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Berufsalternative „Soldat“

Zu einer Berufskunde vor Ort hatte Thomas Bursian, Vorsitzender des Ar­beitskreises SchuleWirtschaft Kirn/Idar-Oberstein, dem auch die Handwerkskammer (HwK) Koblenz angehört, über 30 kaufmännische Berufsschüler, Lehrer und Unternehmer in die Artillerieschule eingeladen. Dort wurde den Gästen ein kurz­weiliges Programm geboten, bei dem die militärische Ausbildung in Theorie und Praxis das Schwerpunktthema bildete.

Im ersten Teil wurden von dem „Military Event Manager“ Oberst­leutnant Dipl.-Päd. Bernhard Klotz die Aufgaben der Artillerie­schule präsentiert. Diese reichten von allgemeiner Grund­ausbil­dung und Lehrgängen für Unteroffiziere und Feldwebelanwärter des Heeres über eng­lische Sprach­ausbil­dung für Offiziersan­wärter des Heeres zu Artillerie-Spezifika, wie der Ent­wicklung von Füh­rungs- und Einsatz­grundsätzen, Organisation, Ausrüstung, Truppen- und Führer­aus­bildung. Zur Ausführung dieser Aufgaben verfüge die Schule über einen Stamm von 567 Sol­daten, gegliedert in die Bereiche Schulstab, Lehre/Ausbildung, Weiterentwick­lung, Unterstüt­zung. Der Bereich Lehre/Ausbildung bestehe aus drei Inspektionen für: Offi­ziers­anwärter und Offiziere (I.) mit einem Artillerie-Hörsaal sowie 12 Hörsälen für Nicht-Artil­leristen; Unteroffi­ziere (II.) und Allgemeine Grund­aus­bildung/Feldwebel- und Unteroffiziers­nachwuchs (III.).

Hauptmann Gerhard Fritz stellte anschließend die „Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung (ZAW)“ als dasjenige Förderinstrument vor, das Freiwilligen, die keinen bzw. nicht den „rich­tigen“ Ein­gangsberuf für eine militärische Verwendung in den Lauf­bahn­gruppen Allgemeiner Fach­dienst oder Truppendienst für Unteroffiziere/Feldwebel mitbringen, einen passenden Berufs­abschluss während bzw. am En­de der Dienst­zeit vermitteln bzw. verbessern helfen soll. Klar wurde, dass die Ori­entierung hierfür der militärische Bedarf sowie zivile Vorgaben seitens der Wirtschaftskam­mern bil­de­ten. Die Ziele der ZAW seien demnach: Auftragser­fül­lung der Truppe, Attraktivitäts­steige­rung bei der Nachwuchsgewinnung sowie erfolgreiche Eingliede­rung in das zivile Berufs­le­ben. Am Beispiel unterschiedlicher Ausgangssituationen – Schul­abschluss, kein bzw. „fal­scher“ Berufsabschluss, „richtiger“ Berufsabschluss – wur­den dann Verpflichtungs­dauer, Laufbahnziel (Enddienstgrad) sowie Besoldung verdeutlicht. In Idar-Oberstein werde ZAW bis zur Gesellenebene abgebildet, wozu der Bereich Unter­stützung auf Zusammenarbeit mit dem Berufsförderungsdienst (BFD) und vier zivilen Bil­dungsträgern an­gewiesen sei. Derzeit befänden sich an der Artillerieschule in insgesamt 11 Hörsälen 220 ZAW-Teilnehmer, davon 42 weiblich.

Schulkommandeur und General der Artillerie, Brigadegeneral Heribert Hupka, ließ es sich nicht nehmen, den Arbeitskreis persönlich zu begrüßen. An die Schüler/-innen gewandt, sag­te er in entwaffnender Offenheit: „Ihr seid unsere Zukunfts­investition! Ihr seid die Zukunft!“  Er führte aus, dass die Zusammenarbeit Handwerk-Bundeswehr-Wirtschaft ein Zukunftsmo­dell sei, dem die Idee eines „atmenden Systems“ zugrunde liege, d.h.: Junge Menschen werden durch Ausbildung in der Wirtschaft gefördert, erweitern ihre Qualifikatio­nen durch freiwilligen Wehrdienst oder als Zeitsoldat, profitieren von ihren Erfahrungen nach Rück­kehr in die Wirtschaft und bringen ihr Know-how als Reservisten wieder in die Bundes­wehr ein. Zur aktuellen Standortdebatte im Zuge der Bundeswehr-Reform stehe er im Gespräch mit dem Innenministerium Rheinland-Pfalz und mache dabei auf die für die Ausbildung äußerst vorteilhaften Rahmenbedingungen durch moderne Ausstattung und die kurze Anbindung an den Truppenübungsplatz Baumholder aufmerksam, der ge­genüber einer Ver­legung nach Munster keine Zusatzinvestitionen für Steilfeuer erforderlich mache.

Im zweiten Teil standen ausgewählte Ausbildungsanlagen auf dem Programm. Vorgeführt wurde den Besuchern der Turmtrainer der Panzerhaubitze 2000 von zwei Hauptfeldwebeln, die im „früheren“ Leben Bäckergeselle bzw. Krankenpfleger gewesen waren. Von ihnen wurden Ladetätigkeiten sowie Führen des Feuerkampfes, hier EDV-gestützt, simuliert. Weiter­hin veranschaulichte ein „Schießkino“ unter Leitung eines Stabsunteroffiziers – gelernter Systemelektroniker – Zielfehler und treffsiche­re Bedienung des Sturmgewehrs G 36. Letzte Station war ein Schu­lungsraum für CUA – computerunterstützte Ausbildung –, geleitet von einem Hauptfeldwebel und Toningenieur, in dem theoretische Lerninhalte via Selbstlernpro­gram­me von den Lehr­gangs­teilnehmern erarbeitet werden können. Wehrdienstberatungs­offizier Oberleutnant Julian Sandig teilte abschließend mit, dass die Bundeswehr in Kürze eigene Auftritte in Social Media freischalten werde, um Schülern/-innen relevante Informa­tionen über den Sol­da­tenberuf im Selbstzugriff anzubieten.

Für die aufschlussreichen Informationen und imponierenden Darbietungen dankte Arbeits­kreis­vorsit­zender Thomas Bursian Projektoffizier Oberstleutnant Bernhard Klotz mit drei Fäss­chen Kirner Pils für alle Mitwirkenden.

Dr. Lothar Greunke

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