Zum 34. Mal trafen sich die Mitglieder des Arbeitskreises „Bundeswehr & Handwerk“ in der Naheregion im Zentrum für Restaurierung und Denkmalpflege der Handwerkskammer (HwK) Koblenz in Herrstein. Schwerpunktthemen waren:
Neuregelung des Studienzugangs für Handwerker in Rheinland-Pfalz
Dr. Bernward Eckgold, Geschäftsführer der Handwerkskammer (HwK) Koblenz, stellte die Neuregelungen in Rheinland-Pfalz im Kontext der neueren europäischen Bildungspolitik vor dem Hintergrund der Gleichwertigkeit von beruflicher und schulischer Bildung als Vorreiter in Deutschland heraus. Maßgebliche Rahmenbedingungen dabei seien:
– EU-weite Qualifikationsniveaus, die in 8 Stufen Lernergebnisse aus schulischer, beruflicher und akademischer Bildung vereinheitlichten und länderübergreifend vergleichbar machen sollen (Europäischer Qualifikationsrahmen/EQF) sowie
– die Entwicklung nationaler Qualifikationsrahmen (in Deutschland: Deutscher Qualifikationsrahmen/DQR mit acht Stufen), um die nationalen Bildungs-Outcomes am EQR spiegeln zu können: Alle Kompetenzniveaus können gleichwertig in allen Bildungsbereichen erworben werden.
In Deutschland – so Dr. Eckgold – seien gemäß KMK-Empfehlung von 2009 Gesellen und Facharbeiter mit Berufspraxis den Fachabiturienten gleichgestellt, sofern eine mindestens dreijährige Ausbildung abgeschlossen und entweder eine Eignungsfeststellung oder ein einjähriges Probestudium erfolgreich absolviert wurde. Meister oder vergleichbar Qualifizierte besäßen einen unmittelbaren und allgemeinen Hochschulzugang. Dies würde in den einzelnen Ländern jeweils separat umgesetzt.
In Rheinland-Pfalz sieht die Umsetzung so aus:
– Gesellen/Facharbeiter haben einen fachlich unbeschränkten Zugang zur Fachhochschule. Sie haben einen fachbezogenen Zugang zur Universität, wenn der Berufsabschluss mindestens Note 2,5 und der Umfang praktischer Berufstätigkeit mind. 2 Jahre beträgt.
– Meister oder vergleichbar Qualifizierte haben einen unmittelbaren und fachlich unbeschränkten Zugang sowohl zur Fachhochschule wie auch zur Universität.
– Zur Gleichwertigkeit sollen auch beitragen können:
• Anerkennung von maximal 50 Prozent der Kenntnisse und Fertigkeiten, die außerhalb der Hochschule erworben wurden, auf ein Studium
• Zusammenarbeit mit Berufsbildungseinrichtungen
• Möglichkeit zu individueller und pauschalierter Anerkennung von berufsrelevanten Lernergebnissen
• Ausweitung dualer Studiengänge
• verbesserter Zugang zu weiterbildenden Studien.
Als Fazit wurde herausgestellt: Die Neuregelungen in Rheinland-Pfalz ermöglichen Soldaten, ihre individuellen Schul- und Berufsabschlüsse – letztere innerhalb und außerhalb der Bundeswehr – zielführend auch mit Unterstützung durch das Beratungszentrum Bundeswehr- Wirtschaft (BzBwWi) bei der HwK Koblenz für den Erwerb von EU-weit anerkannten Studienabschlüssen zu verwerten.
Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass
– eine Angleichung von beruflichen und schulischen Bildungsgängen und ihrer Übergangsmöglichkeiten vor dem Hintergrund von 27 EU-Mitgliedsstaaten – und dann noch einmal 16 Bundesländern in Deutschland – ausgesprochen schwierig sei und Beratungen des BFD, die in diese Richtung gehen, vor allem aktuelle Rechtsgrundlagen benötigten.
– eine Dokumentation der in der Bundeswehr erworbenen Berufsfähigkeiten für anschließende Studienpläne außerordentlich wichtig sei. Der BFD vergleiche diese Fähigkeiten mit analogen zivilen Berufsfähigkeiten und attestiere diese, doch sei der hierfür maßgebliche ATB/ATN- Erlass teilweise veraltet.
– derzeit nur etwa 2–3 Prozent der Studenten aus dem Berufsbildungsbereich stammten.
– bei der Frage des Hochschulzuganges für beruflich Qualifizierte weniger die Anzahl entsprechender Studierender im bildungspolitischen Fokus stehe, als vielmehr das Erfordernis, über einen beruflichen Bildungsweg vergleichbar auch alle akademischen Bildungswege beschreiten zu können (Optionenvielfalt). Zusätzlich biete der berufliche Bildungsweg – insbesondere im Handwerk – Möglichkeiten der beruflichen Fortbildung (Meister) und einer unternehmerischen Selbstständigkeit.
– für eine tatsächliche Inanspruchnahme der rechtlichen Zugangsmöglichkeit empfehlenswert sei, sich mit den jeweiligen Fachbereichen der Fach-/Hochschulen in Verbindung zu setzen. Die Experimentierklausel des rheinland-pfälzischen Hochschulgesetzes von 9/2010 ermögliche einschlägige Vor-Kurse zum Studium, sofern Fachwissen fehlen sollte. Diese würden auch vom BFD angeboten.
