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Logistik- und Verkehrsberufe

31. Treffen im Michelin Werk Bad Kreuznach

Sein 31. Treffen verband der in 1994 gegründete regionale Arbeitskreis „Bundeswehr & Handwerk“ mit einer Besichtigung des Michelin Reifenwerks in Bad Kreuznach. Sechzehn Personalverantwortliche von der 2. Luftwaffendivision/Bir­kenfeld, der Artillerieschule/Idar-Oberstein, dem Artillerielehrregiment 345/Kusel, dem Füh­rungsunterstützungsbataillon 282/Kastellaun, dem Berufsförderungsdienst Trier, dem Zentrum für Nachwuchsgewinnung WEST/Mainz sowie der Handwerkskammer (HwK) Koblenz waren bei dem Reifenhersteller zusammengekommen. Als Gast dabei war Oberst i.G. Thomas Humm, Abteilungsleiter Personal beim Wehrbereichskommando II in Mainz, in Vertretung von Brigadegeneral Jürgen Knappe, der als Stellvertreter des Befehlshabers zugleich Beauftragter für die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Wirtschaft im Wehrbereich II ist.

Die Michelin Reifenwerke AG & Co. KGaA
Personalleiter Oliver Beck, der die Besichtigung leitete, war selbst 14 Jahre lang Zeitoffizier gewesen und hatte in der Panzergrenadier- und Heeresfliegertruppe gedient. Wichtige Stationen seines militärischen Werdeganges waren das Studium der Pädagogik und Psychologie an der Bundeswehruniversität in München, ein siebenmonatiger Auslandseinsatz 1999 in Bosnien sowie seine Tätigkeit als Hörsaalleiter an der Heeresfliegerschule in Bückeburg. Kennengelernt hatte er die Firma Michelin über eine Recrui­ting-Messe (Absolventenkongress Köln) und begann seine Tätigkeit im August 2003 als Personalreferent am Michelin Standort Homburg. „Glück gehabt!“ resümiert er heute seinen Einstieg. Beck präsentierte den Gästen das in 1889 gegründete französische Familienunternehmen, für das seit 1898 als Markenzeichen das Michelin Männchen „Bibendum“ stehe, mit folgenden Zahlen:

•    Weltweit 122.000 Mitarbeiter
•    69 Fertigungsstandorte und Verkaufspräsenz in 170 Ländern
•    16,4 Mrd. EUR Umsatzerlöse in 2008
•    Marktführer mit 17,1% vor Bridgestone (16,9%), Good­year (14,9%) und Continental (5,9%) (Stand September 2008)
•    Produktion aller Reifentypen für Pkw, Lkw, Zweiräder, Landwirtschafts-, Baumaschinen und Flugzeuge (darunter das Space-Shuttle) sowie Reiseführer und Karten
•    fünf Fertigungsstandorte in Deutschland: Hallstadt/Bam­berg, Bad Kreuznach, Trier, Homburg/Saar sowie die Zentrale in Karlsruhe.

Mit der Charta „Leistung und Verantwortung“ seien 2001 die Werte Achtung vor den Kunden, den Menschen, den Aktionären, der Umwelt und den Fakten in der Unternehmensphilosophie fest verankert worden.

Das Michelin-Werk Bad Kreuznach
Das Michelin-Werk Bad Kreuznach, zertifiziert nach ISO 14001 und ISO/TS 16949, ist seit 1966 der größte Produktionsstandort in Deutschland: 1.500 Mitarbeiter, zuzüglich 150 Leiharbeitnehmer und 150 Mitarbeiter von Fremdfirmen, stellen hier in flexiblen Teams Reifen für Pkw, kleine Lkw sowie Mischungen her, die an Autohersteller und Reifenhändler vertrieben werden. Die Belegschaft setzt sich aus circa 1.100 Produktionsmitarbeitern, 200 Facharbeitern sowie 200 Ingenieuren und Angestellten zusammen. Mit einem auf fünf Jahre abgeschlossenen „Zukunftspakt“ reagierten Unternehmen und Mitarbeiter 2007 in Deutschland auf den harten internationalen Wettbewerb, dem sich insbesondere die deutschen Standorte stellen müssen: Während die Konzernleitung alle Standorte bis 2012 zu sichern und 250 Millionen EUR an Investitionen zusagte, waren im Gegenzuge die Arbeitnehmer bereit, pro Tag 15 Minuten unbezahlte Mehrarbeit zu leisten sowie zu einer Stunde unbezahlter Qualifizierung im Monat, um die Stand­orte und ihre Mitarbeiter fit für die Zukunft zu machen. Jährlich werden im Werk Bad Kreuznach 15 Auszubildende zum Elektriker, Industriemechaniker und Mechatroniker eingestellt. Zusätzlich werden in einem Verbundsystem mit Partnerunternehmen Lehrlinge unterwiesen, denen ihre Ausbildungsbetriebe die Inhalte nicht vollständig vermitteln können. Weitere Akzente hat das Werk im Umweltschutz und in sozialen Netzwerken gesetzt.

