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Handwerk

Personalgewinnung und -entwicklung als gemeinsame Anforderungen

Herrstein. Personalmanagement sowie Änderungen in der Berufsförderung für Zeitsoldaten waren die Schwerpunktthemen beim 38. Treffen des Arbeitskreises „Bundeswehr & Handwerk“ in der Nahe-Region. Das Treffen führte 15 Vertreter der Artillerieschule/Idar-Oberstein, des Artillerielehrregiments 345/Kusel, des Führungsunterstützungsbataillons 282/Kastellaun, des Karrierecentrums Mainz sowie der Kreishandwerkerschaften Rhein-Nahe-Hunsrück und Birkenfeld im Zentrum für Restaurierung und Denkmalpflege der Handwerkskammer (HwK) Koblenz zusammen.

Annette Thoss, Leitende Regierungsdirektorin und seit Dezember 2012 Chefin des Karrierecenters (KarrC) Mainz, stellte Aufgaben und Gliederung der dem neuen Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) in Köln unterstellten 16 KarrC, davon acht mit Assessment, und 110 Karriereberatungsbüros (KarrBB) vor. Personalgewinnung, -entwicklung und -ausgliederung für militärische und zivile Bedienstete erfolgten erstmals in der Geschichte der Bundeswehr aus einer Hand. Ihre eigene Dienststelle, derzeit noch in Wiesbaden, umfasse 15 KarrBB in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland und sei zuständig für die Einstellung von Freiwillig Wehrdienstleistenden, ab/seit Juli 2013 auch von zivilem Personal für den mittleren technischen Dienst sowie Zeitsoldaten für die Laufbahnen der Mannschaften, Unteroffiziere und Feldwebel. Weiterhin sei das KarrC Mainz zuständig für die Dienstleistungsüberwachung und Reservistenbearbeitung. In der Diskussion wurde verdeutlicht:

  • Die Auswahl der Offiziere erfolge weiterhin in Köln durch das Assessmentcenter für Führungskräfte im BAPersBw.
  • Für die Laufbahn des mittleren technischen Dienstes wird grundsätzlich die Meisterprüfung analog Facharbeiterprüfung mit mehrjähriger Berufserfahrung vorausgesetzt. Eine Aufstiegsmöglichkeit in den gehobenen Dienst bestehe derzeit nicht.
  • Das KarrC Mainz befinde sich derzeit noch in der Aufbauphase und ist dadurch noch nicht in allen Aufgabenbereichen voll arbeitsfähig. Hierdurch ist eine Unterstützung durch das ehemalige ZNwG WEST, jetzt KarrC Düsseldorf, in diesem Jahr notwendig in Form der Durchführung von Assessments der SaZ-Bewerber/-innen. Ziel ist, dass künftig in den KarrBB eine computerunterstützte Vorauswahl erfolgen kann. Vorgeschlagen wurde aus dem Arbeitskreis, zumindest für diese Interimsphase, die Möglichkeit der Truppenwerbung stärker zur Bedarfsdeckung zu nutzen.
  • Um den Gesamtbedarf an Bundeswehr-Nachwuchs zu decken, müssten sich mindestens zehn Prozent aller 18-Jährigen für die Bundeswehr interessieren. Deshalb liege in der Informationsarbeit mit Schulen und Bildungsträgern sowie in der Nutzung der sozialen Medien ein besonderer Aufgabenschwerpunkt.
  • Zur Kooperation mit den Wirtschaftsbetrieben wurde das „Schaumburger Modell“ empfohlen sowie ein „Mehrwert“ der Mitarbeiter in Form von Höherqualifizierung, wenn diese freiwillig an militärischen Übungen teilnähmen.

Vom Pionieroffizier zum Betriebsberater
Michael Fuhr zeigte anhand seines eigenen Werdeganges auf, wie der Übergang von der Bundeswehr in die Zivilwirtschaft gelingen kann. Er selbst hatte Industriekaufmann gelernt, bevor er sich für zwölf Jahre für die Laufbahn des Pionieroffiziers verpflichtete. Während der Offiziersausbildung absolvierte er ein BWL-Studium an der Bundeswehr-Fachhochschule in Neubiberg, das er mit Diplom abschloss. Es folgten Truppenverwendungen als Zugführer, Kompaniechef und zuletzt S6-Offizier in der PioBrig 40/Lahnstein. Über den BFD absolvierte er ein Aufbaustudium an der „Controller-Akademie“. 1999 wurde er dann Betriebsberater bei der HwK Koblenz; in 2002 zusätzlich Leiter des HwK-Zentrums in Herrstein. Seine Beratertätigkeit umfasst die praxisgerechte Unterstützung von Handwerksbetrieben bei operativen und strategischen Entscheidungen durch allgemeine und branchenspezifische Infos, Gruppenveranstaltungen sowie persönliche Einzelberatungen. Das Anforderungsprofil für seine Arbeit umfasst neben BWL-Fachkompetenz vor allem auch soziale, Selbst- und Methodenkompetenz. Diese zu entwickeln, sei für ihn die Bundeswehr die „hohe Schule“ gewesen. Seine Empfehlungen an SaZ, die aus der Bundeswehr ausscheiden, lauten:

  • frühzeitig mit der Planung des späteren Zivilberufs beginnen
  • selbstinitiativ und systematisch Unterstützung hierbei suchen und aktiv auf den BFD zugehen
  • sich eigene Stärken bewusst machen und konstruktive Folgerungen aus Bundeswehrerfahrungen ziehen
  • Handwerksbetriebe und -kammern als Arbeitgeber gezielt kontaktieren.

