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Logistik- und Verkehrsberufe

Deutschland sucht Lokführer

In Deutschland arbeiten zur Zeit nach Angaben des statistischen Bundesamtes ungefähr 36.000 Lokführer. „Die Berufsaussichten sind derzeit gut. Der Bedarf an Fahrzeugführern, egal ob schienengebunden oder nicht, ist bundesweit hoch“, sagt Stefan Leuschner, Fachbereichsleiter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Frankfurt am Main, und verweist auch auf ein Zitat des schottischen Ökonomen Adam Smith: „Eisenbahn, dass sind 95 Prozent Menschen und fünf Prozent Eisen.“

Der schon länger in Deutschland vorherrschende Fachkräftemangel betrifft ebenso diesen Beruf. Davor hatte die EVG schon öfters gewarnt. Der klassische Beruf des Triebfahrzeugführers bleibe „auch in den kommenden Jahren ein wesentlicher Baustein des Eisenbahnverkehrs“, so Stefan Leuschner.

Der Beruf Lokführer rangiert auch zusätzlich unter den Namen „Triebfahrzeugführer/-in“ und „Eisenbahner/-in im Betriebsdienst der Fachrichtung Lokführer und Transport“. Die Ausbildung ist dual, dauert drei Jahre und findet somit sowohl in der Berufsschule als auch in den Eisenbahnunternehmen statt. Rechtlich ist keine bestimmte Schulqualifikation vorgeschrieben, circa 59 Prozent der angehenden Azubis haben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit jedoch Mittlere Reife (Hauptschulabschluss: 17 Prozent; Hochschulreife: 22 Prozent; keinen Hauptschulabschluss und Sonstige: zwei Prozent). Weitere Anforderungen seien die körperliche Tauglichkeit sowie ein Mindestalter von 21 Jahren zum Führen der Schienenfahrzeuge. Ein Faible für folgende Wissensgebiete oder Schulfächer bilden eine gute Voraussetzung, um die Ausbildung erfolgreich zu überstehen: Mathematik, Physik, Werken sowie Technik. Denn man chauffiert nicht nur Personen und Güter, sondern testet auch vor der Fahrt alle Funktionen der Lok und zum Teil auch der Waggons.

Der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr unterstützt die regulär aus dem Dienst ausscheidenden Soldaten auf Zeit beim Ergreifen eines zivilen Berufs und kann auch eine derartige Ausbildung je nach Dienstzeitlänge finanziell fördern; bei einem dualen Bildungsgang erhalten die Azubis eine Vergütung.

Der Beruf Lokführer/-in steht in einer langen historischen Tradition. Nachdem die Briten durch den Ingenieur George Stephenson am 27. September 1825 die erste Eisenbahnstrecke der Welt zwischen Stockton und Darlington eröffneten, gingen auch die Deutschen am 7. Dezember 1835 mit der Linie Nürnberg-Fürth an den Start. Und es war Werner von Siemens, der die erste elektrische Straßenbahn erfand, die am 16. Mai 1881 in Berlin-Lichterfelde den Betrieb aufnahm, was ebenso eine Weltsensation war. Während die Reisegeschwindigkeit der Menschheit in den Jahrhunderten zuvor immer gleich blieb mit Pferden und Wagen, so beschleunigte das 19. Jahrhundert die Mobilität enorm. Anfangs waren die Bahn-Pioniere private Investoren. Doch schon bald übernahm der Staat den Betrieb des Verkehrsnetzes, wobei die Aktionäre meist Staatsschuldpapiere erhielten. In der Bundesrepublik Deutschland ist der Bahnbetrieb heute ein privatwirtschaftlich organisiertes Verkehrsunternehmen, wobei der Bund alle Anteile hat.

hmk

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