll. Weit gefehlt – „das was ich hörte war: Herr van Schöll, Sie können fast alles machen – außer Dachdecker und Maurer“.

Umfassend ausgebildet
Sein Weg in der Bundeswehr war klar vorgezeichnet. „Ursprünglich war ich Verpflegungsfeldwebel in Emmerich, und später an der Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt bildete ich Feldköche aus“, erzählt van Schöll mit einem leichten Funkeln in den Augen. „Aber irgendwie war ich immer für alle zusätzlichen Aufgaben, die in den Einheiten anfielen, wie geschaffen. So hatte ich schon damals immer die unterschiedlichsten Zusatzaufgaben – von der Vorschriftenverwaltung bis hin zur Nachschubplanung.“ Als die Auswirkungen seiner Krankheit immer stärker wurden, wurde van Schöll in das 1st NATO Signal Bataillon nach Wesel versetzt. „Dort war ich als Geschäftsführer des Kasinos eingesetzt, wenn auch nur für wenige Stunden am Tag“, sagt van Schöll.

Neuorientierung
Aber auch die Zeit in Wesel ging vorbei. Nach dem ersten Beratungsgespräch schlug sein Ansprechpartner beim Berufsförderungsdienst, Herr Sandhowe, dem Zeitsoldaten eine Berufsorientierung im Berufsförderungswerk Oberhausen vor. „Dann ging alles sehr schnell. Kaum hab ich mich umgesehen, saß ich in Oberhausen“, so van Schöll. „In 14 Tagen wurde ich mit unterschiedlichsten Tests auf Herz und Nieren geprüft und zusammen mit mir wurde ein möglicher Karriereweg erarbeitet. Dabei haben die Berufsexperten des Berufsförderungswerk Oberhausen den Fokus vor allem auf meine Stärken aber auch auf mögliche Chancen für eine Festanstellung gelegt.“ Schnell waren sich er und das Assessment-Team in Oberhausen einig – eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten sollte es sein. „Denn hier kann ich mit meiner Krankheitserfahrung meine Kunden tatsächlich intensiv über mögliche Versicherungsleistungen beraten“, erzählt er.

Eine neue Aufgabe
„Für mich war aber vor allem die Perspektive ungeheuer wichtig“, erzählt van Schöll. „Nach dem ersten großen Tief und der Ratlosigkeit habe ich seitdem wieder ein großes Ziel vor Augen.“

Innerhalb kürzester Zeit hatte Herr Sandhowe einen Ausbildungsplatz beim Berufsförderungswerk besorgt – seit rund neun Monaten büffelt van Schöll nun Gesetzesgrundlagen und Rechnungswesen. „Das hat mir schon immer Spaß gemacht“, erzählt van Schöll mit einem großen Schmunzeln auf den Lippen. „Zudem sind die Möglichkeiten hier im Berufsförderungswerk wirklich hervorragend – alles ist barrierefrei und es gibt unheimlich viele Zusatzangebote wie ein Schwimmbad, Trainingsräume oder sogar einen Minigolfplatz.“ Das Berufsförderungswerk ist spezialisiert auf die berufliche Rehabilitation von Erwachsenen und bietet über 50 verschiedene Umschulungen an.

Enge Zusammenarbeit
Van Schöll wird sowohl durch sein Berufsförderungsteam als auch durch das Team in Oberhausen ständig beraten, betreut und unterstützt. „Ich wohne ja auch hier im Berufsförderungswerk. Kurze Wege und eine ständige Betreuung inklusive“, erzählt er. „Es ist fast ein bisschen wie Kasernenleben – nur mit mehr Komfort.“ In Kürze wird van Schöll dann in die Praxisphase gehen. Denn Teil der Ausbildung ist ein mehrmonatiges Praktikum bei einer Krankenkasse. „Auch das ist dank des Teams hier schon festgezurrt und kann für mich das Sprungbrett in eine Festanstellung sein.“ Über 90 Prozent der Absolventen bekommen nach ihrem Abschluss in diesem Beruf einen festen Arbeitsplatz – ein Ziel, dem van Schöll gerade wegen seiner wiedergewonnen Freude am Leben ganz nah ist.

Sebastian Wanninger

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