Die Diskussion zeigte enorm gute Chancen auf Betriebsübernahmen auf, weil 31 Prozent der Betriebsinhaber über 50 Jahre alt seien. Wie Kreishandwerksmeister Eric Aulenbacher aus Birkenfeld betonte, besäßen darüber hinaus deutsche Meisterbriefe weltweit ein Riesenansehen, was nicht zuletzt US-Präsident Obama gelobt habe! Beste Möglichkeiten, sich über das Handwerk in der Region zu informieren, böten die Ausbildungsmesse Handwerk am 21. September 2013 im HwK-Zentrum Bad Kreuznach sowie die „Nacht der Technik“ am 9. November 2013 im Koblenzer HwK-Metall- und Technologiezentrum.

Änderungen in der Berufsförderung
Regierungsdirektor Markus Grunenberg, Leiter des zum KC Mainz gehörigen BFD Koblenz stellte nach einem Überblick über die 16 BFD-Dezernate deutschlandweit sowie die sieben Standortteams seiner eigenen Dienststelle klar: Mit Inkrafttreten des Bundeswehrreform-Begleitgesetzes  (seit 26. Juli 2012) sei zunächst altes und neues Förderrecht parallel angewendet, je nach Eintrittsdatum eines SaZ. Als wesentliche Änderungen des Berufsförderungsrechts stellte er an ausgewählten Fallbeispielen vor:

  • Verlagerung sämtlicher Förderansprüche in die Zeit nach Dienstzeitende
  • Flexibilisierung des Zahlungsbeginns der Übergangsgebührnisse bis sechs Jahre nach Dienstzeitende
  • Neuordnung der dienstzeitbegleitenden Förderung
  • Linearisierung und Erhöhung der Förderansprüche
  • Unterhaltsbeitrag für SaZ 20+ als Kann-Regelung zur Vermeidung sozialer Härten
  • Linearisierung und Erhöhung der Übergangsbeihilfe sowie
  • Neustrukturierung der Übergangsgebührnisse.

Im nachgehenden Gespräch wurde erläutert, dass Unternehmen auch weiterhin gezielt nach Fachkräften/Berufsnachwuchs beim Jobservice des BFD fragen könnten. Die Kostenhöchstgrenze für die Berufsförderung von SaZ steige – je nach Verpflichtungszeit – von 5.000,- EUR für SaZ 4 pro weiterem Verpflichtungsjahr um je 2.000,- EUR bis max. 21.000,- EUR für SaZ 12+. Sinnvoll könnten diese Fördermittel unter Berücksichtigung von betrieblich benanntem Fortbildungsbedarf genutzt werden. Gern informiere der BFD Koblenz Innungen und Kreishandwerkerschaften auch vor Ort.

Die Innung für Raumausstattung und Bekleidung
Landesinnungsmeister Helmut Schmidt, ehemaliger SaZ 4-Unteroffizier in der Nachschubtruppe, hat als Raumausstattermeister aus einem Hobby seinen Beruf gemacht: Fachmann für Tapeten, Bodenbeläge, Gardinen, Polstermöbel und Sonnenschutz. Mit der Novellierung der Handwerksordnung in 2004 sei seine Innung jedoch nicht zufrieden, weil im Zuge der Europäisierung der Berufsausübung für rund 58 Prozent aller Handwerke, darunter auch die Raumausstatter, die „Meisterpflicht“ entfallen sei. Heute könne sich jeder Raumausstatter nennen, der sich für circa elf EUR einen Gewerbeschein besorge und als „zulassungsfreies Handwerk“ bei der Kammer eingetragen sei. Transparent seien die Kriterien, nach denen die Berufe ausgesucht worden seien, in denen die Meisterpflicht entfallen ist, nicht. Als vereidigter Sachverständiger wisse er genau um „Kardinalsünden“ von „Pseudobetrieben“ und Schwarzarbeitern. Fatal sei der Wegfall der Meisterpflicht für den qualifizierten Berufsnachwuchs: Wo keine Berufsausbildung mehr nötig sei, lernten kaum noch Lehrlinge, bedauerte er. Deshalb fordere er von Politik und berufsständischen Vertretungen die Regelung einer Mindestqualifikation.

Dr. Lothar Greunke

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