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Tatort Straße: Polizei informierte Lehrlinge

Lehrlinge im zweiten Ausbildungsjahr betrachten Führerschein und eigenes Auto vor allem auch als Statussymbole. Wenn dazu noch die Unbilden von winterlichen Strassenverhältnissen kommen, ist manchmal jedoch der „Traum von Freiheit“ schneller zu Ende, als man glaubt. Deshalb wurden im Berufsbildungszentrum Bad Kreuznach der Handwerkskammer (HwK) Koblenz rund 40 Jugendliche, die Bau- bzw. Metallberufe erlernen, von der Arbeitsgruppe „Junge Fahrer“ der örtlichen Schutzpolizeiinspektion über „Risiken im Straßenverkehr“ informiert.

Polizeioberkommissar Daniel Heyda und Kommissar Alexander Seibert illustrierten anhand authentischer Fotos aus der Nahe-Region sowie irischen Videomaterials entwicklungsbedingte und polizeilich ermittelte Hauptursachen für Verkehrsunfälle. Ihr Fazit: Die Altersgruppe der 17–25-jährigen, die nur einen Anteil von circa sieben bis acht Prozent an der deutschen Bevölkerung ausmachen, sind Spitzenreiter in der Unfallstatistik. Gab es 2008 im Zuständigkeitsbereich der Inspektion 531 Unfälle, so stieg die Zahl in 2012 auf 590.

Bei den Hauptursachen wurden typische entwicklungsbedingte Ursachen – u. a. Risikobereitschaft, Selbstüberschätzung, Abreaktion, Imponiergehabe – von Anfängerrisiko aufgrund fehlender Fahrpraxis und Handlungsautomation sowie mangelnder Gefahrenerkennung sowie polizeilich festgestellten Ursachen unterschieden. Bei den letzteren dominieren überhöhte Geschwindigkeit, zu geringer Sicherheitsabstand, Alkohol- und Drogenkonsum. Erfreulicherweise sind Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss im Inspektionsbezirk von 17 in 2008 auf elf in 2012 und unter Drogeneinfluss von sieben Fällen in 2008 auf vier in 2012 zurückgegangen. Mithilfe von EDV-Animationen machten die Beamten den Zusammenhang zwischen Reaktions-, Brems- und Anhalteweg ebenso anschaulich wie die Beeinträchtigung der optischen Wahrnehmung bei einem Blutalkoholkonzentrat von 0,8 bzw. 1,3 Promille mit Simulationsbrillen. Deutlich angesprochen wurde das Problem „Restalkohol“: Weil der menschliche Körper etwa eine Stunde benötigt, um 0,1 Promille Blutalkohol abzubauen, wird insbesondere am Wochenanfang die Fahrt zur Arbeit ein Risikounternehmen. Die Rechtsfolgen bei Führen eines Fahrzeuges unter Alkohol- bzw. Drogeneinfluss reichten von Ordnungswidrigkeiten bis zu Straftaten, die mit Geldbußen, Punkten im Verkehrszentralregister, Fahrverbot, Entzug der Fahrerlaubnis bzw. Geld- oder Freiheitsstrafen geahndet werden. Neu ist, dass auch Fahrradfahrer sowie Fußgänger bei regelmäßigem Alkohol- oder Drogenkonsum mit Fahrverbot oder Führerscheinentzug rechnen müssen.

Als weitreichende Auswirkungen von Verkehrsdelikten wurden herausgestellt:

  • a)    im persönlichen Bereich
    • Einschränkungen der privaten Mobilität, wie z. B.: Freunde, Bekannte oder Verwandte können nicht mehr so häufig bzw. nur mit mehr Aufwand (Nutzung ÖPNV) kontaktiert werden; Kontaktabbruch und Isolierung
    • Einschränkungen der beruflichen Mobilität, wie z. B.: An- und Abreise zu Bewerbungsgesprächen oder zum Arbeitsplatz, Fahrgemeinschaften mit Arbeitskollegen oder Führen von Betriebsfahrzeugen
    • finanzielle Belastungen, die neben Geldbuße und -strafe zusätzlich auch Beweissicherungs-, Anwalts- und Gerichtskosten, sowie ggfs. Schadensersatz und Schmerzensgeld umfassen. Allein die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (kurz: MPU), so genannter „Idiotentest“, kostet zwischen 2000 und 3000 EUR. Schnell kumulieren sich so mehrere tausend Euro.
    • psychische Belastungen, vor allem Schuldvorwürfe und Scham über die Zerstörung von Gesundheit und Leben anderer Verkehrsteilnehmer, insbesondere von nahen Angehörigen, Freunden und Bekannten; Arbeitslosigkeit
    • physische Belastungen, wie z. B.: bleibende gesundheitliche Schäden, Amputationen, Angewiesenheit auf einen Rollstuhl.
  • b)    im strafrechtlichen Bereich
    • Strafanzeige und Anlage einer Kriminalakte
    • Geld- bzw. Freiheitsstrafe
    • Erkennungsdienstliche Behandlung sowie
    • Hausdurchsuchung.
  • c)    im verwaltungsrechtlichen Bereich
    • Entzug der Fahrerlaubnis
    • Nachweis mehrjähriger Alkohol- bzw. Drogenabstinenz.

Als kontraproduktives Signal für den europäischen Straßen- und Autobahnverkehr bewerteten die Beamten, dass in Tschechien der Drogenerwerb zum Selbstkonsum seit kurzem straffrei ist. Dass dadurch Verkehrsdelikte unter Drogeneinfluss zunehmen werden, gilt als hochwahrscheinlich.

Dr. Lothar Greunke, Bund+Beruf 1-2014

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