// sie lesen ...

Allgemein

Eine debattierte Branche

In den Erneuerbaren Energien gibt es viele Ausbildungsberufe* und auch Tätigkeiten für Umschüler. Wie sind die Jobperspektiven in dieser Branche? In Deutschland sind sich die meisten Menschen über das Ende der Atomenergie und den Fokus auf die regenerativen Energien einig, nur wie und wie schnell das geschehen soll, darüber scheiden sich die Geister. Am kompletten Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 hält auch die neue Bundesregierung einerseits fest. Im Koalitionsvertrag steht, dass bis 2025 rund 40–45 Prozent des Stroms grün seien. Momentan sind es rund 25 Prozent (Anteil der alternativen Energien am Endenergieverbrauch: circa 13 Prozent). Dabei spiele die Biomasse zum Schutz der Natur beim Ausbau der Erneuerbaren Energien eine geringe Rolle. Andererseits brauche man Braunkohle-, Steinkohle- und Gaskraftwerke somit noch längere Zeit für den Energiemix und die Versorgungssicherheit.  Voraussichtlich tritt im Sommer 2014 die Novelle des Erneurbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Kraft.

Die Solarbranche kriselt momentan immer noch. Nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW Solar) habe sich die Neuinstallation von Solarstromleistung 2013 um über die Hälfte reduziert im Vergleich zum Vorjahr. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Förderung nachlasse.

Solarbranche noch in der Krise
„Der weitere Ausbau der Solarenergie zur tragenden Säule der Energieversorgung ist klimapolitisch unverzichtbar und inzwischen bezahlbar. Jetzt gilt es, das beachtliche Potential der Solarenergie für die Energiewende zu nutzen“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar, in einer Pressemitteilung. Der Verband hatte an die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die Erwartung, dass die Solarstrom-Förderung monatlich nicht mehr nachlasse, weil die Hersteller diesem Tempo bei der Reduktion der Anlagenpreise nicht nachkommen könnten. Die Preise seien zuletzt schon teilweise unter die Produktionskosten gefallen.

Während es im Kleinanlagenbereich ein Wachstumsminus von zwölf Prozent gab, waren die Megawatt-Solarparks extrem stark von der Krise betroffen. Viele Jobs fielen in der Solarindustrie schon weg. Zwischen Ende 2011 und 2013 gingen einige deutsche Firmen pleite. Ebenso europaweit machten dutzende Firmen dicht.

Reform des EEG
Die EEG-Reformpläne des Bundeswirtschafts- und Energieministers Sigmar Gabriel, die sich in Sachen Strom zum prozentualen Ausbauziel des Koalitionsvertrages bekennen, billigte das Bundeskabinett Anfang April. Um die Stromendverbraucher zu entlasten, will der Wirtschafts- und Energieminister zum Beispiel die Stromerzeugerförderung für neue Ökoenergie-Anlagen in Zukunft senken. Dies strebt eine Reduktion der EEG-Umlage an, mit der alle Stromendverbraucher den Ausbau der Erneuerbaren Energien mitfinanzieren, indem sie die Differenz zwischen der Einspeisevergütung für die grünen Stromerzeuger und dem niedrigeren Marktpreis dieses Ökostroms ausgleichen. Das Ausbautempo der Solarenergie betrage dann jährlich 2.500 Megawatt (brutto) und das der Onshore-Windenergie 2.500 Megawatt pro Jahr (netto), heißt es im Gesetzesentwurf zur Novelle des EEG (Windenergie auf See: 6.500 Megawatt bis 2020 und 15.000 Megawatt bis 2030).

Die Novelle des EEG kommt beim Branchenverband BEE nicht gut an, der sich gegen das Vorhaben wendet, „die Eigenerzeugung von Ökostrom mit der Hälfte der regulären EEG-Umlage zu belasten.“ Dr. Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) sagt dazu: „Wer sich selbst, sein Unternehmen und seine Nachbarn mit sauberem Strom beliefert, übernimmt Verantwortung und unternehmerisches Risiko.“

Eine kritische Sicht zur Reform haben auch die Verbände BSW-Solar und der Bundesverband Windenergie (BWE).

Streit zwischen EU und Bundesregierung
Ein heikler europaweiter Streitpunkt war auch zuletzt das Entlasten großer energieintensiver Unternehmen in Deutschland von der EEG-Umlage. Die EU-Komission hatte in dieser Sache Ende 2013 ein Verfahren gegen Deutschland eingeleitet unter dem Verdacht der Beihilfe. „Der Ausgang des Prüfverfahrens hat erheblichen Einfluss auf die Zukunft des Industriestandorts Deutschland. Ein Wegfall der Entlastung für energieintensive Unternehmen wäre für viele Unternehmen und tausende Arbeitspätze das sofortige Aus“, sagte dann Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), in einer Stellungnahme zur Eröffnung des EU-Prüfverfahrens. Die Bundesregierung reichte Anfang März beim Gericht der Europäischen Union Klage gegen das Beihilfeverfahren der EU-Kommission ein. Nach zähem Ringen gab es nun eine Einigung, so die Wirtschaftswoche. Demnach bräuchten Aluhütten und Stahlwerke künftig auch nicht auf „Befreiungen bei den Förderkosten für erneuerbare Energien“ zu verzichten.

Kommentar
Diese Branche ist momentan dem Diskurs ausgesetzt wie sonst kein anderer Wirtschaftszweig, was auch die Beratung des EEG-Entwurfs im Bundestag zeigt.

Die Energiewende ist wegen der Umwelt ein Muss, doch ein weiterer rapider Anstieg der Strompreise würde die Gefahr bergen, dass sich schätzungsweise Millionen von finanziell schwachen Bürgern Strom überhaupt nicht mehr leisten könnten.

Text: hmk; 9. Mai 2014

*Duale Ausbildungsberufe in den Erneuerbaren Energien:

  • Anlagenmechaniker/-in (Dauer: 3,5 Jahre)
  • Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (3,5)
  • Brunnenbauer/-in (3)
  • Elektroniker/-in für Geräte und Systeme (3,5)
  • Elektroniker/-in für Maschinen und Antriebstechnik (3,5)
  • Fachinformatiker/-in (3)
  • Fachkraft für Kreis- und Abfallwirtschaft (3)
  • Fachlagerist/-in (2)
  • Fachkraft für Lagerlogistik (3)
  • Fertigungsmechaniker/-in (3)
  • Industriekaufmann/Industriekauffrau (3)
  • Industriemechaniker/-in (3,5)
  • Informatikkaufmann/frau (3)
  • IT-Systemelektroniker/-in (3)
  • Mechatroniker/-in (3,5)
  • Verfahrensmechaniker/-in für Kunststoff- und Kautschuktechnik (3)
    Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung. Manche dieser Berufe sind auch in anderen Branchen einsetzbar.

Diskussion

Kommentare sind für diesen Beitrag nicht zugelassen.

Kommentare geschlossen.