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Logistik- und Verkehrsberufe

Berufskraftfahrer: verschärfter Fachkräftemangel

Es gibt zwei Wege, um als Fernfahrer/-in (Lkw/Bus) zu arbeiten: die (beschleunigte) Grundqualifikation oder den umfangreichen dualen Ausbildungsberuf. „Die sogenannte beschleunigte Grundqualifikation (…) dient dazu, dass man einen LKW bis zu 40 Tonnen fahren darf“, erklärt Frank Brochhauser, Ausbildungsberater bei der IHK Aachen. Ausführlicher lernen die Azubis in der dreijährigen dualen Ausbildung in Berufsschule und Betrieb den kompletten logistischen Ablauf vom Prüfen der Fahrzeugtechnik, der Annahme des Transportguts und rechtlichen Aspekten über das Sichern der Ladung bis hin zur Kontrolle der Ladepapiere, zum Transport und zum Entladen. Die Prüfung zum Abschluss der dreijährigen Ausbildung sei sehr schwierig, lohne sich jedoch letztendlich: „Wer jetzt diesen Beruf lernt, der wird nicht arbeitslos“, sagt Frank Brochhauser.

Denn: In manchen Speditionen stehen die Trucks still und warten auf Fahrer, weil in Deutschland eine Menge Berufskraftfahrer fehlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des ADAC-Truck-Service unter deutschen Transporteuren und Lkw-Fahrern. Demnach hätten derzeit ein Drittel der Unternehmen Probleme, qualifizierte Lkw-Fahrer zu finden. Im Jahr 2012 war dies noch nicht ganz so gravierend. Für die Fahrer seien „lange Arbeitszeiten, Termindruck und Stress beziehungsweise Hektik im Arbeitsalltag (…) Faktoren, diesem Beruf den Rücken zu kehren“, so der ADAC weiter. Dies führt zum Fachkräftemangel in dieser Branche.

Auch in der Spedition Kördel in Guxhagen bei Kassel macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar. „Viele Berufskraftfahrer sind jenseits der 50 Jahre, der Altersdurchschnitt ist schon relativ hoch“, sagt Kazimir Peheim, Ausbildungs- und Fuhrparkbetreuer in dieser Firma mit circa 470 Mitarbeitern und weiteren Standorten in Bottrop, Köln und Flörsheim. „Wir betreiben hier keine Hire-and-Fire-Politik“, erklärt er, das Unternehmen suche Mitarbeiter und Azubis aus dem gesamten Bundesgebiet und wolle diese natürlich langfristig binden. Sowohl die dreijährige duale Ausbildung als auch die beschleunigte Grundqualifikation kann man hier durchlaufen. Kazimir Peheim hatte sich einst selbst bei der Bundeswehr für vier Jahre verpflichtet und ist gegenüber regulär aus dem Dienst ausscheidenden Soldaten aufgeschlossen.

Das Unternehmen ist überwiegend im Inland tätig. „Ich fahre nur im Nahverkehr und bin jeden Tag zuhause“, sagt auch Sven Schäfer (34), einer der Lkw-Fahrer.

Zunehmender Regionalverkehr
Auch der bundesweite Trend neigt zum Nahverkehr: Der DEKRA-Arbeitsmarktreport kommt zu dem Ergebnis, dass die internationalen Fahrten abnähmen, während – bedingt durch den starken Online-Handel – die Touren im Nah- und Regionalverkehr rapide zunähmen. Ebenso laut Kraftfahrt-Bundesamt habe letztes Jahr im Vergleich zu 2011 der internationale Verkehr deutscher Trucks um 6,6 Prozent abgenommen.

Eine Studie der Hochschule Heilbronn zeigt einen weiteren Grund für den Fachkräftemangel: Deutschland habe überwiegend kleinere Speditionen mit bis zu fünf Vehikeln; nur ein Drittel von 9.000 ausbildungsfähigen Unternehmen bilde Fernfahrer aus, weil dies eine große betriebliche Hürde darstelle. Und: „In den kommenden zehn bis 15 Jahren gehen etwa 250.000 der jetzt rund 660.000 Fahrer in den Ruhestand. Die Lücke kann durch Nachrücker nicht mehr gedeckt werden“, so Logistikexperte Prof. Dr. Dirk Lohre. Dennoch zeigt diese Studie auch, dass viele Fahrer Spaß an ihrem Job haben, obwohl sie sich Dinge wie zum Beispiel bessere Kommunikationsmöglichkeiten sowie mehr Komfort in der Fahrerkabine wünschten. 2012 waren rund 80 Prozent aller Jobofferten für Fernfahrer Festanstellungen (2009: 72 Prozent).

Verkürzte Ausbildung möglich
Im Allgemeinen können manche Azubis die dreijährige duale Ausbildung in 2,5 Jahren machen, wenn sie eine hohe Vorbildung mitbringen, vorgeschaltete einschlägige Qualifikationen haben oder während des Bildungsgangs Überragendes leisten. Es ist rechtlich kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit verfügten jedoch fast zwei Drittel der Azubis über einen Hauptschulabschluss, 27 Prozent hätten mittlere Reife; gering sei hingegen der Anteil der Gymnasiasten und Bewerber ohne Schulabschluss bei diesem Beruf. Ferner seien gute Kenntnisse in den Fächern Mathematik, Deutsch, Werken/Technik, Physik und Englisch hilfreich, um den Beruf zu ergreifen. Berufskraftfahrer gehen auch mit GPS-Geräten um und führen unterwegs auch mal kleinere Reparaturen durch.

Wer situationsbedingt keine umfangreiche und aufwendige duale Ausbildung zum Berufskraftfahrer absolviert, für den ist eventuell die „beschleunigte Grundqualifikation“ für den gewerblichen Personen- und Güterkraftverkehr etwas, um diese Tätigkeit dennoch auszuüben. Die beschleunigte Grundqualifikation meint die Teilnahme an einem 140-stündigen Lehrgang bei einer anerkannten Ausbildungsstätte inklusive zehn Praxisstunden. Am Ende ist dann bei der für den Wohnort zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) eine 90-minütige theoretische Prüfung abzulegen. Die Prüflinge können die Fahrerlaubnisklasse(n) dann noch im Anschluss erlangen. Als Nachweis für die beschleunigte Grundqualifikation steht dann im Führerschein die Schlüsselzahl 95. Dies berechtigt dazu, innerhalb der Europäischen Union mit dem Lkw gewerblich Güter zu bewegen.

Früher reichte einfach die entsprechende Führerscheinklasse aus, um als Fernfahrer/-in zu arbeiten. Doch jetzt sind die Lkw-Fahrer (C1, C1E, C oder CE) dazu verpflichtet, bis spätestens 10. September 2014 eine 35-stündige Weiterbildung nachzuweisen, wenn sie den Führerschein vor dem 10. September 2009 erworben hatten (Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz) – auch Besitzer der beschleunigten Grundqualifikation wiederholen diese Weiterbildung alle fünf Jahre. Dies entspricht den ansteigenden Anforderungen in diesem Beruf.

hmk

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