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Vom Pilotprojekt zum Erfolgsmodell und Vorbild

Gerade einmal zehn Jahre alt, aber längst erwachsen: Das Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft (BzBwWi), hat seinen runden Geburtstag in der Koblenzer Falckensteinkaserne gefeiert und damit an dem Ort, an dem „die erste Idee geboren und in Gesprächen die Saat gelegt wurde für ein gemeinsames Engagement, aus dem eine Erfolgsgeschichte geworden, ein mächtiger Baum gewachsen ist“, wie es Generalleutnant Carl-Hubertus von Butler als Befehlshaber des Hee­resführungskommandos und Hausherr in seinem Gruß an die Gäste aus Wirtschaft und Bundeswehr, Politik und Gesellschaft – allen voran der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), Christian Schmidt – formulierte.

Der Präsident der Handwerkskammer (HwK) Koblenz Karl-Heinz Scherhag erinnerte an den 4. August 1999, an dem er gemeinsam mit dem damaligen Bundesminister der Verteidigung Rudolf Scharping das „Pilotprojekt einer zivil-militärischen Zusammenarbeit auf Ini­tiative und mit der Handwerkskammer Koblenz“ in Bonn der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Seit inzwischen fünf Jahren tragen die beiden Industrie und Handelskammern (IHK) Koblenz und Limburg das Kooperationsprojekt mit, ein „Beirat Kooperation Bundeswehr-Wirtschaft im Wehrbereich II“ (Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen und Nordrhein-Westfalen), dem Vertreter der Kammern sowie ziviler und militärischer Einrichtungen der Bundeswehr angehören, steuert die Zusammenarbeit.

Personalgewinnung und -sicherung als verbindende Aufgabe „Ausdrücklich bedanke ich mich für das Engagement und Vertrauen, das uns die Stellen der Bundeswehr und alle beteiligten Projektpartner bei der Gestaltung unserer Zusammenarbeit entgegengebracht haben“, führte Scherhag aus. Zehn Jahre seien ein guter Anfang, die Anstrengungen lohnend, sie gäben Sicherheit für längst erkannte Aufgaben: „Wir brauchen gemeinsame Lösungen angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels. Wer mit Innovationen aus Zukunft Gegenwart machen möchte, braucht dafür gut ausgebildete, kreative Leute. Solche Frauen und Männer zu finden und zu binden, das ist heute vielleicht eine der größten Herausforderungen – nicht allein für unsere Betriebe, sondern auch für die Streitkräfte.“

General von Butler betonte, dass das BzBwWi „durch eine Vielzahl von Maßnahmen die Attraktivität der Bundeswehr als dem größten staatlichen Arbeitgeber Deutschlands weiter verbessert. Sie sorgen mit dafür, dass die Streitkräfte mit motiviertem und qualifiziertem Nachwuchs ihren Auftrag erfüllen können“. Wichtig war ihm dabei, dass „die Zusammenarbeit Bundeswehr-Wirtschaft nie eine Einbahnstraße war und ist“. Denn die rund 1000 „hervorragend ausgebildeten und motivierten Zeit- und Berufssoldaten alleine aus dem Heer“, die pro Monat die Bundeswehr verlassen, könnten mit Unterstützung des BzBwWi in den Unternehmen der Wirtschaft ihr Potenzial und ihre Fachexpertise einbringen.

Für die rheinland-pfälzische Landesregierung würdigte der stellvertretende Ministerpräsident Karl Peter Bruch das Koblenzer Kooperationsmodell als „einen wesentlichen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis der durchaus unterschiedlichen Sichtweisen bei Bundeswehr einerseits und Wirtschaft andererseits“. Die Initiatoren des Kooperationsprojektes hätten Weitblick bewiesen. „Unsere Soldaten haben ein Recht auf jede mögliche Unterstützung, wenn sie in den Zivilberuf zurück kehren. Dies sage ich ausdrücklich vor dem Hintergrund der besonderen Herausforderungen und Belastungen durch die Einsätze der Bundeswehr im Ausland“, so Bruch.

Ergänzung bei der Wahrnehmung von Kernkompetenzen

„Die veränderte globale Sicherheitslage führt dazu, dass die Streitkräfte mit immer neuen Aufgaben konfrontiert werden. Um dem gerecht werden zu können, ist es für die Bundeswehr geboten, mit Partnern zusammen zu arbeiten, die ihre Kernkompetenzen einbringen. Dies galt und gilt auch nach wie vor für den Bereich der Aus- und Weiterbildung“, die Staatssekretär Christian Schmidt bei der Wirtschaft in guten Händen sieht. „Die Bundeswehr profitiert von der Ausbildungsleistung von Industrie, Handel und Handwerk; diese wiederum von der Weiterqualifizierung durch die Bundeswehr, begleitet von Führungserfahrung, oft in fordernden Auslandseinsätzen. Ich freue mich, dass diese Zusammenhänge hier in Koblenz bereits frühzeitig erkannt wurden und ein besonderes Modell einer zivil-militärischen Partnerschaft etabliert werden und bundesweit Nachahmer finden konnte.“

Schmidt würdigte ausdrücklich die zahlreichen Initiativen des BzBwWi wie das Modell einer verkürzten Ausbildung in vier Handwerksberufen für kürzer dienende Soldaten auf Zeit (SaZ).

Als weiteres Projekt benannte er die Initiative „Exis­tenzgründungen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, in das das BMVg eingebunden ist. „Viele Unternehmensinhaber möchten nach einem arbeitsreichen Berufsleben ihren Ruhestand genießen und finden keine Nachfolger. Ich denke, auch unter unseren Soldaten finden sich Menschen, die einen solchen Schritt wagen würden. Hier gilt es, Altunternehmer und potenzielle Jung­unternehmer zusammenzubringen. Vonnöten ist auch hierzu Kommunikation.“ Auf der einen Seite berate und unterstütze der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr die Soldaten in allen Fragen der beruflichen Qualifizierung. „Darauf aufbauend leisten die Kammern weitere Hilfestellung durch ihre Existenzgründungsberater. Sie wissen am besten, wo ein Unternehmen aus Altersgründen übergeben wird.“

Der Verteidigungsstaatssekretär zeigte sich zuversichtlich, „dass es uns gemeinsam mit unseren zivilen Kooperationspartnern auch zukünftig gelingen wird, das hohe Potenzial der ausscheidenden Soldaten zur optimalen Platzierung auf dem Arbeitsmarkt zu nutzen und so auch zu einer verbesserten Nutzung von Ressourcen durch zivile Arbeitgeber in Industrie, Handel und Handwerk beizutragen.“ Jährlich nahmen und nehmen rund 2000 Personen aus Politik, Wirtschaft und Bundeswehr sowie SaZ an Informationsveranstaltungen und Tagungen des BzBwWi teil, junge Menschen werden durch die Wehrdienstberater der Bundeswehr, die im BzBwWi seit 2002 mit einem Büro vertreten sind, über berufliche Perspektiven und Karriereplanungen in den Streitkräften informiert. Täglich lassen sich SaZ von den Experten des BzBwWi einen individuellen Qualifizierungsplan zur Vorlage beim Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFD) für ihren zivilberuflichen Neustart ausarbeiten.

Informationen zum Beratungs­zentrum Bundeswehr-Wirtschaft,
Tel.: 0261/ 398-127, Fax: -934,
E-Mail: info@bundeswehr-wirtschaft.de, Internet: www.bundeswehr-wirtschaft.de

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