Bei einer Führung durch die Produktionsanlagen verdeutlichte Ingenieur Heinz-Günter Schwenk, ein ehemaliger Mitarbeiter und „Michelin Botschafter“, an ausgewählten Besichtigungspunkten die Komplexität der Reifenherstellung. Sie erfordert die Verarbeitung von über 200 Inhaltsstoffen zu rund 30 Vorprodukten, die nach definierten Verfahren ein Endprodukt liefern sollen, das folgenden Anforderungen genügen muss:

•    Sicherheit in allen Fahrsituationen
•    hohe Belastbarkeit
•    Langlebigkeit
•    Treibstoff sparend
•    Emissionen senkend
•    niedrige Lärmbelastung.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss die Produktion gleichzeitig wirtschaftlich erfolgen und Umweltschutzauflagen berücksichtigen. Dies gelingt durch ein Verfahrensmanagement, bei dem in allen Fertigungslinien „Lagezentren“ geführt werden, in denen alle relevanten Daten und Einfluss­faktoren erfasst, von den Führungskräften kurz nach Schichtbeginn mit den Teams besprochen in angemessene Entscheidungen und Reaktionen umgesetzt werden.

Michelin und Bundeswehr
Bisher liegen Michelin keine dezidierten Erfahrungen mit ehemaligen Soldaten als Mitarbeitern vor. Grundsätzlich ist die Personalführung jedoch für die Bewerbung von Soldaten offen. Entscheidend, so Personalchef Beck, ist die Persönlichkeit des Bewerbers. Hoch geschätzt würden von ihm die Führungserfahrung und das Prozess-Denken von Offizieren und Unteroffizieren, doch müss­ten sich diese in Auftreten und Sprache dem Zivilleben anpassen. „Den Schalter umswitchen, ohne seine eigene Persönlichkeit verstellen und verkaufen zu müssen!“ lautete seine Empfehlung an alle, die eine berufliche Zukunft bei Michelin suchten. Erwartet würde von neuen Mitarbeitern vor allem, respektvoll aber auch „unbequem“ zu sein in dem Sinne, dass immer wieder Verständnisfragen gestellt würden, bis Sinn und Zweck von Handlungsvorgaben hundertprozentig rübergekommen sind. Ziel dieser Vorgehensweise ist der zu generierende Fortschritt. Dazu gehört auch, sich Feedbacks von den Mitarbeitern einzuholen und über sein persönliches Auftreten zu reflektieren. Im Unterschied zur Bundeswehr würde das unternehmerische Denken eines Betriebes wesentlich an messbaren Indikatoren ausgerichtet, die zur Standortsicherung beitragen. Immer komme es darauf an, fachliche und persönliche Stärken und Vorteile zum Nutzen des Unternehmens einzubringen. Ob Persönlichkeit und Fachkompetenz von Bewerbern aus der Bundeswehr mit der Michelin Philosophie übereinstimmen, wird in einem Erstkontakt festgestellt, den fünf Michelin Mitarbeiter auswerten. Grundlagen hierbei sind Doppelgespräche, ein Firmenrundgang sowie ein Zweitgespräch. Entlohnungsrichtwerte für Facharbeiter betragen etwa 2.800 EUR, bei Führungskräften etwa 3.000–3.600 EUR pro Monat, abhängig vom Niveau der Einstiegsstelle. Die Weiterentwicklung der Füh­rungskräfte zur Erhöhung der Einsatzmöglichkeiten erfolgt über Nachwuchskräfte- und Mentoring-Programme, die von der Karlsruher Michelin-Zentrale organisiert werden. Wenn Soldaten, die sich bei Michelin bewerben, Fördermöglichkeiten über den BFD einbringen können, so sei dies „nice to have“, aber keine unbedingte Einstellungsempfehlung. Ausdrücklich angeboten wurde von Oliver Beck, dass Bundeswehr-Einrichtungen und -Truppenteile jederzeit zwecks Besichtigung des Michelin-Werkes oder zur intensiven Erläuterung von Bewerbungs- und Einstellungsprozeduren direkt mit ihm Kontakt aufnehmen könnten. Die Kontaktadresse lautet:

  • Michelin Reifenwerke
    Werk Bad Kreuznach
    Michelinstraße 1
    55543 Bad Kreuznach
    Postfach 1963
    55509 Bad Kreuznach
    Tel.: (06 71) 855-1205
    E-Mail: oliver.beck@de.michelin.com

Text: Dr. Lothar Greunke

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