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Allgemein

Prozessorientierte Beratung und Qualifizierung

Zum 32. Mal trafen sich die Mitglieder des Arbeitskreises „Bundeswehr & Handwerk“ in der Nahe-Region und hießen als prominenten Gast Brigadegeneral Jürgen Knappe, stellvertretender Befehlshaber und Beauftragter für die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Wirtschaft im Wehrbereich II, willkommen. In seinem Grußwort unterstrich der General die Bedeutung von Beratung und Qualifizierung der Zeitsoldaten für einen „normalen Weg“ zur Integration in den Zivilberuf sowie für nachhaltiges Interesse an einer Reservistentätigkeit. Er betrachte deshalb die Ansprache und Begleitung der nur für begrenzte Zeit verfügbaren SaZ als „Chefsache“. Das Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft der HwK Koblenz habe bisher die Koordination zwischen militärischen und zivilen Institutionen in anerkennenswerter Form wahrgenommen. Er wolle sich nun dafür einsetzen, dass im Wehrbereich II eine solche Koordination über die Grenzen der militärischen Organisationsbereiche hinweg ermöglicht werde.

Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft
Oberst d.R. Hans-Joachim Benner, Leiter des Beratungszentrums Bundeswehr-Wirtschaft (BzBwWi) bei der HwK Kob­lenz, begleitet mit seiner Dienststelle die Soldaten vor, wäh­rend und nach der militärischen Dienstzeit durch konzeptionelle Grundlagenarbeit, Steu­erung, Information und Kommunikation. Die quantitative Ausprägung dieser Begleitung wurde anhand einer Statistik für das I. Quartal 2010 veranschaulicht. Aktuelle Projekte verbinde das BzBwWi mit dem Verteidigungsministerium, dem LogRgt 46 sowie der 2. LwDiv. An dem SaZ-Modell hätten bislang 68 SaZ teilgenommen, davon 33 die Gesellenprüfung nach nur 15 Monaten abgelegt. Ab 2011 soll das Modell ausgeweitet werden. In Planung befänden sich darüber hinaus weitere Projekte: IT-Aufstiegsqualifizierungen, medizinische und nichtmedizinische Fortbildung für Sanitätspersonal, die zivile Anerkennung von Bundeswehrabschlüssen, Berufsorientierungsseminare für Medienberufe sowie Praktika für studierende Offiziere. Dauerangebote für die Truppe seien: Praktika für S1-Offiziere und -Feldwebel sowie Kompaniefeldwebel; Unterstützung bei Kommandeur-, Kompaniechef- oder Kompaniefeldwebel-Tagungen sowie der Führerweiterbildung; Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; Austausch von Netzwerkinformationen und Bedarfsabstimmungen sowie zielgruppenspezifische Informationsveranstaltungen. Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass SaZ selbst viel stärker zur Teilnahme an Beratungs- und Orientierungsveranstaltungen angehalten wer­den müssten. General Knappe bezeichnete es als selbstverständlich, dass sie „Job- und Bildungsmessen“ in Begleitung ih­rer Vorgesetzten besuchten. Be­or­derungsgesprä­che müssten so frühzeitig erfolgen, dass sie nicht unter dem Eindruck einer abgelehnten Übernahme als Län­ger­diener/Berufssoldat erfolgten.