Zudem ging es bei dem Treffen auch um:
die Dachdecker-Innung Rhein-Hunsrück
Kreishandwerks- und Innungsobermeister Peter Mumbauer, 49 Jahre, nannte als wichtigste Zäsuren in seinem beruflichen Werdegang: die Ablegung der Meisterprüfung im Dachdecker-Handwerk 1985 sowie einen schweren Unfall 1988, der ihn vor die Entscheidung stellte: Invalidität und Berentung oder eigene Existenzsicherung. Sein Entschluss bestand darin, die Meisterprüfung für die Gründung einer eigenen Firma – die „Rundum Meisterservice GmbH“ – zu nutzen, hierfür den ehemaligen elterlichen Betrieb mit zusätzlichen Gewerken (Elektro, Innenausbau, Trockenbau) anzureichern und Lehrlinge in sechs Berufen auszubilden.
Anhand ausgewählter Referenzobjekte veranschaulichte Mumbauer das umfangreiche Berufsbild des Dachdeckers, das u.a. auch die Abdichtung von Bodenplatten und Kellerwänden sowie Fassadengestaltung und Bekleidungen umfasst. Es verlangt auch heute noch einen Großteil Handarbeit, dazu kommen aber zunehmend Neue Technologien, z.B. CAD, CNC, Schweißautomaten oder Fotovoltaik. Die Novellierung der HwO 2004 hat ermöglicht, Arbeiten aus Nachbargewerken – Zimmerer, Klempner – ebenfalls auszuführen. Entscheidend ist, sich durch berufliche Weiterbildung stets auf dem „Stand der Technik“ zu halten.
Zur Dachdecker-Innung Rhein-Hunsrück gehören derzeit 24 Betriebe, die im Durchschnitt 3–5 Mitarbeiter beschäftigen. Vor allem Defizite im Sozialverhalten von Jugendlichen mache kleinen Betrieben eine Lehrlingsausbildung schwer, und diese gelinge aufgrund beruflicher Spezialisierung oft auch nur im Rahmen von Verbundausbildung. Etwa die Hälfte der Betriebe – so Mumbauer – suchten Nachwuchsfachkräfte.
In der Diskussion wurden die Verdienstmöglichkeiten für Gesellen und Meister im Dachdecker-Handwerk angesprochen, wie auch die wöchentliche Arbeitszeiten. Deutlich gemacht wurde auch, dass Zeitarbeitsverträge unüblich seien und dass es keine Zugangsbeschränkungen für Frauen gibt. „Das Handwerk sehnt sich nach Leuten, die mitten im Leben stehen!“, war die Botschaft an die anwesenden Personalführer aus der Bundeswehr, deren Soldaten gerne Ausbildungscoachings und Praktika über die Innung Rhein-Hunsrück oder die Landesinnung angeboten würden.
Weiteres Thema war dann auch noch:
Dienstleistungen der Dachdeckerfachschule Mayen
Kurt Michels, ehemals W 18 in der Schnellbootflotte der Marine, wurde nach seiner Dachdecker-Meisterprüfung Dozent an der Dachdeckerfachschule Mayen, der er seit 37 Jahren angehört, und er wirkt auch bei der Erarbeitung von technischen Regeln in Normenausschüssen mit. In Vertretung von Geschäftsführer Artur Wierschem stellte er die Schule als hundertprozentige Tochter des Dachdecker-Verbandes vor. Sie wurde 1925 gegründet, nach dem 2. Weltkrieg 1948 wiedereröffnet, 1960 als staatlich anerkannten Fachschule und 1968 als Bundesfachschule anerkannt. In 2002 wurde sie Kompetenzzentrum im Dachdecker-Handwerk, 2003 durch die CERTQUA nach DIN EN ISO 9001:2000 QM-zertifiziert.
Schwerpunkte ihres Qualifizierungsangebotes sind:
(1) Fortbildung zum Meister und Fachleiter im Dachdecker-Handwerk sowie Klempnermeister
• Dauer: neun Monate Vollzeit
• inhaltliche Ausrichtung aller vier Teile der Meisterprüfung auf Dachdecker-Handwerk
• Parallele Abschlüsse: Meisterbrief und Fachleiter „Dach-, Wand- und Abdich-tungstechnik“ (bundesweit einmalig)
• jährlich einmal gebührenfreies Aktualisierungsseminar (Mayener Meisterwoche MMW)
• Zusatzqualifikationen: Energieberater, Klempnermeister.
(2) Überbetriebliche Unterweisung von Dachdecker-Lehrlingen aus Rheinland-Pfalz und Saarland (13 Wochen innerhalb drei Jahren Lehrzeit) sowie
(3) Weiterbildung in der Dach-, Wand- und Abdichtungsbranche durch
• Gesellenprüfungsvorbereitung für DD-Lehrlinge und -Umschüler
• kaufmännische Seminare, z.B. EDV, Internet, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Management im Dachdecker-Handwerk (MID)
• Technikkurse, z.B. Bauwerksabdichtung, Ornamentabdeckung mit Schiefer, Asbestsachkunde gem. TRGS 519, Solartechnik, Blitzschutz
• exklusiven Weiterbildungs-Veranstaltungen vor Ort.
Michels nannte abschließend als prominentes Beispiel für eine gelungene Karriere aus Bundeswehr und Dachdecker-Handwerk Traugott Grundmann. Der ehemalige Luftwaffen-Hauptmann habe nach Einheiratung in eine Dachdecker-Familie in 1983 die Meisterprüfung abgelegt und 1989 den Familienbetrieb übernommen. In 1992 sei ihm der Marketingpreis des Deutschen Dachdecker-Handwerks verliehen worden. Heute sei er bereits seit über 20 Jahren Landesinnungsmeister.
Dr. Lothar Greunke
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