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Logistik- und Verkehrsberufe

Fahrjobs im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)

Wer einen Fahrberuf im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ergreift, der darf im späteren Berufsleben Busse oder Straßen- und U-Bahnen fahren und findet sicherlich auch eine Arbeitsstelle – denn einerseits genießen auf dem Weg in eine umweltverträgliche Gesellschaft die öffentlichen Verkehrsmittel bei den Kunden einen immer höheren Stellenwert: Egal ob Berufspendler, Schüler, Touristen oder Leute beim Shopping – alle benutzen den Personennahverkehr, um zur Arbeit, zur Schule, zu den Sehenswürdigkeiten oder zur Mall zu gelangen. Nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch, um Staus und das Gerangel um Parkplätze zu umgehen. Andererseits herrscht besonders unter den Busfahrern ein ziemlicher Mangel an Arbeitskräften.

Kurze Ausbildung zum Bus- oder Straßenbahnfahrer
Die Stuttgarter Straßenbahn AG (SSB) bietet kürzere Weiterbildungen in Fahrberufen an: Die Ausbildung zum/zur Busfahrer/-in dauert 14 Wochen. In der betriebseigenen Fahrschule in Stuttgart-Möhringen lernen die Teilnehmer dieser Qualifizierung für ihren späteren Einsatz im Linienverkehr der SSB. Voraussetzungen für die Teilnahme sind ein Mindestalter von 21 Jahren, technisches Verständnis, für die Tätigkeit angemessene Deutschkenntnisse und der mindestens zweijährige Besitz des Führerscheins der Klasse B. Die gleichen Anforderungen gibt es für die elfwöchige Ausbildung zum/zur Stadtbahnfahrer/-in (Straßenbahnfahrer/-in), ebenfalls in der betriebseigenen Fahrschule in Stuttgart-Möhringen. Die Schulungen sind kostenlos mit Entgelt.

Die Internetseite www.ssb-ag.de/Karriere-8-0.html bietet nähere Informationen zum Bewerbungsprozess, der Anschrift und den einzureichenden Unterlagen bei der SSB.

Die seit dem Jahr 2000 aus den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) und der Pinneberger Verkehrsgesellschaft (PVG) zusammengeführte VHH PVG ist Norddeutschlands zweitgrößtes Busunternehmen mit 563 Vehikeln, jährlich etwa 105 Millionen Fahrgästen und einem Streckennetz von 600 Kilometern im Stadtareal Hamburgs und dessen Randgebieten. An zwölf Betriebsstandorten mit den Hauptsitzen in Bergedorf und Schenefeld arbeiten 1.100 Mitarbeiter aus 28 Ländern. Die wachsenden Fahrgastzahlen führen zu einer steigenden Anzahl an eingesetzten Bussen. Deshalb sucht das Unternehmen immer wieder neue Fahrdienstmitarbeiter und stellt auch gerne Frauen als Fahrer ein. Grundvoraussetzung für die Schulung zum/zur Busfahrer/-in ist der Führerschein der Klasse B (seit mindestens zwei Jahren). Für die VHH PVG ist es nicht entscheidend, schon den Führerschein der Klasse D zu haben. Viel wichtiger sei bei den Bewerbern eine „Kundenorientiertheit von ganzem Herzen“, erklärt Susanne Rieschick-Dziadas, Leiterin im Bereich Marketing. Das Unternehmen übernehme die fertig ausgebildeten Busfahrer nach der Schulung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. „Die Schulung zum/zur Busfahrer/-in dauert bei der VHH PVG sechs Wochen“, so Susanne Rieschick-Dziadas.

Das Unternehmen hat tolle Sozialleistungen zu bieten: tarifliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Angebote von vermögenswirksamen Leistungen und privater Altersvorsorge, Massageangebote, Betriebsärzte mit präventivem Gesundheitsschutz, jährliche Weiterbildung, Kantine (kostenlos: Obst und Säfte), Betriebssportgruppen, Schwerbehindertenvertretung und Zuschüsse für Sportstudios und Reisen. In der Ausbildung zum/zur Busfahrer/-in bei der VHH PVG geht es um folgende Inhalte: Erwerb des Führerscheins der Klasse D, Tarifkunde, Streckenkunde, Umgang mit Fahrgeldern und die Technik (Funk, Fahrscheindrucker und Bustechnik). Im an die kurze Ausbildung anschließenden Liniendienst fährt zunächst ein Lehrfahrer mit, bis man sich sicher fühlt. Nähere Informationen zur Bewerbung gibt es unter www.vhhpvg.de/jobs/index.php.

