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Gesundheits- und Pflegeberufe

EVG „Berlin“ half nach dem Tsunami

Auf hoher See Patienten behandeln: Das auf einem Containersystem basierende Marineeinsatzrettungszentrum (MERZ) der Deutschen Marine ermöglicht erste notfallchirurgische Behandlungen im Einsatz direkt an Bord. So etwa Weihnachten 2004 im indischen Ozean in Südostasien beim Tsunami, der unendliches Leid hinterlassen hatte. Der Einsatzgruppenversorger (EVG) „Berlin“ der Deutschen Marine ist mit solch einem MERZ ausgestattet.

Im Rahmen der Operation „Humanitäre Hilfe für Südostasien“ fanden auf der „Berlin“ und gemeinsam mit einem Rettungszentrum an Land bei der Tsunami-Katastrophe 2.311 Behandlungen statt. Das Sanitätsteam nahm insgesamt 854 Patienten stationär auf und führte 196 Operationen durch.

Meditainer
Das MERZ kam zum Beispiel auch schon im Rahmen der aktuellen EU-Mission „Atalanta“ zur Bekämpfung der Piraterie am Horn von Afrika zum Einsatz. Die anfallenden OP-Abfälle und andere medizinische Stoffe, die im Umgang mit Erkrankten und Verletzten anfallen, sind auf Schiffen im Allgemeinen ein Problem. Bei den Operationen auf hoher See fällt ebenso kontaminierter Abfall an wie in Operationssituationen in Krankenhäusern an Land – nur ist die Entsorgung ungleich aufwendiger. „Durch die Installation eines ,Medister 160’ wird der Aufwand, potentiell infektiösen Abfall per Sondermüll entsorgen zu müssen, reduziert“, so ein Sprecher der Marine. „Das Gerät konnte ganz unkompliziert ohne Anpassungen direkt an Bord installiert werden.“ Dieses Abfalldesinfektionsgerät macht potentiell infektiösen Müll direkt vor Ort unschädlich und so den Umweg über eine Entsorgung als Sondermüll überflüssig.

Das Desinfektionsgerät (der Firma Meteka) zeichnet sich vor allem durch seine unproblematische Handhabung aus: Der Abfall wird in so genannten Meditainern gesammelt, stichfesten Behältern, die direkt in den Medister hineingelangen. So kommt das Personal im Zuge der Desinfektion nicht mit gefährlichen Erregern in Berührung. Pro Charge können rund 60 Liter behandelt werden.

Eine spezielle Mikrowellentechnologie, die patentierte Even-Heat-Methode, erhitzt den Abfall von innen heraus auf etwa 100° Celsius – auch bei inhomogener Zusammensetzung des Materials. Das Gerät hält die Temperatur 25 Minuten konstant und macht so alle infektiösen Erreger unschädlich. Nach der Behandlung entsorgt die Schiffsbesatzung den vormals gefährlichen Abfall bedenkenlos mit dem normalen Müll.

Einsatzverbände der Marine setzen sich aufgabenorientiert aus unterschiedlichen Schiffen und Booten zusammen. Die EGV sind dabei vorrangig für den Transport von Kraftstoffen, Proviant, Einzel- und Nichtverbrauchsgütern, Kantinenwaren und Munition zuständig und unterstützen darüber hinaus den Sanitätsdienst.

Das MERZ besteht aus 26 20- und 30-Fuß-ISO-Containern, die man zweistöckig auf dem Oberdeck installiert. Unter dem Containeraufbau befindet sich eine Station mit 34 Betten, die fester Bestandteil des EVG ist. Nimmt man das Lazarett noch dazu, bietet der EVG „Berlin“ Platz für über 40 Patienten. Bei Notfällen nimmt der Hubschrauber-Hangar bis zu 100 weitere Leichtverletzte auf. Als Paradebeispiel einer teilstreitkraftübergreifenden Operation arbeiten die Soldaten der Marine und des Zentralen Sanitätsdienstes hier zusammen. Das Team aus Allgemein- und Fachärzten sowie Sanitätssoldaten kann bis zu 58 Mann stark sein.

Red.

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