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Handwerk

Technik-Workshops für die Jugendfeuerwehr

Seit April 2010 werden im Berufsbildungszentrum Bad Kreuznach der Handwerkskammer (HwK) Koblenz zweimal jährlich Technik-Workshops für Mitglieder der Jugendfeuerwehr im Landkreis sowie Mitglieder des Technischen Hilfswerkes (THW) des Ortsverbandes Bad Kreuznach veranstaltet. Bislang haben an zehn Terminen insgesamt 34 Workshops mit 286 Jugendlichen stattgefunden.

Worum geht es? Die Feuerwehr hat ein Nachwuchsproblem – das Handwerk auch! Symptome und Ursachen dieses Problems beschreiben die Begriffe „Fachkräftemangel“ sowie „demografischer Wandel“. Zündende Idee einer Gemeinschaftsinitiative von Kammer, Kreishandwerkerschaft und Feuerwehr war es, Mitglieder der Jugendfeuerwehr und des THW im Alter von zehn bis siebzehn Jahren, also Schüler und Schülerinnen, die als „Florians-Jünger“ natürliches Interesse an Technik besitzen, genau dort abzuholen: bei ihrem Interesse! Die Workshops finden samstags von 8.30 bis 13 Uhr statt. Ausbildungsmeister der HwK und Ehrenamtsträger der Innungen stellen kurz die zu fertigenden Werkstücke bzw. auszuführenden Arbeiten vor, und dann geht´s zur Sache! Das HwK-Zentrum bietet mittlerweile neun verschiedene Workshops an, und zwar:
– Kfz-Technik: Pkw-Pannenhilfe
– Metallbau-Technik: Anfertigen eines Werkstückes
– Schweißtechnik: MAG-Schweißen und Brennschneiden
– Installations-Technik: Montieren von Leitungen an einer Lochblechwand
– Elektro-Technik: Brettmontage von elektrischen Schaltungen
– Holzbau-Technik: Anfertigen einer Werkzeugkiste
– Gerüstbau: Herstellen eines Hochwassersteges
– Tiefbau: Herstellen von Rohrleitungen
– Backen: Pizza und Backesbrot am Steinofen backen.

Das Angebot „lebt“ und wird unter Aufgreifen von Vorschlägen der Feuerwehr ständig fortentwickelt. Wenn nicht nur ein praktischer Einblick in Handwerksberufe mit den Workshops verbunden ist, der Hilfe bei Berufsorientierung und evtl. auch Berufswahl ermöglicht, sondern zugleich auch Gebrauchsnutzen für die Feuerwehr – so die Erfahrung –, ist die Motivation aller Beteiligten sehr hoch! Ein Beleg dafür sind „Mehrfachtäter“, die immer wieder kommen: Ein junger Mann hat von zehn Terminen bislang acht besucht, ihm folgen zwei weitere, die schon sieben Mal dabei waren. Auffällig ist auch ein relativ hoher Mädchen-Anteil von zuletzt 19 Prozent.

Seitens der Kammer ist an den Workshop-Tagen immer auch ein Ausbildungsberater anwesend, der zu konkreten Fragen Auskünfte gibt, etwa: Wo finde ich in der Nähe meines Wohnortes eine Lehrstelle im Metallbauer-Handwerk? Wie nehme ich am besten Kontakt mit dem Betrieb auf? usw. Die Initiative ist nach der Premiere in Bad Kreuznach auf den gesamten Kammerbezirk ausgeweitet worden und wird mittlerweile bundesweit beachtet. Kammerpräsident Werner Wittlich wurde im August diesen Jahres von Otto Fürst, dem Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz, in den Beirat seines Verbandes berufen, weil er die Workshops für die Jugendfeuerwehr als „absoluten Gewinn im außerschulischen Bildungsbereich und Vorbereitung auf das Leben“ ansieht. Kein Wunder, dass die Stiftung der Sparda-Bank Südwest ab Mitte Oktober über die Homepage https://www.spardahilft.de zwölf Jugendfeuerwehr-Projekte mit bis zu 60.000 Euro fördert! Jeder Besucher kann mit einem Klick auf die Website und das Projekt seiner Wahl der jeweiligen Feuerwehr zu einer Spende von 2,- Euro verhelfen.

Vielleicht gibt dieses Modell auch Impulse für die Nachwuchswerbung der Bundeswehr?

Dr. Lothar Greunke

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