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Handwerk

Vier Zeitsoldaten, ein Schicksal

Zum ersten Mal ein Bundeswehr-„Kleeblatt“ im Vollzeit-Meisterkurs: Vier ehemalige Zeitsoldaten bereiten sich derzeit im Berufsbildungszentrum Bad Kreuznach der Handwerkskammer (HwK) Koblenz auf die Teile III (Wirtschaft/Recht) und IV (Arbeits-/Berufspädagogik) der Meisterprüfung im Handwerk vor. Drei von ihnen waren bereit, ihren Werdegang und ihre Erfahrungen zu schildern: Jürgen Gnam, 30 Jahre, aus Hüffelsheim ist gelernter Kfz-Mechaniker. Er war im Juli 2002 in die Panzergrenadiertruppe eingetreten, wurde nach der Grundausbildung Kfz- und Pan­zerinstandsetzungsunteroffizier, Wartungstruppführer und stellvertretender Teileinheitsführer im PzGrenBtl 294 in Stetten am Kalten Markt. Seine letzte Verwendung innerhalb der 8-jährigen Verpflichtungszeit war für den Stabsunteroffizier bis April 2009 die eines stellvertretenden Pionierzugfüh­rers im NATO-Hauptquartier in Heidelberg. Geprägt haben Gnam vor allem die Erlebnisse von Kameradschaft, Disziplin, Respekt und Anstand. Selbstständigkeit und Berufs­stolz haben ihm die Militärzeit vermittelt! Weniger gut fand er dagegen das Karrieredenken einzelner Vorgesetzter, das auch dazu führte, dass bestimmte Verwendungszusagen nicht eingehalten wurden. Gesundheitliche Gründe haben ihn bewogen, in die zivile Kfz-Branche zurückzukehren und seinen Meister als Kfz-Techniker zu bauen. Dabei hat ihn – nach eige­nem Bekunden – das zuständige Standortteam des Berufsförderungsdienstes (BFD) in Mainz sehr gut betreut und beraten. Sein Ziel ist, sich nach Erwerb des Meistertitels selbstständig zu machen.

Auch Jörg Jeschonnek, 27 Jahre, aus Gemünden, ging mit dem Berufsabschluss als Kfz-Me­chaniker zur Bundeswehr. Er absolvierte die Grundausbildung im Füh­rungsunterstützungsbataillon 282 in Kas­tellaun und wurde dort als SaZ 8-Stabs­unteroffizier als War­tungstrupp­führer „zivilberufsnah“ eingesetzt. Vor allem Teamwork war seine positive Erfahrung wäh­rend der Militärzeit, die er aus Rücksicht auf seine Familie nicht mehr verlängern wollte. Sein Berufsziel ist der Kfz-Technikermeister, den er in Angestelltenfunktion ausüben möch­te – er hat auch schon einen Arbeitgeber gefunden. Hilf­reich bei der Realisierung dieses Pla­nes war die Zusammenarbeit mit dem zuständi­gen BFD Wiesbaden West jedoch nicht im­mer. Ge­wünscht hätte er sich, dass dabei viel stärker auf die individuellen Interessen einge­gan­gen worden wäre. Seiner Erfahrung nach sollte jeder Zeitsoldat, der die Bundeswehr ver­lässt, alle zielführenden BFD-Kurse „mitnehmen“.

Der 27-jährige Christian Petermann aus Feilbingert ist gelernter Metallbauer. 8 Jahre lang hat er als Brandschutz-Stabs­unteroffizier in der Pioniertruppe gedient. Seine Grund- und Vollausbildung erfolgte beim Spezialpionierbataillon 500 in Speyer, bevor er die Bundes­wehr­schule für ABC-Abwehr und Selbstschutz in Stetten am Kalten Markt besuchte. Drei Aus­landseinsätze auf dem Balkan und in Af­ghanistan haben ihn maßgeblich geprägt. Kame­radschaft und Zusammenhalt waren seine wichtigsten Erfahrungen in der Militärzeit. Auch er wollte aus Rücksicht auf seine Familie die Dienstzeit nicht weiter verlängern. Sein Zivilbe­rufsziel ist es, als Metall-Ausbilder in einer Berufsbildungseinrichtung oder einem größeren Metallbetrieb zu arbeiten. Hierbei haben ihm der BFD Speyer und das Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft bei der HwK Koblenz maßgeblich unterstützt.

Was alle drei auszeichnet: Lange vor Dienstzeitende haben sie ihre Berufskarriere im Zivilleben sorgfältig durchdacht und einzelne Schritte auf der Karriereleiter genau geplant. Diese Aufgabe kommt auf jeden Zeitsoldaten zu, der die Bundeswehr nach mehr oder weniger langer Verpflichtungsdauer verlässt! Entscheidend ist – so lautet die gemeinsame Empfehlung – sich rechtzeitig über die Zukunft klar und aktiv zu werden. Konstruktive Hilfe bietet dabei das Be­ratungs­zentrum Bundeswehr-Wirtschaft bei der HwK Koblenz, doch müssen Impulse und Initiativen immer von einem selber ausgehen. Über den BFD haben sie dann recht­zeitig ab­geklärt, mit welchen finanziellen Förderungen sie rechnen können und schließlich ihre Pläne konsequent in die Tat umgesetzt. Nur so kann und wird der Übergang vom Militärdienst ins Zivilleben Erfolg haben!

Weitere Infos:
Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft
Friedrich-Ebert-Ring 33
56068 Koblenz
Telefon: (02 61) 39 8-21 6
Telefax: (02 61) 39 8-93 4
E-Mail: bzbw@hwk-koblenz.de

Text: Dr. Lothar Greunke

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