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Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien: ein zukunftsreiches Berufsfeld

Dem gesellschaftlichen Willen, den Energiebedarf Deutschlands eines Tages nur noch aus nicht fossilen Energieträgern zu decken, kommt der Beschluss der Bundesregierung entgegen, bis zum Jahr 2050 „überwiegend“ auf alternative Energien umzustellen. Auf dem Weg dorthin soll 2022 das letzte Kernkraftwerk vom Netz gehen. Wasserkraft, Windenergie, solare Strahlung und Erdwärme erzeugen schon heute sauberen Strom für viele Haushalte. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung in Deutschland hatte 2011 rund 20 Prozent betragen, in 2012 waren es etwa 24 Prozent; in Großbritannien gab es wohl am 21. und 22. März 2013 gar so viel Strom nur allein aus der Windkraft, dass sich damit vier von zehn Haushalten in diesem Zeitraum vollständig versorgten. Über 19 Prozent der gesamten Energie in Deutschland (Strom, Wärme, Brennstoffe, Kraftstoffe) werden 2020 aus regenerativen Energien bestehen (2009: neun Prozent; 1990: zwei Prozent). Die erneuerbaren Energien sind schwer im Kommen und haben ein noch nicht sehr altes, aber dafür zukunftsträchtiges Berufsfeld hervorgebracht. Nur die Solarbranche kriselt momentan wegen Import-Dumping-Modulen.

Wie alle dualen ausbildungsintegrierten Studiengänge bestehen auch solche im Bereich der erneuerbaren Energien aus dem – in diesem Berufsfeld oft ingenieurswissenschaftlichen – Studium an einer (Fach-)Hochschule oder Akademie in Kombination mit einer parallelen Berufsausbildung in einem Betrieb. Für Leute, die erfolgreich das Gymnasium oder die Fachoberschule besucht haben, kommt diese Ausbildungsform infrage. Typische Berufe sind dabei etwa Anlagenmechaniker/-in, Industriemechaniker/-in, Technische/-r Zeichner/-in oder Mechatroniker/-in. Stets ist ein Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb nachzuweisen, um in einen Studiengang zu gelangen. Mit einem ausbildungsintegrierten dualen Studium haben Absolventen am Ende einen akademischen Grad mit Berufsabschluss in der Tasche.

Universitäten in ganz Deutschland
An der FH Aachen gibt es am Studienort Jülich ein „Maschinenbau Plus“-Studium mit einer verkürzten betrieblichen Ausbildung zum Industriemechaniker. Beginn ist immer im Wintersemester, der Unterricht findet in Deutsch statt. Insgesamt dauert es mit Prüfung acht Semester. Am Ende hat man dann den akademischen Grad „Bachelor of Engineering“ (B. Eng.).

Und die Hochschule Anhalt bietet in Köthen ein sechssemestriges Studium der „Solartechnik“ (B. Eng.) an. Dabei gibt es fünf Partnerunternehmen, mit denen man einen Arbeitsvertrag unterzeichnen kann, bevor es an den Zulassungsantrag für die Immatrikulation geht. Nähere Informationen dazu gibt es unter www.hs-anhalt.de > Studium > Studienangebot > Duale Studiengänge.

Ein weiteres Beispiel ist die Technische Fachhochschule Georg Agricola in Bochum. Dort kann man den Studiengang „Elektro- und Informationstechnik“ mit dem Studienschwerpunkt Energie und Automation studieren (B. Eng.). Gleichzeitig ist bei einem Unternehmen wie RWE oder RAG eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik oder Mechatroniker zu durchlaufen, wobei die Prüfung wie üblich vor der Industrie- und Handelskammer stattfindet. Insgesamt stehen 20 Ausbildungsplätze pro Jahr zur Verfügung. Dabei sind die Chancen momentan gut, anschließend auch im gleichen Betrieb einen Arbeitsplatz zu bekommen. Diese Ausbildung plus Studium dauert normalerweise etwas mehr als drei Jahre, Beginn ist immer im August.

Deutschlandweit existieren einige zusätzliche Institute, die duale ausbildungsintegrierte Studiengänge anbieten, so etwa:

  • FH Gelsenkirchen/Westfälische Hochschule (Kooperativer Studiengang „Elektrotechnik“; B. Eng.; acht Semester)
  • HAW Hamburg („Maschinenbau: Energie- und Anlagensysteme“; B. Eng.; den Studiengang gibt es in dualer und nicht dualer Form; die duale Form hat eine neunsemestrige Version mit Facharbeiterabschluss und eine siebensemestrige Version mit Praxisphasen ohne Berufsabschluss)
  • Berufsakademie Hamburg („Technik und Management erneuerbare Energien“; Bachelor of Arts; parallele Berufsausbildung; dies ist kein ingenieurswissenschaftlicher Studiengang, sondern ein geschäfts-, vertriebs-, service- und arbeitsprozessorientierter; Dauer: vier Jahre)
  • BA Riesa („Energie- und Umwelttechnik“; dieser Studiengang endete früher mit dem Abschluss Dipl.-Ing., derzeit findet eine Anpassung an den Bologna-Prozess statt; )
  • FH Trier (Studium der „Technischen Gebäudeausrüstung und Versorgungstechnik“; B. Eng.; parallele Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik; Dauer: viereinhalb Jahre)
  • Hochschule Ulm („Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Automatisierungstechnik und Energietechnik“; B. Eng.; parallele Ausbildung zum Industriemechaniker; neun Semester)
  • Hochschule Zittau/Görlitz, Standort Zittau („KIA-Energie- und Umwelttechnik“; Diplom-Ingenieur/-in FH; zehn Semester; parallele Ausbildung zum/zur Industrie- und Zerspanungsmechaniker/-in oder Metallbauer/-in; der Ausbildungsvertrag sollte ein Jahr im voraus mit einem KIA-Unternehmen zustandekommen)

Betriebe vergüten die Ausbildung
Je nach Länge der Dienstzeit bezuschusst der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr Soldaten, die ihren Dienst regulär beenden und studieren möchten, finanziell mit festgelegten Beträgen.

Im Unterschied zu diesen genannten ausbildungsintegrierten dualen Studiengängen mit sowohl akademischem Abschluss als auch beruflicher Ausbildung kann man auch sogenannte praxisintegrierte duale Studiengänge absolvieren. Diese verzahnen ebenfalls ein Studium mit Praxisphasen im Betrieb, und beides ist eng aufeinander abgestimmt; allerdings erlangen die Studierenden am Ende nur den akademischen Grad ohne Berufsabschluss. Auch diese Form des Studiums ist dennoch hoch angesehen und berufsqualifizierend. In beiden Fällen erhalten die Azubis bzw. Praktikanten von den Betrieben Geld.

Energiewende als Chance
Berufe im Bereich der erneuerbaren Energien haben Zukunft, und der Energiewandel hat sich schon zum Wirtschaftsfaktor entwickelt. Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, sagt: „Wir sehen die Energiewende in erster Linie als Chance: für Wachstum, für Innovation, für den Klimaschutz. Energieeffizienz ist die entscheidende Säule der Energiewende. Sie gelingt aber nur, wenn die Bürger und Betriebe mitgenommen werden und investieren.“ So muss Deutschland den Anteil von Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Erdwärme am Endenergieverbrauch erheblich steigern, um wirklich aus der Kernenergie auszusteigen.

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