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Handwerk

BITO-Lagertechnik Bittmann

Das 37. Treffen führte Mitglieder des 1994 gegründeten regionalen Arbeitskreises „Bundeswehr & Handwerk“ zur Firma BITO nach Meisenheim/Glan. BITO steht für Bittmann Oberstein und bezeichnet sowohl Gründer als auch Herkunftsort des heutigen Unternehmens BITO-Lagertechnik Bittmann GmbH. Vom Arbeitskreis waren vertreten: die 2. Luftwaffendivision/Birkenfeld, das Artillerielehrregiment 345/Kusel, das Führungsunterstützungsbataillon 282/Kastellaun, das Zentrum für Nachwuchsgewinnung West sowie die Handwerkskammer Koblenz.

Wie Geschäftsführer Detlef Ganz, verantwortlich für Produktentwicklung, Verwaltung und Vertrieb, den Besuchern einführend erläuterte, sei das vor 167 Jahren gegründete Unternehmen ein klassischer familiengeführter Mittelstandsbetrieb. Typisch hierfür seien neben dem Engagement in der Region und der Unterstützung sozialer Einrichtungen vor allem eine Firmenpolitik, die es z. B. möglich mache, Umsatzschwankungen – wie zuletzt die Weltwirtschaftskrise von 2008 mit einem Umsatzeinbruch von 30 Prozent – nicht auf die Beschäftigung umzulegen, sondern durch Flexibilitätsinstrumente aufzufangen, wie etwa Arbeitszeit- und Vergütungsmodelle oder Kurzarbeit, um die Zahl von derzeit 850 Mitarbeitern möglichst konstant zu halten.

Nach wie vor investiere BITO in die beiden deutschen Produktionsstandorte. Aktuell werde in Meisenheim eine neue Halle gebaut. Wie lange das Unternehmen allerdings noch Zuwächse wie in den letzten beiden Jahren mit den vorhandenen Standorten abfangen könne, sei fraglich. Der demografische Wandel werde in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich zu Problemen führen, da Stellen für gewerblich-technische Fachkräfte nicht mehr ausreichend gedeckt werden könnten. Der „Arbeitskräftekanal Bundeswehr“ werde daher gerne genutzt.

Ein Beispiel dafür ist Alexander Ehrlich: Er war früher selbst Zeitoffizier für 13 Jahre in der Artillerietruppe gewesen, bevor er 2008 als Schulungsreferent und Personalentwickler bei der Firma BITO anfing. Er bot in einem Abriss aus der Firmengeschichte einen Überblick über die Entwicklung des Unternehmens vom Schmuckwarenhersteller für die Lederindustrie zu einem international operierenden Industrieunternehmen. Meilensteine dahin seien 1959 der Einstieg in die Lagertechnik gewesen, 1962 der Start der Kunststofffertigung, 1976 der Einstieg in die Kommissioniertechnik und 1986 der Beginn der Internationalisierung. Heute gehöre BITO in Europa zu den Marktführern auf diesen Gebieten. Das Unternehmen unterhalte drei Produktionsstandorte: zwei in Deutschland – neben Meisenheim, in dem modernste Fertigungsverfahren für Regalsysteme konzentriert seien, auch das zehn Kilometer entfernte Lauterecken mit der dorthin ausgelagerten Kunststofffertigung von Mehrweg- und Eurostapelbehältern, Kleinladungsträgern, Sichtlager- und Regalkästen u. a. – sowie seit 2007 einen dritten in Nordindien, wo Regalbauteile für Fachboden- und Palettenregale für den indischen Markt, angrenzende Nachbarländer und Nah-Ost-Staaten gefertigt und über ein Joint Venture vertrieben würden. Den internationalen Vertrieb organisiere BITO über insgesamt 15 Tochterunternehmen, wovon 14 in Europa und eine in den Vereinigten Arabischen Emiraten installiert seien, sowie über mehrere Vertriebspartner weltweit. Die deutsche Vertriebsstruktur umfasse 38 Fachberater sowie acht eigenständige Verkaufslager.