Schweißtechnische Qualifizierungen der SL Koblenz
Schweißfachingenieur Peter Eich, Leiter der Schweißtechnischen Lehranstalt (SL) Koblenz, umriss die Anwendungsbereiche der Schweißtechnik anhand betrieblicher Forderungen. Diese reichten vom Apparate-, Behälter-, Maschinen-, Kessel- und Metallbau über Kran-, Schiff- und Fahrzeugbau zum Rohrleitungs- und Brückenbau. Die Vielzahl der dabei zu beachtenden Normen definiere Schweißen als einen speziellen Prozess. Um den Qualifikationsanforderungen gerecht zu werden, seien schrittweise nationale Schulungskonzepte in EU- und internationale Konzepte umgesetzt worden. Die Qualifizierung erfolge heute modular, was große individuelle Flexibilität eröffne. Die SL Koblenz biete Schulungen zum Schwei­ßen von Stählen, Nichteisenmetallen und Kunststoffen in allen Schweißverfahren an, verfüge über ein eigenes Prüflabor und vergebe nach erfolgreicher Prüfung europäische bzw. international gültige Schweißerbriefe. Bei der schweißtechnischen Qua­lifizierungsberatung von Soldaten werde zunächst die im Einzelfall benötigte Schwei­ßerprüfung festgestellt und das verfügbare BFD-Budget berücksichtigt. Persönliche Vorerfahrung werde durch ein Fachgespräch sowie eine schweißtechnische Arbeitsprobe überprüft und auf diesen Grundlagen ein maßgeschneidertes und bedarfsbezogenes Qualifizierungs­angebot erstellt. Erfahrungen von ehemaligen Zeitsoldaten Christian Petermann, 27 Jahre aus Feilbingert, verpflichtete sich nach abgeschlossener Metallbauerlehre in 2003 als SaZ 8 in der Pioniertruppe, wo er zum Brandschutzunteroffizier ausgebildet wurde. Drei Auslandseinsätze prägten seine Erfahrung von Kameradschaft und Zusammenhalt, aber auch für die Anerkennung von Hilfe und Unterstützung durch Bewohner von Krisen- bzw. Kriegsgebieten. Wegen der häufigen Abwesenheit von seiner Familie wollte er seine Militärzeit nicht verlängern. Sein Berufsziel war nun „Berufsausbilder Metall“. Dazu hat er über das BzBwWi die Aufstiegsfortbildung zum „Technischen Organisator Metallbautechnik“ eingeschlagen. Bei einer „Ausbildung am Arbeitsplatz“ im HwK-Zentrum Bad Kreuznach aktualisierte er im IV. Quartal 2009 seine Fertigkeiten als Metallbauer und wurde als Ausbildungsassistent eingesetzt. Nach Absolvieren des Teils III der Meisterprüfung im I. Quartal 2010 leistet er derzeit ein Berufspraktikum bei Fa. Lenhart Metallbau GmbH in Bad Sobernheim, die ihn nach Abschluss der Fortbildung auch übernehmen will. Im Sommer wird er mit den Teilen I/II der Meistervorbereitung fortfahren. Seine Empfehlungen an ausscheidende SaZ: frühzeitige Zivilberufsentscheidung; ca. 3 Jahre vor Dienstzeitende Beratung durch BFD suchen; selbst bzw. in Kooperation mit BzBwWi individuellen Förderplan erstellen; interne und externe BFD-Maßnahmen intensiv nutzen.

Meik Neumann, 50 Jahre aus Münchwald, ist gelernter Feintäschner und war 1980 zunächst Panzergrenadier in Wetzlar, bevor er auf eigenen Antrag zur Luftwaffe wechselte und zum JaboG 35 nach Pferdsfeld versetzt wurde. Dort diente er sich als SaZ 12 in der Instandsetzung der Flugausrüs­tungsstaffel bis zum „Oberfeldwebel“ und Fachgruppenleiter hoch. Auch er wollte aus familiären Gründen nicht Berufssoldat werden. Bei Bodenbelagsarbeiten in seinem Haus gefiel ihm die Arbeit des Parkettlegers, der ihm auf Anfrage anbot, bei ihm eine Lehre zu absolvieren. Diese schloss er nach 21 Monaten mit der Gesellenprüfung ab. Über den BFD setzte er dann die Meisterprüfung drauf. Zwei Jahre nach Dienstzeitende gründete er 1994 einen eigenen Parkettlegerbetrieb, in dem heute ein Lehrling beschäftigt ist. Zwar sei, so Neumann, Parkettleger ein „Knochenjob“ und verlange von einem Unternehmer durchschnittlich einen 10-Stunden-Tag, doch würde er alles genauso noch einmal machen. Seine Empfehlungen lauteten:
– BFD-Qualifizierungsangebote dringend nutzen
– Praktika absolvieren, die er Soldaten auch in seinem Unternehmen anbietet
– den Meistertitel als Qualitätssiegel auf dem Markt erwerben.
Abschließend wurden die Arbeitskreismitglieder zu zwei Großveranstaltungen eingeladen: Am 16. Oktober zum „Tag der offenen Tür“ im HwK-Berufsbildungszentrum Bad Kreuz­nach, am 6. November zur „Nacht der Technik“ im HwK-Metall- und Technologiezentrum in Koblenz.

Dr. Lothar Greunke

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