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Personen- und Werkschutz

Sicherheitsbranche wächst weiter

Die Sicherheitsbranche bietet berufliche Perspektiven sowie Umschulungs-, Ausbildungs- und Studienoptionen. Der Wirtschaftszweig der Sicherheitsdienstleister in Deutschland kann bis 2015 mit einem jährlichen Wachstum von rund sechs Prozent in Bezug auf Dienstleistungen und immer stärker kommende Technologien rechnen. „Ab sofort setzen wir in Deutschland noch intensiver auf die Implementierung von Technologien und intelligenten technischen Systemen bei unseren Kunden“, sagt Manfred Buhl, Vorsitzender der Geschäftsführung Securitas Deutschland, des landesweit erfolgreichsten Sicherheitsdienstleisters. Das Kerngeschäft dieser Branche mit einigen tausend Sicherheitsfirmen ist der Objekt- und Werkschutz (rund 40 Prozent), gefolgt von den Bereichen Flughafensicherheit und Empfangsdienste, geht aus einer Studie des Marktforschers Lünendonk hervor. Tätigkeiten in der Security sind besonders beliebt bei Quereinsteigern, doch mit einem der Ausbildungsberufe wie etwa „Servicekraft für Schutz und Sicherheit“ oder „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ ist der berufliche Aufstieg leichter, und die Weiterbildung zum/zur „Meister/-in für Schutz- und Sicherheit“ rückt für Fachkräfte Für Schutz und Sicherheit in greifbare Nähe.

Bei den Ausbildungen zur Servicekraft (zweijährig) oder zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit (dreijährig) handelt es sich um duale Angelegenheiten, die man sowohl in der Berufsschule als auch im Betrieb durchläuft. Es gibt auch Umschulungen an privaten bildenden Instituten, welche die Ausbildungszeit erheblich verkürzen und wo die Lerngruppen oft kleiner sind.

Fachkraft für Schutz und Sicherheit
Ehemalige Soldaten sind als Arbeitnehmer in dieser Branche besonders willkommen, können sie doch teilweise im Job auf ihre Erfahrungen bei der Bundeswehr zurückgreifen. Der Berufsförderungsdienst bezahlt bei entsprechender Dienstzeitlänge die zivilberufliche Ausbildung nach der Bundeswehrzeit. Somit ist beispielsweise eine Ausbildung oder Umschulung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit förderbar.

Dieser Beruf fordert einem in unterschiedlichen Bereichen viel ab: Von Programmierwissen und technischem Know-how über Kampftechniken und Waffenkenntnissen bis hin zu kommunikativen Kompetenzen ist alles dabei, was man braucht, um an Bahnsteigen, in U-Bahnen und Zügen, auf Flughäfen, in Kaufhäusern oder auch bei sportlichen und musikalischen Events, während Werttransporten, beim Beschützen von Einzelpersonen, Firmen und Messeveranstaltungen sowie durch Büro- und Computerarbeit oder durch den Einsatz von Alarmanlagen und anderer Technik für die öffentliche, betriebliche und private Sicherheit zu sorgen. Während der Ausbildung lernen die Teilnehmer unter anderem viel über die rechtlichen Aspekte des Jobs und über das Einschätzen von gefährlichen Situationen, weil es später im Beruf oft um Gewaltprävention durch Kommunikation sowie Präsenz geht. Und um das Installieren und Bedienen von Sicherheitstechnik. In diesem Dienstleistungsberuf sind sowohl die Interessen der Arbeitgeber als auch die geltenden Gesetze zu wahren. Entgegen der durch die Medien verbreiteten gängigen Klischees von muskelbepackten Giganten ist diese Arbeit oft Kopfsache, bei der Menschenkenntnis und Kommunikation gefragt sind. Darüber hinaus sind zum Beispiel im Werkschutz Gefahrenpotentiale bei der Inspektion der Gebäude zu analysieren und daraufhin die richtigen Maßnahmen einzuleiten, was zunächst mit dem Beraten des Kunden beginnt. Und es gibt auch kaufmännische Bereiche.