Die Firma bietet ZAW-Maßnahmen
Ein Kernelement der Firmenphilosophie sei die Mitarbeiterorientierung. Dazu gehörten eine firmeneigene Stellenbörse, Betriebspraktika für Schüler bzw. Coachings und ZAW-Maßnahmen für Soldaten sowie Weiterbildung der Mitarbeiter nach dem Grundsatz: „Pro Jahr und Mitarbeiter mindestens eine Weiterbildung“. Weiterbildungsmöglichkeiten sind u. a.:

  • Freistellung zum Studium nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung
  • Fremdsprachenunterricht in kleinen Gruppen,
  • diverse Inhouse-Schulungen und -Seminare (MS Office, Zeitmanagement etc.).

Zwei ehemalige Zeitsoldaten, die bei Firma BITO beschäftigt sind, gaben einen persönlichen Rückblick auf ihre beruflichen Werdegänge:

Herr N. ist ein ehemaliger SaZ 15, der in der Bundeswehr vier Jahre in der Instandsetzung, anschließend zehn Jahre als Fahrlehrer gedient hatte. Für ihn habe festgestanden, dass er nach Ablauf seiner Verpflichtungszeit die Bundeswehr verlassen würde. Konsequent habe er über den BFD alle Möglichkeiten hierzu ausgeschöpft: Ausbildung zum Bürokaufmann, Weiterbildungen in CAD-Technik, Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker und Meister, bevor er im September 2006 bei BITO anfing. Gut habe ihm gefallen, dass er dort zunächst durch alle Abteilungen geschleust worden sei, bevor er zunächst in der Projektierung für In- und Auslandsprojekte, schließlich in die Entwicklung und Konstruktion gewechselt sei. Der Übergang von der Bundeswehr sei ihm deshalb relativ leicht gefallen, weil er sehr früh eine Entscheidung über die „Zeit danach“ getroffen habe. Kommunikation in einer Fremdsprache, resümiert er heute, hätte er intensiver ausbauen sollen.

Herr E. erwarb den Berufsabschluss Maschinenschlosser und anschließend das Fachabitur Maschinenbau, bevor er Offizier werden wollte. Wegen Überschreitens der Altersgrenze von 25 Jahren sei dies jedoch aus laufbahnrechtlichen Gründen bei der Luftwaffe nicht möglich gewesen. So habe er im Juli 1988 zunächst als Wehrpflichtiger, dann als SaZ 12 in der Wartungsstaffel des Jagdbombergeschwaders 35 in Sobernheim seinen Militärdienst angetreten. Neun Jahre sei er Ausbilder am Luftfahrzeug Phantom und in Nebenfunktion ABC-Abwehr-Feldwebel gewesen; dann habe festgestanden: Eine Übernahme als Berufssoldat sei wiederum aus Altersgründen nicht möglich. Über den BFD habe er deshalb von 1998–2000 die Fortbildung zum Maschinenbautechniker absolviert und anschließend eine für ihn erfreulich unkomplizierte, an Effizienz orientierte Zusammenarbeit mit dem BFD schätzen gelernt, bevor er im April 2000 zur Firma BITO gekommen sei. Nach einem ersten Einsatz im Technischen Vertrieb sei er nun seit drei Jahren Betriebsratsvorsitzender. Die Bundeswehrzeit habe ihm wertvolle Erfahrungen vermittelt, u. a.: Menschenführung, freies Vortragen und Präsentieren sowie strategisch-taktisches Denken. Für ihn seien beim Ausscheiden aus der Bundeswehr eine frühzeitige und klare Definition des zukünftigen Berufszieles und darauf abgestimmte BFD-Maßnahmen maßgeblich für den Integrationserfolg.

Bei einem anschließenden Firmenrundgang wurden exemplarisch die Stützen- und Traversenfertigung sowie die Entwicklungsabteilung im Hauptwerk besichtigt. Deutlich wurde dabei, dass ein dreischichtiger Produktionsprozess mit hohem Automatisierungsgrad von allen Mitarbeitern fachliches Know-how und Schlüsselqualifikationen verlangt.

Kontakt
BITO-Lagertechnik
Bittmann GmbH
Obertor 29
D-55590 Meisenheim
Telefon: (0 67 53) 12 2 - 0
Telefax: (0 67 53) 12 2-399
E-Mail: info@bito.de
Internet: www.bito.de

Text: Dr. Lothar Greunke

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