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Logistik- und Verkehrsberufe

Studenten entwickeln 90 PS starken Rennwagen

In der Werkhalle 150 an der Universität der Bundeswehr München wird geschraubt, geschweißt und gebohrt. Studenten der Studiengänge Maschinenbau, Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Mathematical Engineering werkeln fieberhaft an einem Rennwagen, mit dem sie schon im Jahr 2012 an der Formula Student Germany teilnehmen wollen. Alles fing damit an, dass der Professor für Fahrzeugtechnik Frank R. Fassbender einigen seiner Studenten eine Projektmanagementstudie im Rahmen ihres Bachelorstudiums anbot, wobei sie sich mit der Arbeit an Formula Student befassen sollten. Sofort taten sich mehrere Studenten zusammen, die dieses Projekt umsetzen wollten. Die Formula Student ist ein weltweiter Konstrukteurswettbewerb, der in Deutschland vom Verband Deutscher Ingenieure getragen wird. Daran nehmen studentische Teams verschiedener Hochschulen teil, die in selbstgebauten Rennwagen in verschiedenen statischen sowie dynamischen Disziplinen gegeneinander antreten.

108 Teams aus 23 Ländern treten gegeneinander an
„Zu den dynamischen Wettbewerben gehören unter anderem ein Benzinverbrauchstest sowie ein Beschleunigungstest und zu den statischen Wettkämpfen zählen zum Beispiel das Design des Wagens sowie der Businessplan des Teams“, erklärt Johannes Schwarzer (28), Maschinenbau-Student und Projektleiter des neugegründeten ATHENE-RacingTeam e. V. der Universität der Bundeswehr München. Im August 2011 wurde die sechste Formula Student Germany mit 108 teilnehmenden Teams aus 23 Ländern ausgetragen. Die Schwesteruniversität der Bundeswehr Hamburg ist dort bereits seit vier Jahren mit ihrem eleven-O-six-Racing-Team vertreten und hat es bereits zu einem erfolgreichen 19. Platz gebracht. Das ATHENE-RacingTeam hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, schon im Jahr 2012 an der Formula Student Germany teilzunehmen und hat mit der Vereinsgründung am 19. April 2011 den ersten Schritt getan. Inzwischen stecken rund 30 aktive Mitglieder sowie 20 weitere motivierte Studierende ihr Wissen und Geschick in die Konzipierung und Fertigung des zirka 90 PS starken und bis zu 120 Kilometer pro Stunde schnellen einsitzigen Rennwagens.

Unterstützung kommt von allen Seiten
Während der vorlesungsfreien Zeit im Sommer 2011 hatte das Team mit der konkreten Konstruktion und Fertigung diverser Komponenten begonnen. „Bis März 2012 soll unser erster Bolide die Werkstätten auf den eigenen vier Rädern verlassen“, betont Schwarzer frohen Mutes. Unterstützt werden die eifrigen Studenten vom Institut für Elektrische Antriebstechnik und von der Fakultät Maschinenbau. Das Institut stellt ihnen einen Büroraum für mehrere Computerarbeitsplätze sowie einen zentralen Server zur Verfügung. Die Fakultät überlässt den Studenten unter anderem zwei Werkräume und ist für die Finanzierung des Projektstarts zuständig. „Zudem herrscht eine große Bereitschaft, Studienarbeiten für unseren Bereich zu betreuen“, bemerkt Schwarzer. Das ist wichtig, da dieses Projekt sehr zeitintensiv ist und ansonsten die ohnehin geringe Freizeit der Studenten neben dem intensiven Studium komplett für sich beanspruchen müsste. Auch weitere Institute haben ihre Hilfe zugesichert.

„Es geht nicht darum, etwas zu gewinnen“
Für Schwarzer ist das Beeindruckende an diesem Projekt nicht nur das Objekt, das man schließlich real vor Augen haben wird, sondern vielmehr die Vielfältigkeit der Tätigkeiten, die es mit sich bringt. Schwarzer erklärt: „Neben den typischen Ingenieursaufgaben warten im Team sämtliche, auch in einer normalen Firma vorhandenen Posten auf motivierte Studenten, die bereit sind, sich in praxisnahe Jobs einzuarbeiten und damit das im Studium erworbene Fachwissen anzuwenden und zu vertiefen.“ Das heißt, dass bei diesem Projekt für Studierende fast jeden Studiengangs eine Tätigkeit zu finden ist, die sich vielleicht auch für eine eigene Studienarbeit eignet. „Unser Businessplan“, so Schwarzer weiter, „wird zum Beispiel von Studenten der Wirtschafts- und Organisationswissenschaften entworfen“. Im März 2012 soll es dann so weit sein, das Rennauto wird hoffentlich die Halle 150 zum ersten Mal selbst fahrend verlassen und seine ersten Proberunden auf der Flight drehen. Sollte dies gelingen, stünde einer Teilnahme an der Formula Student Germany 2012 im August nichts mehr im Wege. Der schönste Gewinn für Schwarzer sei die Erfahrung, die Freude etwas geschaffen zu haben und das Teamwork bei seinem Projekt.

Heidi Jörend

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