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Gesundheits- und Pflegeberufe

Berufe in der Gesundheitsbranche

Bei den Gesundheitsberufen, die mit Berufsförderungsanspruch durch den BFD gute Ausbildungsperspektiven bieten, verändern sich momentan traditionelle Berufsbilder, wie etwa das des Rettungsassistenten; ebenso in den Pflegeberufen plant das Gesundheitsministerium eine Reform. In dieser wachsenden Branche sei die Beschäftigung seit der Jahrtausendwende nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit um ein Fünftel gestiegen. Doch dies deckt den Bedarf an Arbeitskräften bei Weitem nicht. Denn es ist zunehmend schwierig – besonders bei den Pflegefachkräften –, Bewerber um offene Stellen zu finden: Personelle Engpässe gibt es im gesamten Bundesgebiet.

Neuer Beruf: Notfallsanitäter/-in
Ab 2014 werde die neue dreijährige Ausbildung zum/zur Notfallsanitäter/-in die bisherige zweijährige Ausbildung zum/zur Rettungsassistent/-in ablösen, sagt Johannes Becker von der Ressortleitung der Rettungsassistentenausbildung des Deutschen Roten Kreuzes in Mainz.

Interessenten, die im Sanitätsdienst der Bundeswehr tätig waren, konnten die zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten bisher verkürzen. Die neue Ausbildungsform ermöglicht es nach Paragraph neun des neuen Notfallsanitätergesetzes, auf Antrag eine bereits abgeschlossene einschlägige Ausbildung oder Teile davon zeitlich anrechnen zu lassen.

Circa 40.000 Rettungsassistenten arbeiten derzeit in Deutschland und haben rund 11,4 Millionen Einsätze im Jahr, so die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Dies entspreche 143 Einsätzen pro 1.000 Einwohnern im Jahr. Der Stand von Wissen und Technik hat sich in den letzten Jahren nicht nur in diesem Beruf rapide verändert. „Eine Modernisierung und inhaltliche Aufwertung des Berufs des Rettungsassistenten und nun Notfallsanitäters war lange überfällig. Damit sichern wir eine qualifizierte notfallmedizinische Versorgung für die Menschen in Deutschland“, erklärte Gesundheitsminister Daniel Bahr in einer Pressemitteilung. Wesentlich neu für das Tätigkeitsfeld des Berufs ist, „dass der Notfallsanitäter (NotSan) zukünftig eigenverantwortlich die in der Aus- und Fortbildung erlernten Maßnahmen bei lebensbedrohlichen Zuständen ergreifen kann und darf“, so der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst (DBRD), der das veränderte Berufsbild begrüßt, weil es die Effizienz der Notfallversorgung verbessere. Neu ist auch, dass die Azubis jetzt Lohn erhalten.

Dementgegen kritisiert die Bundesärztekammer in einer Stellungnahme, dass die Notfallsanitäter in Zukunft überfordert seien, weil diese jetzt invasive Maßnahmen durchzuführen haben und teilweise die Aufgaben von Ärzten im Bereich der Heilkunde am Unfallort übernehmen. Dies bedeutet in diesem Job eine enorme Erweiterung des Verantwortungsbereichs für das Leben verletzter Menschen. Die Bundesärztekammer befürchtet nun die Tendenz zum notarztfreien Rettungssystem.

Kurze Ausbildung: Rettungssanitäter/-in
Es gibt auch die nur drei- bis neunmonatige Ausbildung zum/zur Rettungssanitäter/-in. In diesem Job unterstützt man die Notfallsanitäter (bzw. Rettungsassistenten) und hat nicht so viel Verantwortung wie diese.

Pflegeberufe
Innerhalb der Gesundheitswirtschaft ist der Beruf Altenpfleger/-in (Bund+Beruf 3-2012) und der Pflegesektor im Allgemeinen ganz besonders vom Fachkräftemangel betroffen. Weil der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung und der Bundesaltersdurchschnitt zunehmend steigen, benötigt Deutschland noch mehr Altenpfleger.

Bis 2025 fehlten insgesamt 200.000 Pflegefachkräfte, so Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. Momentan könne man gut 50.000 Stellen mit Pflegefachkräften neu besetzen, und nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit kamen im Jahr 2012 auf 100 offene Stellen nur 37 arbeitssuchende Altenpflegefachkräfte.

Vor diesem Hintergrund beginnen Bund, Länder, einschlägige Verbände, die Bundesagentur für Arbeit, die Verdi-Gewerkschaft und andere, die „Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege“. Ziel ist unter anderem, die Ausbildungskapazitäten der Altenpflegeschulen zu erhöhen. Des Weiteren strebt die Offensive an, dass Azubis oder Arbeitnehmer Familie und Ausbildung beziehungsweise Beruf besser unter einen Hut bekommen. Und die Förderung der Altenpfleger-Ausbildung soll verbessert werden. Nicht nur Jugendliche und junge Erwachsene, sondern auch lebens- und berufserfahrene Interessenten visiert die Initiative an.

Der sich anbahnende Pflegenotstand droht, auch andere Wirtschaftsbereiche negativ zu beinträchtigen und die Ökonomie, das Wachstum und den Wohlstand zu schwächen, wie die von der vbw Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. in Auftrag gegebene Studie der Prognos AG „Pflegelandschaft 2030“ zeigt: „Die Zahl der Pflegebedürftigen wird von heute 2,4 Millionen auf 2,9 Millionen im Jahr 2020 und 3,4 Millionen Menschen im Jahr 2030 steigen (…). Wenn es nicht gelingt, mit geeigneten Maßnahmen die Versorgung der Pflegebedürftigen heute und in Zukunft zu sichern, kommt es zu Fehlallokationen von Arbeitskräften in allen Wirtschaftsbereichen“, stellt Bertram Brossardt, unter anderem Hauptgeschäftsführer des vbw, fest.

Die Studie zieht folgendes Fazit: Als Alternative zur steigenden Arbeitszeit und höherer Erwerbsbeteiligung komme auch ein deutliches Bekenntnis zur „zielgerichteten“ Zuwanderung infrage. Deutschland benötige bis 2030 jährlich etwa 20.000 Zuwanderer speziell für die (Alten-)Pflege, um das demografische Problem zu lösen. Weitere geeignete Mittel lägen in einer Bildungsoffensive und verbesserten Bildungschancen.

Den Beruf Altenpfleger/-in zu erlernen bedeutet – auch wenn die Gehaltsaussichten momentan nicht so top sind –, in einer Wachstumsbranche einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Und dies trifft auch auf den Beruf Krankenpfleger/-in zu.

Die momentane Bundesregierung plant**, die Altenpflegeausbildung, die Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung sowie die Gesundheits- und Kinderkrankenpflegeausbildung in einem einzigen dreijährigen Ausbildungsgang mit der Zulassungsvoraussetzung eines mittleren Bildungsabschlusses zusammenzuführen. Ziel ist, die Attraktivität des Pflegesektors durch vielfältigere und variablere Einsatzgebiete für die zukünftigen Arbeitnehmer zu erhöhen. In diesem Zusammenhang ist darüber hinaus zusätzlich eine neue akademische Ausbildung beabsichtigt.

Text: hmk

 

** Beim Redaktionsschluss der Ausgabe Nr. 3 dieser Zeitschrift am 30. Juli 2013  lag ein durch Eckpunkte bereits umrissener Gesetzesentwurf scheinbar noch nicht vor.

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