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„Duales Studium“ – Alternative auch für ehemalige Soldaten?

Zeitsoldaten, die in absehbarer Zeit ihren Dienst bei der Bundeswehr hinter sich haben, bietet sich mit einem anschließenden „dualen Studium“ ein Novum im Rahmen der Berufsförderung. In der beruflichen Bildung liegen duale Studiengänge im Trend. Die Zahl der Angebote steigt von Jahr zu Jahr. Was aber verbirgt sich genau dahinter?

Zunächst umfasst der Begriff „duales Studium“ kein einheitliches Konzept, sondern eine Konzeptvielfalt. Dies ist der grundgesetzlich verankerten Bildungshoheit der Länder geschuldet, die jeweils für sich entscheiden dürfen bzw. können, ob und welche Studiengänge in welcher Form dual angeboten werden sollen. Zu beachten sind von ihnen dabei höchstens Rahmenvorgaben in den jeweiligen Landeshochschul-/Berufsakademiegesetzen, zu deren Umsetzung jede Bildungseinrichtung eigene Gestaltungsspielräume nutzen kann. Gemeinsame Grundidee ist lediglich, in dualen Studiengängen berufspraktische und hochschulische Qualifizierung zu kombinieren.

Zur jeweiligen Konkretisierung wird hierzu zwischen Hochschule/Akademie und Wirtschaftsunternehmen ein Kooperationsvertrag geschlossen.

Formen dualer Studiengänge
Die Studierenden werden prinzipiell zweigleisig ausgebildet: einerseits an einer Hochschule/Berufsakademie, andererseits in einem Wirtschaftsunternehmen.

Damit bekommt der praktische Anteil der Ausbildung im Gegensatz zum herkömmlichen Studium ein deutlich größeres Gewicht. Oft werben die Berufsakademien mit Rahmenbedingungen, die an Hochschulen nicht selbstverständlich sind, etwa: überschaubare Gruppengrößen, hochwertige Ausstattung, individuelle Betreuung durch Lehrpersonal. Unterschieden werden:

1. Praxisintegrierende Studiengänge
In der Ausbildungsdatenbank „AusbildungPlus“ gibt es hier z.Z. rund 630 Angebote. Bei dieser Form wird der Praxisanteil der Ausbildung auf Grundlage eines Praktikanten- oder Volontariatsvertrages erhöht. Die Studiengänge sind nicht nur unterschiedlich lang (sechs bis zehn Semester), sondern auch sehr unterschiedlich organisiert: Weit verbreitet ist der Wechsel von je dreimonatigen Theorie- und Praxisphasen; üblich sind auch längere Praxisphasen in den ersten Semestern und längere Theoriephasen gegen Ende des Studiums. Die Verzahnung von Theorie und Praxis setzt Kooperation voraus. Dies reicht von der Abstimmung organisatorischer Abläufe bis hin zum Ineinandergreifen der Ausbildungsinhalte. Meist geschieht dies auf Grundlage eines Kooperationsvertrages zwischen Bildungseinrichtung und Unternehmen. In jedem Fall werden theoretische und praktische Ausbildungsphasen parallel absolviert, nicht nacheinander. Das beschäftigende Unternehmen zahlt für die praktische Tätigkeit ein Monatseinkommen, dessen Höhe im Praktikanten-/Volontariatsvertrag festgelegt wird. Das Einkommen wird während des gesamten Studiums gezahlt, also auch während der Präsenzzeiten an Hochschule/Berufsakademie. Oft übernehmen die Betriebe darüber hinaus ganz oder teilweise eventuell anfallende Studiengebühren.

