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Handwerk

Vom Himmel zur Erde: Fallschirmjäger will Straßenbauermeister werden

BAD KREUZNACH. Der 32-jährige Timo Wolny aus Mörschied hatte nach der Hauptschule den Beruf des Straßenbauers erlernt und mit der Gesellenprüfung sowie einem qualifizierten Sekundarabschluss I abgeschlossen. Im Januar 2001 wurde er zum Grundwehrdienst in das Beobachtungsartillerielehrbataillon 51 nach Idar-Oberstein eingezogen. Seine Vollausbildung absolvierte er dort in der Drohnenlehrbatterie 300. Der abwechslungsreiche Dienst, das Schießen mit verschiedenen Waffensystemen, kameradschaftlicher Zusammenhalt und körperliche Fitness gefielen ihm, und so verpflichtete er sich als Zeitsoldat für erst vier, dann zwölf Jahre. Als Verwendungen durchlief er die Tätigkeiten vom Gruppen- zum Zugführer, war verantwortlich für Ausbildung und Erziehung der ihm unterstellten Soldaten sowie die Bewirtschaftung des übernommenen Drohnenaufklärungssystems vom Typ LUNA (= luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung). Von März bis August 2006 war er mit dem 14. KFOR-Kontingent als LUNA-Steuerer im Auslandseinsatz in Prizren/Kosovo. Beeindruckt hatte ihn dabei vor allem der Kulturbruch, vor dessen Hintergrund die „heile Welt“ in Deutschland ihn nahezu paradiesisch anmutete! In 2008 wurde die LUNA-Aufklärung in das Aufgabenspektrum der Luftlandetruppe integriert. Wolny „ging in die Luft“, absolvierte Springer- sowie Einzelkämpferlehrgänge und tauschte schließlich das korallenrote Barett der Artilleristen gegen das bordeauxrote der Fallschirmjäger. Als Experte für Luftbildauswertung und LUNA-Steuerer diente er bis zu seiner Berufsförderungsfreistellung als Oberfeldwebel im LUNA-Zug der Luftlandeaufklärungskompanie 260 in Zweibrücken.

Der fordernde Dienst verlangte seinen Tribut: Häufige Trennungen von Eltern und Freundin, die nur Wochenendkontakte erübrigten und eine hohe Fahrbelastung mit sich brachten; bundeswehrinterne Umstrukturierungen, die – immer wieder neu begonnen, aber nie wirklich zu Ende gebracht wurden – wachsende Beanspruchung ohne irgendeinen Ausgleich bedeuteten. Dies alles bewog Wolny, den Dienst zum 31. Dezember dieses Jahres zu beenden. Zivilberufliche Perspektiven konnte ihm der zuständige Berufsförderungsdienst (BFD) in Saarlouis allerdings nicht aufzeigen, resümiert er lakonisch. „Außer der Empfehlung, die Bundeswehr-Fachschule zu besuchen und ein Fachabitur zu absolvieren, kam da nichts! Ich wollte auf meinen erlernten Beruf als Straßenbauer aufbauen, was nützt mir da die Bundeswehr-Fachschule?“ lautet sein Fazit. Konstruktive Hilfe fand er übers Internet beim Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft (BzBwWi) der Handwerkskammer (HwK) Koblenz. Ein spontan vereinbartes Gespräch dort mündete in einen individuellen Förderplan, der eine Laufzeit von 13 Monaten umfasst und das Ziel „Straßenbauermeister“ in konkrete Bausteine umsetzt. „Der BFD wollte dann noch etliche Formulare von mir haben“, so Wolny, aber nach einigem bürokratischen Aufwand sei schließlich sein Plan in Vollzug gesetzt worden.

Derzeit befindet sich Wolny im HwK-Berufsbildungszentrum Bad Kreuznach, um sich auf ein zweimonatiges Betriebspraktikum bei der Firma Köhler-Bau in Oberreidenbach, seinem früheren Ausbildungsbetrieb, vorzubereiten. Daran anschließend folgen die berufsübergreifenden Teile III (Wirtschaft/Recht) und IV (Arbeits-/ Berufspädagogik) der Meisterprüfung, schließlich die fachbezogenen Teile I (Fachpraxis) und II (Fachtheorie) im Straßenbauerhandwerk. Das Beste aber, freut sich Wolny, sei eine ihm zugesagte Anstellung in 2013, wenn die Meisterprüfung geschafft ist.

Wolnys Empfehlungen an Zeitsoldaten, die die Bundeswehr verlassen, lauten: Mindestens ein Jahr vor der Berufsförderungsfreistellung ein Berufsziel definieren, sich über Beschäftigungsaussichten bei Kammern und Arbeitsagentur informieren und bei Bedarf Umsetzungshilfe für einen Förderplan nutzen. Selbsthilfe ist das A und O! Auf die persönliche Bilanz des Fallschirmjägers passen die Worte von Goethes „Faust“: „… die Erde hat mich wieder!“

Dr. Lothar Greunke

  • Weitere Informationen
    HwK-Berufsbildungszentrum
    Siemensstr. 8
    55543 Bad Kreuznach
    Tel. 0671/894013-810
    Fax -888
    BBZ-Kreuznach@hwk-koblenz.de
    www.hwk-koblenz.de

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