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Handwerk

Im Turbogang zum Gesellenbrief

Sechs Metallbauer, ein Feinwerkmechaniker und drei Elektroniker hielten nach nur 15-monatiger Lehrzeit stolz ihre Gesellenbriefe in den Händen. Sie gehörten zur inzwischen siebenten Gruppe, die an dem bundesweiten Modell einer verkürzten Handwerkslehre teilgenommen hat. Entwickelt hat es das Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft (BzBw­Wi) unter dem Dach der Handwerkskammer (HwK) Koblenz gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Bundeswehr und führt es federführend durch.

Seit dem Start des Projektes im Januar 2008 haben damit insgesamt 52 ehemalige Soldaten auf Zeit (SaZ) erfolgreich ihre Gesellenprüfung vor den Prüfungsausschüssen der HwK Koblenz in den handwerklichen Lehrberufen zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Elektroniker, Feinwerkmechaniker und Metallbauer abgelegt. Ende Januar startete bereits die 13. Gruppe.

Ziel erreicht – das beziehen die zehn jetzt freigesprochenen Handwerksgesellen nicht nur auf ihr Abschlusszeugnis. Sie alle haben auch unmittelbar eine Anschlussbeschäftigung gefunden, davon das Gros bei ihren Lehrmeistern.
Aufgrund der bisherigen Erfolge hat das Bundesministerium der Verteidigung – es leistet über den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFD) einen individuellen finanziellen Beitrag zu den Ausbildungskosten – die Förderung für das Projekt der HwK Koblenz und ihres Beratungszentrums um weitere zwei Jahre verlängert. Gleichzeitig zählt es zu den besonderen Qualifizierungsmaßnahmen für SaZ, mit denen aus Sicht der Bundeswehr die Attraktivität des Dienstes in den Streitkräften gesteigert wird. Damit ist nach drei Jahren die Pilotphase beendet und die verkürzte Ausbildung in den „Regelbetrieb“ gegangen.

Fachkräfte für die Unternehmen
„Zwischen der Handwerkskammer Koblenz und der Bundeswehr besteht eine über drei Jahrzehnte gewachsene Partnerschaft, die wir in der Vergangenheit durch unser Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft regional, bundesweit, aber auch international intensiv gepflegt haben und auch in Zukunft weiter ausbauen werden“, versichert HwK-Hauptgeschäftsführer Alexander Baden. „Wir kommen mit unserem Engagement einerseits der gesellschaftlichen Verpflichtung für unsere Soldaten nach, leisten andererseits aber auch einen effizienten Beitrag zur Fachkräftesicherung im Handwerk angesichts der demografischen Entwicklung.“

Diese Botschaft kommt zunehmend auch bei den Betriebsinhabern an, die Skepsis gegenüber einer 15-monatigen Lehre im Turbogang weicht der Erkenntnis des praktischen Nutzen. „Als ich meinem späteren Chef das Konzept der verkürzten Ausbildung erläutert habe, wollte er mir das nicht so recht zutrauen“, erzählt Feinwerkmechaniker Stefan Elsner aus Löbau in der Oberlausitz. „Überzeugt hat ihn dann zunächst der Kostenvorteil, denn auch für ihn verkürzt sich die Ausbildungsinvestition. Aber vor allem hat er mir abgenommen, dass ich nach den Jahren bei der Bundeswehr für meinen Zivilberuf keine Zeit mehr zu verlieren habe und die Ausbildung wirklich will.“

Ähnlich Metallbauer Christian Bach aus Morsbach im Oberbergischen Kreis: „Bei der Bundeswehr habe ich gelernt, mich einzuordnen, das ist in einem Zwei-Mann-Betrieb unverzichtbar, denn da ist man unmittelbar aufeinander angewiesen. Und mit meiner Vorbildung war ich für das Unternehmen nach kurzer Zeit bereits als Arbeitskraft voll einsetzbar.“ Die ehemaligen SaZ wissen, dass ihnen nichts geschenkt wird – wenn sie wie Maik Rößler insgesamt gut 36000 km von Straubing zur überbetrieblichen Ausbildung im HwK-Metall- und Technologiezentrum nach Koblenz oder zum Berufsförderungswerk in Vallendar fahren mussten.

Aber auch, wenn sie sich ins Lernen der Fachtheorie hineinknien mussten. „Wir haben uns in der Gruppe gegenseitig unterstützt und auch nach Feierabend gemeinsam gebüffelt. Freizeit war in den vergangenen Monaten ein Fremdwort“, versichert Elektroniker André Burkard aus Weitefeld, der bei Westerwald Elektrotechnik im nahe gelegenen Hachenburg gelernt hat, dort übernommen wurde und sich mit dem Meisterbrief bereits das nächste Ziel steckt.

Text: HwK Koblenz

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