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Freizeit- und Tourismusbranche

Berufsziel Tourismuskaufmann/-frau

Wegen veränderter Anforderungen in der Tourismusbranche gibt es jetzt den neuen Ausbildungsgang zum Tourismuskaufmann/zur Tourismuskauffrau, der die bisherige Berufsausbildung zum/zur Reiseverkehrskaufmann/-frau ablöst. Die berufstypischen Tätigkeitsbereiche sind nun durch die Wahlqualifikationen „Reisevermittlung“, „Reiseveranstaltung“ und „Geschäftsreisen“ abgedeckt. Es handelt sich um eine dreijährige duale Berufsausbildung in Berufsschule und Betrieb. Rechtlich ist keine bestimmte berufliche oder schulische Vorbildung festgelegt. Die Einstellungspraxis zeigt jedoch, dass die Azubis zu 57 Prozent über Hochschulreife verfügen. 36 Prozent haben einen mittleren Bildungsabschluss, während fünf Prozent einen Hauptschulabschluss haben (ohne Hauptschulabschluss: ein Prozent; Sonstige: ein Prozent).

Man bekommt im ersten Ausbildungsjahr 535 bis 567 Euro, im zweiten 635 bis 678 Euro und im dritten 766 bis 822 Euro. Bei entsprechender Dienstzeitlänge zahlt der  Berufsförderungsdienst (BFD) der Bundeswehr während der Ausbildung nach dem Ende der Dienstzeit die Miete oder die Fahrtkosten, aber nur wenn der Betrieb und die Berufsschule mehr als 30 Kilometer vom ursprünglichen Wohnort weit entfernt liegen. Es lohnt sich, den BFD noch während der Dienstzeit deswegen zu kontaktieren. Lernmittelkosten für Bücher können auch noch anfallen.

Berufsbild
Tourismuskaufleute sind immer auf der anderen Seite des Ladentisches anzutreffen, wenn man in eine Reisebüro geht und den Urlaub planen möchte. Sie informieren und beraten die Kunden im Hinblick auf Reiseangebote, verkaufen von Reiseveranstaltern organisierte Reisen oder stellen individuelle Angebote zusammen, die sie dann an den Kunden verkaufen. Die Reiseexperten reservieren in ihrem Arbeitsalltag Flüge und Hotelzimmer. Darüber hinaus buchen sie Kabinen auf Kreuzfahrtschiffen oder Fährpassagen sowie Leihwagen. Zudem sind die Kunden mit umfangreichen Wissen zu den Reisezielen in allen Ländern zu informieren: über kulturelle Besonderheiten, Sehenswürdigkeiten, Klima und Impfungen. Die Tourismuskaufleute vermitteln auch Reiseversicherungen und weitere Zusatzleistungen. Abseits vom Ladentisch planen sie Reisen als eigene Veranstaltungen des Reisebüros und stellen zum Beispiel Wochenendausflüge nach Paris oder zu anderen Großstädten zusammen. Dazu gehört die Überprüfung von Angeboten für die Beförderung, das Essen, die Führungen, die Unterbringung und die kulturellen Veranstaltungen vor Ort. Auf dieser Grundlage sind dann die Gesamtkosten für  die einzelnen Teilnehmer zu ermitteln.

Die Arbeit ist stets zielgruppenorientiert, gilt es doch immer, auf die Bedürfnisse von Familien, Club-Urlaubern, Fernreisenden, Pauschaltouristen oder individuell Reisenden einzugehen.

„Dass ich die schönste Zeit des Jahres verkaufen und meine Kunden mit dem perfekten Urlaub glücklich machen kann“, dies gefällt Jana Wrasmann vom Reisebüro „DERPART Wimke Reisewelt“ besonders gut an diesem Beruf. Sie arbeitet in der Wolfhager Filiale des Unternehmens. Ihre Kollegin Tamara Stute ergänzt: „Man lernt viele nette Menschen kennen, versteht ihre Wünsche und vermittelt ihnen so den Urlaub, auf den sie sich das ganze Jahr freuen.“

Der Job beinhaltet auch die Nachbereitung der Reisen und Reiseveranstaltungen, indem man Kunden nach ihrer Zufriedenheit befragt. Auch sollen – oft selbst reisend – die Qualitätsstandards der vertraglich beteiligten Beherbergungsbetriebe und Beförderungsunternehmen überprüft werden. „Auf so genannten Informationsreisen lernen wir Zielgebiete und Hotels kennen und können mit Wissen aus erster Hand jedem Kunden seinen Traumurlaub vermitteln. Deswegen nutzen wir auch privat jede Gelegenheit, um neue Hotels und tolle Tipps für unsere Kunden auszukundschaften“, sagt Tamara Stute.

Ein weiteres Aufgabengebiet ist der Bereich Geschäftsreisen, wobei die Tourismuskaufleute die Reiseplanung und -organisation für Firmenkunden übernehmen. Hier sind ebenfalls Flüge, Mietwagen und Zimmer zu buchen, aber meistens in der gehobenen Kategorie. So müssen die Zimmer beispielsweise über Internetanschluss verfügen. Die Reise-Profis können auch gleich Besprechungsräume oder Säle für Vorträge auf Wunsch der Kunden mitbuchen. Und sie tragen dafür Sorge, dass die benötigte Technik für die geschäftlichen Termine vor Ort ist.

Ein zusätzlicher Tätigkeitsbereich ist das Marketing: Hier sind etwa zu Werbezwecken Kataloge zu entwerfen sowie Marktbeobachtungen und -analysen zu erstellen, die dann in Grafiken und Tabellen darzustellen sind, um daraus Werbemaßnahmen abzuleiten.

Der Beruf macht offensichtlich auch noch nach mehreren Jahrzehnten Spaß; dies weiß Concetta Lucht vom Reisebüro „DERPART Wimke Reisewelt“ zu berichten: „Ich freue mich auch nach über 20 Jahren, jeden Tag aufs Neue, diesen Beruf ausüben zu dürfen. Es macht mir einfach Spaß, mit meinen Kunden das richtige Reiseziel bzw. die passende Reiseform herauszufinden und dann den passenden Urlaub zu buchen. Es ist immer wieder eine kleine Herausforderung, denn jeder Kunde ist anders und ich muss mich immer wieder neu einstellen.“

Wirtschaftliches Wachstum in der Tourismus-Branche
Trotz Wirtschaftskrise in Europa zeigt das Reise-Barometer in Deutschland nach oben: „Die Chancen und wirtschaftlichen Perspektiven sind in unserer Branche immer noch auf Wachstum ausgerichtet. Im Moment profitiert dabei der klassische Vertrieb, also die Reisebüros mehr als der Online-Vertrieb. Besonders im Bereich der Kreuzfahrt werden überproportionale Steigerungen erwartet“, erklärt Klaus Spohr, geschäftsführender Gesellschafter vom Reisebüro „DERPART Wimke Reisewelt“ mit Hauptsitz in Kassel. Obwohl Kriege und (Natur-) Katastrophen die Reisefreudigkeit beeinträchtigen könnten, habe sich bei Ereignissen wie zum Beispiel der politische Umbruch in Nordafrika oder die Atomkatastrophe in Japan der touristische Reiseverkehr lediglich verlagert, ohne abzunehmen. Die Buchungszahlen für 2012 seien wieder im Plus.

Der Beruf Tourismuskauffrau/-mann hat also Zukunft. Schließlich sind die Bundesbürger extrem reisefreudig.

Text: hmk

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