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Personen- und Werkschutz

Sicherheit im Unternehmen

Neue Berufsbilder für ausscheidende Offiziere – Manager in U-Haft, Razzien in Vorstandsbüros, millionenschwere Geldbußen: Mehrere Großunternehmen wurden jüngst von Korruptions- und Kartellskandalen heimgesucht; Siemens, MAN, Ferrostaal und Daimler sind nur die bekanntesten Beispiele. Diese Affären haben dramatische Schäden verursacht. Zur Vorbeugung, Aufklärung und Bekämpfung solcher Krisen haben sich spezielle Schutzmechanismen durchgesetzt, die in der Wirtschaft als „Compliance” bezeichnet werden. Zudem gewinnt die Unternehmenssicherheit zunehmend an Bedeutung, u. a. durch Industriespionage und Cyber-Attacken.

Der Begriff „Compliance“ bedeutet aktiv geförderte Regeltreue. Es geht darum, in Unternehmen aus Regelverstößen resultierende Risiken zu erkennen, ihnen vorzubeugen und sie zu bekämpfen. Für Unternehmen ist dies vor allem aus Haftungs- und Reputationsgründen wichtig. Neben Korruption, Untreuedelikten und Kartellen bergen vor allem die Bereiche Bilanzen und Steuern, Geldwäsche, Embargos und Datenschutz Risiken für das Unternehmen. Zum Schutz vor solchen Risiken richten immer mehr Unternehmen neben der Unternehmenssicherheit eine eigene Compliance-Organisation ein.

Das Berufsbild des Compliance-Beauftragten gibt es in Deutschland erst seit wenigen Jahren. Die Aufgaben des Compliance-Beauftragten bestehen darin, Risiken zu identifizieren und durch geeignete Maßnahmen zu mindern. Insbesondere muss er die Compliance-Regeln gestalten, durch Schulungen kommunizieren und deren Einhaltung überwachen. Ferner muss er in Verdachtsfällen Aufklärungsmaßnahmen koordinieren. Idealerweise ist der Compliance-Beauftragte somit Prozessoptimierer, Präventionsbeauftragter und Krisenmanager.

Aufgrund ihrer Vorbildung und Erfahrung sind Offiziere nach Dienstzeitende als Compliance-Beauftragte gut geeignet. Sie sind gewohnt, Vorhaben zu planen und zu organisieren, Prozesse zu leiten, Dienstaufsicht auszuüben und die Einhaltung von Regeln zu überwachen. Ihnen bieten sich nach Dienstzeitende aussichtsreiche neue Berufsperspektiven in den Bereichen Unternehmenssicherheit und Compliance. Das Studienfach ist unerheblich: Aufgrund der vielfältigen Aufgaben können hier wirtschafts- oder geisteswissenschaftlich ausgebildete Generalisten ebenso tätig sein wie Pädagogen oder Ingenieure.

Fazit: Wer sich für Compliance interessiert, sollte sich schon während der aktiven Dienstzeit mit dem Thema vertraut machen. Informieren kann man sich etwa über Plattformen wie www.complianceforum.de oder www.transparency.de. Ein MBA- Aufbaustudium bietet z. B. die Deutsche Universität für Weiterbildung an (http://www.duw-berlin.de/). Einen einwöchigen Kurs bietet z. B. die Deutsche Gesellschaft für Qualität (www.dgq.de). Stellenanzeigen finden sich etwa unter: www.bvdcm.de/jobboerse. In jedem Fall förderlich sind gute englische Sprachkenntnisse.

Autor: Dr. Mark Zimmer, Major d. R., ist Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner der internationalen Kanzlei Gibson Dunn. Er referiert regelmäßig an der UniBw München und beim BFD zu neuen Berufschancen für ausscheidende Offiziere.

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