2. Ausbildungsintegrierende (oder: triale) Studiengänge
Aktuell gibt es hier etwa 550 Angebote. Hierbei wird parallel zum Studium eine berufliche Erstausbildung mit anerkanntem Kammerabschluss (IHK, HwK o.ä.) absolviert. Die theoretischen Teile der Berufsausbildung werden entweder an einer Berufsschule vermittelt oder sind in das Studium integriert. Laut Grundsatzentscheidung des Bundessozialgerichts von 2009, revidiert durch den Gesetzgeber mit dem Vierten Gesetz zur Änderung des 4. Buchs Sozialgesetzbuch zum 1. Januar 2012, sind triale Studiengänge generell als sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse anzusehen. Das Unternehmen schließt mit dem Studierenden einen Berufsausbildungsvertrag ab, in dem u.a. eine mit der Ausbildungsdauer jährliche steigende Ausbildungsvergütung gemäß Tarif beziehungsweise – sofern kein Tarifzwang besteht – einzelvertraglich vereinbart wird. Tendenziell liegt die Ausbildungsvergütung über der eines „normalen“ Auszubildenden. Nach Ausbildungsabschluss regelt ein Arbeits-/Praktikantenvertrag die Fortsetzung der Vergütung. Eventuelle Studiengebühren werden auch bei dieser Form ganz oder teilweise von den Unternehmen getragen.

Vorteile dualer Studiengänge

  1. Ideale Verknüpfung von Theorie und Praxis.
  2. Frühes Kennenlernen der betrieblichen Organisation.
  3. Geld fürs Lernen.
  4. Strukturiertes Arbeiten.
  5. Hohe Übernahmechancen nach Abschluss des Studiums.
  6. Hervorragende Aufstiegschancen als Führungskraft.
  7. Kein Voll-Abitur nötig: Oft reicht für ein duales Studium schon die Fachhochschul-Reife. Deshalb liegt hier auch eine gute Chance für ambitionierte Realschüler.
  8. Nur beim trialen Studium: zwei Ausbildungen in kurzer Zeit: Bachelor plus Gesellen- bzw. Facharbeiterbrief.
  9. Nur beim praxisintegrierten Studium: Masterabschluss und anschließende Promotion möglich.

Nachteile dualer Studiengänge

  1. Wenig Freizeit, keine Zeit für studentischen Müßiggang. Unverzichtbar sind: viel Fleiß, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, auf Freizeit zu verzichten.
  2. Festlegung auf bestimmten Betrieb: Die praktische Ausbildung ist an den speziellen Anforderungen der Wirtschaftsunternehmen orientiert und darauf ausgelegt, dass der Student nach dem Abschluss in der Firma bleibt. Ein Wechsel ist meist nicht vorgesehen und auch gar nicht so einfach.
  3. Weniger Gestaltungsmöglichkeiten: Der verschulte Ablauf des Theorieteils enthält weniger akademische Freiheiten als das Studium an der Universität.
  4. Beim trialen Studium: Masterabschluss ist eher nicht möglich. Es endet meist mit dem Bachelor, an den eine reguläre Beschäftigung im Betrieb anknüpft. Der Master und damit die Promotionsberechtigung werden normalerweise nicht erworben.

Duale Hochschule Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz ist die DHR (= Duale Hochschule Rheinland-Pfalz) die Dachmarke, unter der das vielfältige Angebot an dualen Studiengängen an seinen Hochschulen zusammengefasst ist. Sie koordiniert die Vernetzung aller Aktivitäten und Akteure rund um das duale Studium. Als Serviceeinrichtung des Landes informiert und berät sie alle Interessierten, wie:

  • Schüler/-innen, die vor der Berufswahl stehen
  • Soldaten/-innen, die über keinen Berufsabschluss verfügen
  • Hochschulen und Unternehmen, die eine Kooperation im Rahmen eines dualen Studiums anstreben
  • Einrichtungen der Wirtschaft sowie
  • Einrichtungen der Berufs- und Studienberatung.

Text: Dr. Lothar Greunke

Kontakt
Duale Hochschule Rheinland-Pfalz (DHR)
Lucy-Hillebrand-Straße 2
55128 Mainz
Tel.: (0 61 31) 62 8-85 10 oder -85 11
E-Mail: info@dualehochschule. rlp.de
Internet: www.dualehochschule.rlp.de

Beispiele für triale Studiengänge


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