Um eine Ausbildung für diesen Beruf zu beginnen, brauchen Bewerber ein ärztliches Attest, ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Eintrag und teilweise ein Mindestalter von 18 Jahren mit dem Führerschein der Klasse B. Rechtlich ist kein Schulabschluss vorgesehen, die Praxis zeigt jedoch, dass man Bewerber mit mindestens einem Hauptschulabschluss bevorzugt.

Lohnsituation in der Branche
Die Lohnsituation in dieser Branche ist objektiv nicht unproblematisch. Auch hier gilt die Faustregel, je höher die Qualifikation, desto höher das Gehalt. Baden-Württemberg hat die höchsten brancheninternen Bruttomindestlöhne, die bundesweit gesetzlich seit Juni 2011 jährlich stiegen. Seit einigen Monaten gilt dort ein Mindestlohn von 8,90 Euro, in anderen Bundesländern gibt es garantiert 7,50 Euro. Der Verdi-Bundestarifkommision ist das nicht genug; sie fordert, diesen Betrag auf 9,50 Euro anzuheben. Quereinsteiger ohne fundierte Ausbildung sind oft von diesen niedrigen Gehältern betroffen.

Mit einem Ausbildungsberuf in der Sicherheitsbranche sind die Gehaltsaussichten natürlich besser. Die Internetseite www.gehaltsvergeich.com gibt an, dass beispielweise in Bayern der durchschnittliche Bruttolohn einer Fachkraft für Schutz und Sicherheit bei rund 2.000 Euro sei, und die höchsten Löhne wären noch deutlich darüber. Der Bundesagentur für Arbeit zufolge betrage das allgemeine Bruttogehalt für diesen Beruf 2.581 bis 3.159 Euro im Monat. In Bayern und Hessen scheint es für diesen Beruf im Bundesvergleich die besten Löhne zu geben.

„Der Mindestlohn hat der Branche gutgetan“, erklärt Jörg Hossenfelder, Geschäftsführender Gesellschafter des Marktforschers Lünendonk, „er erfährt sowohl bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern als auch in der Öffentlichkeit eine hohe Akzeptanz. Dennoch ist der Preisdruck im Sicherheitsmarkt weiterhin spürbar. Erste Folgen sind bereits sichtbar; im Rahmen der Marktkonsolidierung werden Übernahmen und Fusionen stattfinden.“

Die Arbeitnehmer im Bereich Security sind – trotz der Lohnproblematik mancherorts, die in den jüngsten Streiks ein Ventil fand – zum Teil zufrieden mit der Arbeit: Der Zeitschrift Sicherheits-Berater („Stressreport Deutschland 2012“) zufolge erfreuten sich 85 Prozent der Befragten über ein gutes Verhältnis zu den Kollegen, und 72 Prozent gaben an, dass sie über einen gewissen Handlungsspielraum verfügten und dass sie die Arbeit auch eigenständig planen dürften.

Interessante Studiengänge
In Deutschland bieten Hoch- sowie Fachhochschulen auch Studiengänge in den Bereichen Safety und Security an. Die folgende Liste bietet einen Überblick (Auszug aus dem Angebot):

  • Fachhochschule Brandenburg: Masterstudiengang „Security Management“
  • Fachbereich Polizei der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Kiel/Altenholz: „Sicherheitsmanagement“ (Bachelor of Arts)
  • Hochschule der Polizei Hamburg: „Sicherheitsmanagement“ (B. A.)
  • Hochschule für öffentliche Verwaltung Bremen: „Risiko- und Sicherheitsmanagement“ (B. A.)
  • Hochschhule Furtwangen: „Security and Safety Engineering“ (Bachelor of Science)
  • Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg: „Sicherheit und Gefahrenabwehr“ (B. Sc.)
  • Steinbeis-Hochschule Berlin (School of Governance, Risk & Compliance): „Master of Business Administration mit der Spezialisierung Governance, Risk, Compliance and Fraud Management“
  • Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin: „Sicherheitsmanagement“ (B. A.)

Text: hmk

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