Für Unentschlossene bietet der Fahrbetrieb Bremerhaven Bus auch Praktika an. Unter www.bremerhavenbus.de (-> „Job-Börse“) gibt es nähere Informationen über diese Möglichkeit in dem Unternehmen.

Fachkraft im Fahrbetrieb
Als dreijährige duale Angelegenheit ist die Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb eher was für Schulabgänger. Doch es gibt durchaus auch Fahrbetriebe, die Bewerber einstellen würden, die Mitte 20 oder älter sind, sofern man noch mal die Berufsschulbank neben der betrieblichen Ausbildung drücken möchte oder nichts Handwerkliches machen will (z. B. verkürzte Gesellenausbildung im Rahmen des SaZ-4-Modells).

In diesem Job geht es um mehr als das Fahren im Cockpit der Busse und Trams auf Schienen und auf der Straße, durch Tunnel und Landschaften. Vor dem Beginn des Fahrdienstes sind zum Beispiel die Funktionen der Türen zu kontrollieren und die Bordinformationssysteme anzustellen. Man sagt auch die Haltestellen per Mikrofon an, wenn keine automatische Ansage vorhanden ist. Im Aufgabenprofil enthalten ist auch die Sorge um die Sicherheit der Fahrgäste, zum Beispiel beim Entschärfen von Konfliktsituationen. Dabei könnten ehemalige Soldaten ihre Erfahrungen besonders gut einsetzen, wenn sie abends unterwegs sind.

Zudem beinhaltet die Arbeit als Fachkraft im Fahrbetrieb auch das Verkaufen von Fahrkarten. Dies geschieht auch außerhalb der Fahrzeuge in Servicebüros sowie an Bahnsteigen und Haltestellen. Dort berät man die Fahrgäste: über Routen, Tarife, Anschlussmöglichkeiten und Zusatzangebote. Dabei sollten die Fachkräfte im Fahrbetrieb gegebenenfalls Fremdsprachenkenntnisse anwenden.

Die Allrounder zieht es auch ins Büro: Zum Job gehört im Innendienst das Gestalten der Fahrpläne unter Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit und Auslastung. Man erstellt auch Umlauf- sowie Dienstpläne und kalkuliert Fahrpreise. Im Innen- und Außendienst sind auch Computer und Kommunikationsmittel zu bedienen. Das Tätigkeitsfeld umschließt zudem das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit, besonders Kundenbefragungen, Werbung sowie Informationsgestaltung.

Weiterhin möglich sind: das Managen von Kundenbeschwerden und das Überwachen und Sichern des Bahnhofsbetriebs. Die Fachkräfte inspizieren darüber hinaus die Fahrzeuge und bewirken Reparaturen, das Betanken und Warten, die Reinigung und gegebenfalls die Erneuerung von zum Beispiel Sitzen.
In diesem vielseitigen Beruf gibt es noch ein weiteres wichtiges Aufgabengebiet: das Beobachten des Bus- oder Straßenbahnsystems auf den Bildschirmen der Leitstelle wegen etwaiger Pannen und Verkehrsbehinderungen.

Die Ausbildung findet in der Berufsschule und im Ausbildungsbetrieb statt. Dies sind meistens Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs, von denen die Azubis Vergütungen erhalten: im ersten Ausbildungsjahr 325 bis 740 Euro und im dritten Jahr 371 bis 830 Euro. Der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFD) fördert bei entsprechender Dienstzeitlänge auch die umfangreichere zivilberufliche Ausbildung nach der Dienstzeit. Dadurch sind zusätzliche Lernmittelkosten oder eventuell auch sogar anfallende Fahrt- oder Unterbringungskosten finanzierbar. Je nach Sitz des einstellenden Unternehmens ist jeweils eine bestimmte Berufsschule zuständig. Rechtlich ist für diese Ausbildung keine bestimmte schulische Bildung vorgeschrieben, die Einstellungspraxis der Unternehmen zeigt jedoch, dass man Bewerber mit mittlerem Schulabschluss bevorzugt. Oft verlangen die Einsteller zusätzlich sowohl das Bestehen einer medizinisch-psychologischen Untersuchung als auch ein augenärztliches Zeugnis. „Es gibt bei der Stuttgarter Straßenbahn AG (SSB) keine Altersgrenze für diese Ausbildung“, sagt Susanne Schupp, Pressesprecherin dieses Fahrbetriebs.

hmk

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