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Logistik- und Verkehrsberufe

Fahrlehrer/-in: ein beliebter Beruf

Die betriebswirtschaftliche Situation der Fahrschulen in Deutschland ist derzeit einerseits angespannt, andererseits gibt es auch optimistische Blicke in die Zukunft. Unter den Fahrlehrern ist der Anteil ehemaliger Soldaten besonders hoch. Einer Umfrage von Datapart Factoring zufolge halten rund 40 Prozent von 1.000 befragten Fahrlehrern die Wettbewerbssituation untereinander für nicht unproblematisch. Ein Drittel gibt dies auch als Aussicht für die nächsten Jahre an.

Grund dafür seien stetig steigende Rohölpreise, ein großes Angebot an Fahrschulen, harter Preiswettbewerb sowie ein demographisch verursachter Rückgang der Fahrschüler, wie aus dem VR-Branchen-Spezial des ifo‧Instituts an der Universität München hervorgeht. Schwierig ist auch, dass etwas mehr als die Hälfte der Fahrschulen kleine Betriebe mit einem Jahresumsatz von 17.500 bis 100.000 Euro sind. Nur jede zwanzigste Fahrschule bzw. Fahrschulenkette erwirtschaftet einen Jahresumsatz von ein bis zwei Millionen Euro pro Jahr.

Dennoch hat die große Mehrheit der deutschen Fahrlehrer großen Spaß am Beruf, 21 Prozent arbeiten gar aus „idealistischen Gründen“.

Besonders in den neuen Bundesländern geht es so manchem Fahrlehrer wirtschaftlich schlecht. Thüringen und Brandenburg gehören mit zu den Regionen, wo die Dichte an Fahrlehrern mit über 70 pro 1.000 Einwohnern am größten ist.

Vor diesem ökonomischen Hintergrund sagte der Auto Club Europa (ACE) im Jahr 2013 indirekt, dass die Durchfallquote der Fahrprüflinge von bundesweit 27,7 Prozent auf die angespannte Lage der Fahrschulen zurückzuführen wäre. Unter anderem Dr. Walter Weißmann vom Landesverband Bayerischer Fahrlehrer konterte daraufhin, andere Faktoren seien für die Quote verantwortlich, wie beispielsweise das G8, das jungen Menschen die Zeit und die Energie etwa für das Fahrenlernen raube. Ferner sei der Vorwurf populistisch.

Jeder sechste Fahrlehrer in Deutschland ist älter als 65 Jahre. Dies ist eventuell eine Chance für nachrückende Altersgruppen, die an diesem Beruf interessiert sind. Matthias Wimpff, Geschäftsführer von Datapart, meint sogar: „Wir werden es bald mit einem akuten Fahrlehrermangel in Deutschland zu tun haben, weil viele ältere Kollegen jetzt aus dem Dienst ausscheiden (…).“

Es kostet 8.000–10.000 Euro, um Fahrlehrer/-in der Klasse BE zu werden, bei einer Dauer von zehn Monaten. Für die Klassen A und CE/DE braucht man dann noch mal je einen ein- bis zweimonatigen, nicht mehr ganz so kostspieligen Zusatzkurs. Der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr finanziert bei ausreichender Verpflichtungszeit beispielsweise auch die Ausbildung zum Fahrlehrer nach Dienstzeitende.

Die Voraussetzungen für den Antritt einer Ausbildung zum/zur Fahrlehrer/-in der Klasse BE sind:

  • Besitz der Führerscheinklassen BE, A und CE
  • dreijährige Fahrpraxis (BE)
  • amtsärztliches Attest über die geistige und körperliche Eignung
  • mindestens Hauptschulabschluss mit anschließender Berufsausbildung oder das (Fach-)Abitur/die Fachhochschulreife ohne Beruf (Unteroffiziere brauchen ebenso keine sonstige Berufsausbildung)
  • Mindestalter 22 Jahre
  • keine Punkte in Flensburg
  • keine groben Vorstrafen
  • spätestens vier Wochen vor Beginn der Ausbildung: Antragstellung auf die Fahrlehrererlaubnis bei der Straßenverkehrsbehörde.

Ein alternativer und neuer Arbeitsbereich ist auch die Weiterbildung der Fahrlehrer zu Kraftfahreignungsberatern (KFB). In diesem Beruf geht es darum, auf die Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) vorzubereiten. Zudem hilft man Älteren, die Mobilität unter medizinischen und psychologischen Gesichtspunkten zu erhalten.

Text: hmk, Bund+Beruf 4-2013
*Foto: Bundeswehr/PIZ Eins FüKdo; https://www.flickr.com/photos/augustinfotos/8495258598/sizes/c/in/photostream/

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